Läuse: Pediculus humanus und Filzlaus – Symptome & Behandlung
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Pediculosis und Filzlaus
Definition
Ist der Befall durch Pediculus humanus beim Menschen und die Filzlaus (Phthirus).
Morphologie
Ektoparasiten, spezifisch für den Menschen:
- Hämatophag (blutsaugend)
- Unvollständige Metamorphose
- Flügellos (apter)
- Übertragung durch direkten Kontakt oder durch kontaminierte Gegenstände
Pediculus humanus
Es gibt zwei Formen: capitis (Kopfhaar) und corporalis / vestimentis (Kleidung).
- Vorn–hinten abgeflacht (dorsoventral).
- Größe: ca. 2–4 mm.
- Weißlich je nach Pigmentierung und Wirt.
- Kleiner, quadratischer Kopf, kleine Antennen und einfache Augen.
- Komplexer Mundapparat zum Stechen und Saugen.
- Thorax klein, mit drei kräftigen Beinpaaren.
- Abdomen kräftig, mit eiförmigen Segmentplatten und Verdickungen.
Im Haar (Kopfläuse)
Weibchen kleben Eier (Nissen) an die Haarwurzel mithilfe einer Haftsubstanz. Eier ca. 0,8 mm lang, mit einem sichtbaren Deckel (Operculum).
In der Kleidung (Kleiderlaus)
Leben in den Nähten der Kleidung; verlassen diese nur, um Blut vom Wirt zu saugen. Legen Nissen, die unter günstigen Bedingungen bis zu einem Monat lebensfähig sein können.
Filzlaus
Findet sich hauptsächlich im behaarten Scham- und Genitalbereich. Weitere Lokalisationen: Axillarregion, Schnurrbart, Bart, Wimpern und Augenbrauen.
- Größe: ca. 1–1,5 mm.
- Breiter, abgeflachter Körper, fast durchscheinende Farbe.
- Kräftige Greifbeine ("Krabbenähnlich").
- Weibchen etwa 1–1,5 mm, grau. Die Eier (Nissen) besitzen einen deutlichen Deckel (coronaler Operculum) mit erhabenen Mamellonen.
Evolutionärer Zyklus
Pediculus humanus
Nach der Befruchtung beginnt das Weibchen innerhalb von zwei Tagen mit dem Legen von etwa 10 Eiern pro Tag, bis es nach ca. 30–40 Tagen stirbt. Insgesamt legt ein Weibchen etwa 300–400 Eier in seinem Leben.
Nissen werden unter geeigneten Bedingungen 5–10 Tage bebrütet. Danach schlüpft eine Nymphe, die fast sofort zu saugen beginnt. Nach drei Häutungen in ca. zwei Wochen erreicht die Nymphe das adulte Stadium. Erwachsene Läuse verbleiben mehrere Stunden bis Tage am Ort des Bisses. Bei ungünstigen Bedingungen oder Temperaturänderungen verlassen sie den Wirt und können einen neuen Wirt infizieren.
Filzlaus
Bei der Filzlaus schlüpfen Nymphen nach etwa 6–8 Tagen und durchlaufen ebenfalls drei Häutungen bis zum Erwachsenenstadium in ungefähr zwei Wochen. Das adulte Tier lebt in der Regel einige Monate.
Epidemiologie
Weltweit verbreitet (z. T. Prävalenzangaben um 15 %, je nach Klima und Region). Häufigere Vorkommen bei Kriegen, Überbelegung oder mangelhafter Körperhygiene.
- Befall durch Pediculus humanus (capitis) ist besonders häufig bei schulpflichtigen Mädchen.
- Pediculus humanus (vestimentis) tritt häufiger bei Obdachlosen oder mittellosen Personen auf, unabhängig vom Geschlecht.
- Die Filzlaus tritt am häufigsten zwischen 15 und 40 Jahren auf (sexuell aktive Altersgruppe), kann jedoch auch durch engen persönlichen oder Bettwäschekontakt übertragen werden.
Pathologie
Einige Läuse sind medizinisch bedeutsam als Ektoparasiten und können als biologische Vektoren fungieren (insbesondere Kleiderläuse).
Schädigungen durch Läuse:
- Mikro- oder makronoduläre Dermatitis
- Sekundäre Infektionen (Pyodermie, Impetigo) durch Kratzen
- Irritationen durch Speichel und allergische Reaktionen
Wichtig: Pediculus humanus (vestimentis) kann als biologischer Vektor folgender Erkrankungen dienen:
1. Fleckfieber (Rickettsia spp.)
2. Rückfallfieber (Borrelia spp.)
3. Schützengrabenfieber / Trench-Fieber (Bartonella quintana)
Symptomatologie
Pediculus humanus (capitis)
Juckreiz (Pruritus), häufig temporal, occipital und an der Ohrmuschel. Sekundär: Exkoriationen und bakterielle Infektionen mit serösen oder eitrigen Sekreten und Krusten.
Pediculus humanus (vestimentis)
Lokaler, starker Pruritus mit erythematösen Makeln, Papeln und Exkoriationen. Bei chronischer Belastung kann es zu Hyperpigmentierung (Melanodermie) kommen.
Filzlaus
Pruriginöse Dermatitis mit geröteten Papeln, Abschuppung oder sekundärer Infektion. Zu den typischen Befunden gehören Ceruleae maculae (bläuliche Flecken) bei chronischem Befall, lokale Hyperkeratose und Hyperpigmentierung. Bei Kindern können konjunktivale Reizungen auftreten, bei Erwachsenen papulöse Veränderungen.
Diagnose
Nachweis des Parasiten in verschiedenen Entwicklungsstadien durch physikalische Untersuchung. Gute Beleuchtung ist wichtig. Anamnese (Kontakt, Symptome) ergänzend.
Pediculus humanus (capitis): Körperliche Inspektion der Kopfhaut, insbesondere Haarregionen hinter den Ohren und am Nacken. Suche nach Nissen an den Haaren.
Pediculus humanus (vestimentis): Untersuchung der Kleidung, Nähte und Falten.
Filzlaus: Inspektion des Genitalbereichs und ggf. der Wimpern/Augenbrauen; mikroskopische Kontrolle von Proben.
Behandlung
Allgemeine Maßnahmen:
- Untersuchung und ggf. Behandlung von Kontaktpersonen bzw. Haushaltsangehörigen.
- Gesundheitsaufklärung über Übertragungswege und Vorbeugung.
- Lokale Wirkstoffe: Permethrin 1%–3%, Lindan 1% (restriktiv anzuwenden), Decamethrin 0,2%, Deltamethrin 0,02% u. a. (je nach Verfügbarkeit und Zulassung).
- Für Schwangere und Säuglinge sind sichere Alternativen bzw. ärztliche Beratung erforderlich.
Pediculus humanus (vestimentis):
- Entfernung oder heiße Wäsche (Auskochen) der befallenen Kleidung und Bettwäsche.
- Anwendung geeigneter Insektizide auf trockene Kleidung nach Herstellerangaben.
- Körperpflege und ggf. lokale Behandlung.
Filzlaus:
- Behandlung analog zu Kopfläusen, mit besonderer Vorsicht bei Behandlung im Bereich von Augenbrauen und Wimpern (z. B. mechanische Entfernung oder speziell zugelassene, sichere Produkte).
Prophylaxe
Gesundheitserziehung und präventive Maßnahmen:
- Zeitnahe Erkennung und angemessene Behandlung.
- Keine gemeinsamen Kämme, Bürsten, Hüte oder Handtücher bei infestierten Personen.
- Vermeidung von Kopf-an-Kopf-Kontakt mit infizierten Personen.
- Sauberhalten von Schlafplätzen.
- Sterilisation bzw. heiße Wäsche von Ausrüstung und persönlicher Kleidung (heiße Wäsche, Auskochen oder heißer Trockner).
Hinweis: Bei Verdacht auf infestationsbedingte Erkrankungen oder bei unsicherer Diagnose sollte ärztlicher Rat eingeholt werden. Auswahl und Anwendung von Insektiziden sollten stets gemäß aktueller Empfehlungen, Zulassung und Risikobewertung erfolgen.