Lateinamerikanische Revolutionen: Geschichte und Wandel
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Lateinamerikanische Revolutionen: Ein historischer Überblick
Lateinamerika war nicht immun gegen die globale Realität und die raschen Veränderungen auf der ganzen Welt: Der Kalte Krieg, die bipolare Welt des Kommunismus, der Rüstungswettlauf, der Kapitalismus, die revolutionäre Stimmung und Diktaturen prägten die Realität seiner Völker.
In Lateinamerika verlief die Entwicklung langsam. Viele sehen im Subcomandante Marcos einen neuen Che Guevara, obwohl er in Wahrheit ein revolutionärer Held war, der die Demokratie stärken und die Identität der Maya verteidigen wollte. Die geistige Welt widerstand lange Zeit demokratischen Ideen, teils aus gutem Grund, da die Frage der Demokratie oft dazu diente, herrschende Interessen zu schützen.
Die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise
Die Finanzkrise der 1930er Jahre wirkte sich nicht nur wirtschaftlich aus, sondern hatte weitreichende soziale und politische Folgen, die in vielen Ländern zu Staatsstreichen durch die Streitkräfte führten.
Die Ära des Populismus (1930–1945)
Im Zeitraum 1930–1945 durchlief Lateinamerika eine Phase, in der populistische Ansätze versuchten, wirtschaftliche Probleme zu lösen. Trotz eines starken konservativen Autoritarismus forderten soziale Bewegungen und Streiks verstärkt Demokratie. Die soziale Struktur veränderte sich durch die Stärkung der Mittelschicht und eine starke Binnenmigration in die wachsenden Großstädte.
Ideologische Strömungen und nationale Führer
Ideologische Bewegungen waren geprägt von Nationalismus, beeinflusst durch Sozialismus und Faschismus, mit imperialistischen Akzenten. Bekannte Führer dieser Zeit waren:
- Getúlio Vargas (Brasilien)
- Juan Domingo Perón (Argentinien)
- Bewegungen wie APRA, die paraguayische Febrerista-Partei, der brasilianische Integralismus und der mexikanische Synarchismus.
Zudem prägte der Grenzkrieg zwischen Bolivien und Paraguay (Chaco-Krieg) diese Periode.
Nationale Projekte (1945–1975)
In dieser Zeit standen sich zwei Projekte gegenüber: das neokonservative und das neopopulistische. Ersteres setzte auf Wirtschaftswachstum und ausländisches Kapital, während Letzteres eine stärkere staatliche Kontrolle und soziale Unterstützung anstrebte.
1948 wurde die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) gegründet. Das Ende des Zweiten Weltkriegs förderte demokratische Ideen, etwa durch die Christdemokratie in Chile, die Demokratische Aktion in Venezuela (Rómulo Betancourt) und den National-Populismus in Peru.
Die Kubanische Revolution und ihre Folgen
1958 siegte die Kubanische Revolution unter Beteiligung von Camilo Cienfuegos und Ernesto Che Guevara. 1961 folgte die Krise der sowjetischen Raketen auf Kuba, die USA begannen die Wirtschaftsblockade und Fidel Castro erklärte Kuba zum sozialistischen Staat.
Die Revolution hatte großen politischen Einfluss und diente vielen Intellektuellen als Vorbild. Kuba unterstützte lateinamerikanische Guerillabewegungen.
Militärdiktaturen und Nationale Sicherheit
Als Reaktion entstand die Doktrin der nationalen Sicherheit gegen den Kommunismus. Zwischen 1960 und 1970 breiteten sich militärische Diktaturen in Mittel- und Südamerika aus, oft unterstützt und trainiert durch die USA.
- 1973 stürzte Augusto Pinochet die demokratisch gewählte Regierung von Salvador Allende.
- 1975 wurden dreizehn Länder von Militärregimes regiert (u. a. Argentinien, Brasilien, Chile, Uruguay).
- 1989 marschierten US-Truppen in Panama ein, um Manuel Noriega zu stürzen.
Befreiungstheologie und Widerstand
In dieser Zeit entstand die Befreiungstheologie, getragen von Persönlichkeiten wie Helder Camara, Leonardo Boff und Gustavo Gutiérrez. Auch indigene Bewegungen, wie die von Rigoberta Menchú, gewannen an Bedeutung. Ländliche und städtische Guerillabewegungen waren in zahlreichen Ländern aktiv.
Aktuelle wirtschaftliche Entwicklungen
Die aktuelle Periode des Wirtschaftswachstums wird oft als „Wunder“ bezeichnet. Kritiker betonen jedoch, dass dieses Wachstum primär multinationalen Konzernen und der lokalen Elite zugutekam, während der Großteil der Bevölkerung kaum davon profitierte.