Leitfaden der Kunstgeschichte: Analyse und Epochen
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Methodik der Kunstanalyse
Analyse der Malerei
Katalogisierung: Wir erfassen den Titel und den Autor des Bildes in chronologischer Reihenfolge, benennen den Stil oder die Kunstbewegung, der es angehört, den Ursprungsort sowie den aktuellen Standort. Zudem bestimmen wir die Maltechnik (z. B. Tempera, Öl), den Bildträger (Mauer, Holz, Stoff usw.) und erstellen schließlich ein Resümee, in dem wir das Gesehene ohne Details zusammenfassen.
Formale Analyse: Hier müssen wir die gestalterischen Komponenten, die Komposition und den Stil erläutern, jedoch ohne Interpretation. Zunächst besprechen wir die Linie, gefolgt von Farbe und Licht, und setzen diese zueinander in Beziehung. Zweitens erörtern wir die Komposition, das heißt, wir beschreiben die Position der Objekte und erläutern die Funktion der Malerei, die Perspektive und den Blickwinkel. Drittens betrachten wir das Stilprofil.
Interpretation: Wir ermitteln die Bedeutung des Werkes. Dazu müssen wir zuerst das Thema und das Genre (Religion, Mythos usw.) sowie die Rezeption (im Bild) erklären. Dann betrachten wir das Feld der Funktion sowie den historischen Kontext des Stücks und des Autors. Schließlich ziehen wir ein Fazit und ordnen das Werk in die Kunstgeschichte (HDA) ein.
Analyse der Architektur
Katalogisierung: Wir erfassen den Titel und den Namen des Architekten, die Bauart, die zeitliche Einordnung, den Standort, die Abmessungen sowie die Materialien und das Bausystem (z. B. architraviert oder gewölbt).
Formale Analyse: Erläuterung der Einheiten, der Form des Gebäudes, der Gliederung, der Dekoration und des Stils, jedoch ohne Interpretation. Zuerst müssen wir die stützenden Elemente und die getragenen Elemente erwähnen. Zweitens sprechen wir über die Anordnung der Gebäudeteile, die Dekoration und den Stil.
Interpretation: Wir bestimmen die Bedeutung der Arbeit. Dazu müssen wir das Thema, die Rezeption und die mit dem Werk verbundene Zeit sowie die soziale Rolle des Künstlers erklären. Danach folgt eine umfassende Bewertung des Werkes und schließlich sprechen wir über die Rolle, die das Werk einnimmt.
Analyse der Skulptur
Katalogisierung: Wir erfassen den Titel und den Autor der Skulptur in chronologischer Reihenfolge, den Stil oder die Kunstbewegung, den Ursprungsort, den aktuellen Standort, die Abmessungen, die Technik (z. B. Steinmetzarbeit, Guss oder Modellierung) und den Typ (Flachrelief, Hochrelief oder freistehend).
Formale Analyse: Wir diskutieren die Komposition, die Bewegung (z. B. Kontrapost), den vom Werk eingenommenen Raum (real oder künstlich, natürlich oder urban, offen oder geschlossen), die Perspektive (flach, natürlicher Fluchtpunkt usw.), die Oberfläche (Textur, Licht und Farbe) sowie den Stil der Zeit und des Autors.
Interpretation: Wir ermitteln die Bedeutung des Werkes. Wir diskutieren das Thema, den Ausdruck der Funktion, den historischen Kontext des Werkes und des Autors und ziehen schließlich ein Fazit zur Einordnung in die Kunstgeschichte.
Byzantinische Kunst (bis zum 15. Jahrhundert)
- 313: Anerkennung der christlichen Religion.
- 324: Kaiser Konstantin verlegt das Zentrum des Römischen Reiches nach Byzanz (Konstantinopel, heute Istanbul, Türkei).
- 395: Theodosius teilt das Reich in das Weströmische Reich (Rom) und das Oströmische Reich (Konstantinopel).
- 476: Fall Roms durch die Barbaren.
- Theokratie: Es entsteht eine Regierungsform, in der religiöse Werke dominieren und der Kaiser (Basileus) als Stellvertreter Gottes gilt.
Meilensteine der byzantinischen Epoche
395–850 (Justinian), 850–1050 (Mazedonische Dynastie), 1050–1453 (Niedergang) und 1453 (Eroberung Konstantinopels durch die Türken).
- Skulptur: Vorwiegend kleine Reliefs aus Elfenbein.
- Malerei: Ikonen und Illustrationen; geprägt durch Frontalität und Rigidität (Starrheit).
- Architektur: Innenräume mit Mosaiken, Bögen und halbkugelförmigen Kuppeln auf Pendentifs (sphärische Dreiecke, die den Übergang zum quadratischen Grundriss bilden). Kapitelle oft in Form einer stumpfen Pyramide mit Kämpferaufsatz.
Islamische Kunst (7. bis 9. Jahrhundert)
Beginnt im 7. Jahrhundert in Arabien, um die muslimische Religion auszudrücken.
Merkmale: Sehr dekorativ, Hufeisenbögen, Vielpassbögen, kalligrafische Dekoration (da die Darstellung von Menschen oder Tieren untersagt ist), uneinheitlicher Kunststil.
- Skulptur: Keramik, Kleinkunst, Schatullen aus Elfenbein; keine Darstellung von Lebewesen.
- Malerei: Keine Darstellung von Menschen oder Tieren; Hauptthema ist die Religion.
- Architektur: Fokus auf kubische Volumina und geometrische Konstruktionssysteme. Harmonische Gebäude mit Säulen, Kuppeln und Bögen. Aufwendige Innengestaltung im Kontrast zu schlichten Außenmaterialien (Stein, Putz, Holz).
- Bautypen: Die Moschee als Sakralbau zum Gebet und der Palast als wichtigstes ziviles Gebäude mit reich dekorierten Innenräumen.
Romanische Kunst (10. bis 13. Jahrhundert)
Historischer Kontext: Nach dem Untergang des Römischen Reiches (476) war die Zeit instabil. Germanische Völker drangen ein, bewahrten jedoch Teile der römischen Kultur. Karl der Große förderte im 8. Jahrhundert die imperiale Idee und das Bündnis zwischen Kirche und Politik.
Die romanische Kunst verbreitete sich in der gesamten Christenheit Westeuropas, begünstigt durch Mönche und Pilgerwege. Es herrschten der Feudalismus als soziale Organisation und die christliche Kirche als kulturelle Macht.
Epochen und Stile
- 5.–8. Jh.: Kunst der Völkerwanderung (Westgoten, Merowinger, Ostgoten).
- 9.–10. Jh.: Vorromanik (Karolingische Kunst, asturische Kunst).
- Iberische Halbinsel: Westgotische Einflüsse, asturische Monumentalarchitektur (z. B. St. Miguel de Lillo, St. Maria de Naranco). Mozarabische Kunst (Christen unter arabischer Herrschaft) und Mudejar-Kunst (Muslime unter christlicher Herrschaft).
- Um das Jahr 1000: Wandel von einer unsicheren, ländlichen Subsistenzwirtschaft zu einer stabilen feudalen Gesellschaft mit Städtewachstum, stabilen Grenzen und der Expansion des Christentums.
Ikonografie und Kunstformen
Pantokrator: Christus als Weltenherrscher und Richter. Tetramorph: Die vier Evangelistensymbole (Matthäus = Engel, Markus = Löwe, Lukas = Stier, Johannes = Adler). Mandorla: Mandelförmiger Glorienschein um Christus oder die Jungfrau Maria.
- Skulptur: Dekorativ, unnatürlich, symbolisch und religiös-pädagogisch. Portale mit dem Pantokrator und Kapitelle mit Pflanzen- oder Tiermotiven. Typen: Majestas Domini (gekleideter Christus am Kreuz) und Sedes Sapientiae (thronende Madonna mit Kind).
- Malerei: Antinaturalistisch, flächige Farben mit dicken Konturen, wenig Perspektive. Wandmalerei (Fresko) in Apsiden oder Tafelmalerei auf Holz (Altäre).
- Architektur: Religiöse Bauten (Kirchen, Klöster) aus Stein mit Tonnengewölben, dicken Mauern, kleinen Fenstern und massiven Pfeilern. Grundriss oft als lateinisches Kreuz mit Apsis und Chorumgang.
Bedeutende Werke der Kunstgeschichte
Byzantinische Kunst
- Hagia Sophia: Konstantinopel (6. Jh.), Architekten: Anthemius von Tralles und Isidor von Milet. Basilika aus Backstein und Marmor, gewaltige Kuppelkonstruktion.
- Mosaiken von San Vitale: Ravenna (6. Jh.), Darstellung von Kaiser Justinian und Kaiserin Theodora mit ihrem Gefolge.
Islamische Kunst
- Mezquita von Córdoba: (8.–10. Jh.), Spanien. Herausragendes Beispiel islamischer Architektur mit Stein-, Ziegel- und Gipskonstruktionen sowie einem beeindruckenden Säulenwald.
Romanische Kunst
- St. Vicenç de Cardona: (11. Jh.), Katalonien. Beispiel der katalanischen Romanik aus Stein mit Gewölbekonstruktion.
- Tympanon von Moissac: (12. Jh.), Frankreich. Steinerne Reliefdarstellung der Apokalypse am Portal der Kirche St. Pierre.
- Majestät Batlló: (12. Jh.), polychrome Holzskulptur eines gekleideten Christus am Kreuz (MNAC).
- Jungfrau von Núria: (12.–13. Jh.), romanische Holzfigur der thronenden Muttergottes.
- Apsismalerei von Sant Climent de Taüll: (12. Jh.), berühmtes Fresko des Pantokrator (heute im MNAC).
- Altarvorsatz von Santa Maria d'Avià: (12. Jh.), Tafelmalerei mit Szenen aus dem Leben Marias.
- Teppich der Schöpfung: (12. Jh.), Kathedrale von Girona. Einzigartige Stickerei, die die Genesis und Christus als Weltenherrscher darstellt.