Lateinische Motive und Themen in der Dichtung

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Carpe diem (Genieße diesen Tag) – eine Aufforderung, die Gegenwart zu genießen.

Colligan, virgo, rosas (Pflücke, Jungfrau, die Rosen) – eine Aufforderung, die junge Liebe zu genießen, bevor die Zeit ihre Schönheit verkümmern lässt.

Locus amoenus (Angenehmer Ort) – erschafft eine grüne und klare Wiese mit frischem Wasser, das dem Dichter als Trost und Zuflucht dient, um sein Liebesleid auszudrücken.

Goldene Mitte (Goldene Mäßigung) – bietet eine Haltung der gemäßigten Lobpreisung fernab jeglichen Ehrgeizes.

"Beatus ille" (Glücklich) – beklagt ein Leben abseits des Chaos der Welt auf der Suche nach Frieden und Harmonie in der Natur.

Die Natur als Zuflucht und Ideal

Die Natur ist friedlich und harmonisch, das poetisch idealisierte locus amoenus. Diese naturzentrierte Oase der Ruhe und Harmonie spielt in der asketischen Dichtung des 16. Jahrhunderts eine andere Funktion: Sie ist die Zuflucht, die man in der Dichtung sucht, um Ruhe und spirituelle Entspannung zu finden.

Liebesauffassung und Mythologie

Die Liebe ist von der neuplatonischen Philosophie beeinflusst und hat eine petrarca'sche Konzeption. Sie löst sich von rein sinnlichen Wünschen und erscheint als etwas, das von der Materie zum Immateriellen erhebt, wobei die Geliebte Sinnlichkeit besitzt. Güte und Schönheit sind Funken der Göttlichkeit, die zum Schauen der absoluten Schönheit führen. Diese Vergöttlichung der Geliebten macht die Liebe zu einem Akt der Anbetung, fast einem religiösen Kult. Die Liebe ist auch eine Quelle der Frustration, da sie oft als unerreichbar empfunden wird, da sie Bilder oder Metaphern verwendet.

Mythologie in der Renaissance

In den Werken der Renaissance werden Nymphen, Helden, Götter und andere Figuren aus der griechisch-römischen Mythologie verwendet. Diese dienen dem Dichter als Symbole für seine eigenen sentimentalen Konflikte. Garcilaso ist ein Dichter, der diese neuen Themen erfolgreich assimiliert.

Die Flucht aus der Welt (Uída de la Mundo)

Das Thema der Flucht aus der Welt, verstanden als Sehnsucht nach Transzendenz, entwickelt sich in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts in einem Gedicht mit moralischem Charakter, das die Beatus ille und aurea mediocritas verbindet. Der Mensch ist dazu verdammt, in einer Welt zu leben, in der Chaos und trügerischer Besitzzwist herrschen.

Wege zur Flucht aus dem Gefängnis der Welt

Um diesem Gefängnis zu entkommen, muss man verschiedene Mittel ergreifen:

  • Praxis und Entwicklung bestimmter Tugenden: Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Mäßigung.
  • Hingabe an Studium und geistige Arbeit.
  • Enger Kontakt mit der Natur.
  • Die Wahrnehmung der musikalischen Kunst.
Fazit

Diese Fragestellung ist eine der Grundlagen der zeitgenössischen Dichtung, die heidnische und asketische Motive christianisiert. Sie konzentriert sich auf den Wunsch des Einzelnen, das Irdische zu überwinden und sich mit dem Göttlichen zu vereinen.

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