Lerntheorien im Überblick: Klassische, Operante und Soziale Konditionierung
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Klassische Konditionierung: Definition
Eine Art des Lernens, bei dem ein Organismus lernt, eine natürliche Reaktion auf einen unbedingten Reiz (UCS) auf einen zuvor neutralen Reiz (NS) zu übertragen, der dann zu einem bedingten Reiz (CS) wird.
Anforderungen der Klassischen Konditionierung
- Reihenfolge der Reizpräsentation: Zuerst wird der neutrale Reiz (NS) präsentiert, kurz gefolgt vom unbedingten Reiz (UCS).
- Zeitintervall: Es müssen etwa 3 Sekunden zwischen dem NS und dem UCS liegen.
- Wiederholung: Die Reizpaarung muss mehrmals wiederholt werden.
Merkmale der Klassischen Konditionierung
- Emotionale Beteiligung: Angenehme Gefühle sind nicht ausreichend, aber notwendig für eine positive Lernerfahrung.
- Unbewusstes Lernen: Das Lernen findet statt, ohne dass das Subjekt sich dessen bewusst ist. Dies kann das Risiko beinhalten, dass Reize nicht kontrolliert werden.
- Rolle des Lehrers: Die Hauptbezugsperson (Lehrer) sollte angenehm sein. Unangenehme oder aversive Reize sind zu vermeiden.
Anwendung der Klassischen Konditionierung im Klassenzimmer
- Prävention: Verhinderung der Entwicklung negativer emotionaler Reaktionen. Hierfür muss der Lehrer mit positiven Reizen im Klassenzimmer assoziiert werden.
- Abhilfe (Intervention): Wenn bereits eine negative emotionale Reaktion entwickelt wurde.
Operante Konditionierung: Definition
Beschreibt die Beziehung zwischen Verhalten und Konsequenzen. Unsere Handlungen hängen davon ab, ob das Verhalten wiederholt wird oder nicht, basierend auf den Konsequenzen. Die operante Konditionierung ist ein Prozess, durch den wir lernen, bestimmte Reaktionen zu zeigen, um einen angemessenen Nutzen zu erzielen oder etwas Unangenehmes zu vermeiden.
Verstärkung (Reinforcement)
Verstärkung sorgt für eine angenehme Konsequenz.
Arten von Verstärkungen
- Primäre Verstärkung: Hat einen natürlichen Wert für das Subjekt und muss nicht erlernt werden (z. B. Nahrung).
- Sekundäre Verstärkung: Ist erlernt und kann unterteilt werden in:
- Soziale Verstärkung
- Materielle Verstärkung
- Aktivitäten
- Marken oder Punkte (Token)
- Extrinsische Verstärkung: Ist nicht im Verhalten selbst enthalten (z. B. Lernen für eine Note, Arbeit für Lohn).
- Intrinsische Verstärkung: Findet statt, wenn das Subjekt durch das Verhalten selbst verstärkt wird (z. B. Freude an der Tätigkeit).
- Positive Verstärkung: Tritt auf, wenn ein angenehmer Reiz präsentiert wird, der dem Subjekt gefällt.
- Negative Verstärkung: Die Wahrscheinlichkeit einer Reaktion steigt, weil sie eine unangenehme oder aversive Tatsache beseitigt oder stört (z. B. die Entfernung einer aversiven Bedingung, bis die Hausaufgaben fertig sind).
Ähnlichkeiten zwischen Klassischer und Operanter Konditionierung
- Stimulus-Generalisierung: Das Subjekt zeigt die gleiche Reaktion auf ähnliche, aber nicht identische Reize.
- Stimulus-Diskriminierung: Das Subjekt unterscheidet zwischen ähnlichen, aber nicht identischen Reizen und zeigt unterschiedliche Reaktionen.
- Extinktion (Löschung): Die Abnahme der Reaktionshäufigkeit infolge fehlender Verstärkung.
Soziales Lernen (Beobachtungslernen)
Soziale Lerntheorien sind im Behaviorismus verwurzelt und teilen dessen Grundprinzip: Wenn Konsequenzen ein Verhalten verstärken, beeinflusst dies die Wiederholung des Verhaltens. Wenn Konsequenzen jedoch wiederholt als bestrafend erlebt werden, ist das Verhalten weniger wahrscheinlich. Die soziale Lerntheorie führte jedoch kognitive Prozesse wie Erwartungen, Gedanken und Überzeugungen ein, die nicht direkt beobachtet werden können.
Elemente des Beobachtungslernens
- Aufmerksamkeit/Fokus: Das Subjekt muss seine Aufmerksamkeit auf die relevanten Aktivitäten richten, die die Umwelt bietet.
- Retention (Behalten): Die Informationen, die wir gesehen haben, müssen kodiert, organisiert und gespeichert werden, um sie mental abzurufen. (Merke: Behalten ist notwendig, um zu lernen.)
- Produktion (Reproduktion): Die symbolischen und visuellen Vorstellungen des modellierten Verhaltens werden in offene Handlungen übersetzt. (Das beobachtete Verhalten wird je nach Person unterschiedlich umgesetzt.)
- Motivation und Verstärkung: Der Erwerb unterscheidet sich vom Umsetzungsprozess. Damit das Subjekt ein erlerntes Verhalten ausführt und beibehält, muss es motiviert sein.
Arten der Verstärkung nach Bandura
Bandura nennt drei Formen der Verstärkung, die das Beobachtungslernen fördern können:
- Direkte Verstärkung: Verstärkung des Beobachters. Der Beobachter reproduziert das Verhalten des Modells und erhält eine direkte Verstärkung.
- Stellvertretende (Vikariierende) Verstärkung: Die Verstärkung des Modells. Beobachtete Konsequenzen im Verhalten anderer können zu einer Verhaltensänderung führen, ähnlich wie direkte Erfahrung.
Anwendung des Beobachtungslernens im Klassenzimmer
- Vermittlung neuer Verhaltensweisen (Eigenschaften, motorische Fähigkeiten, geistige Aufgaben).
- Entwicklung von Emotionen.
- Verhaltensförderung (Erleichterung).
- Hemmungsänderungen (Enthemmung oder Hemmung).