Linguistik: Aussage, Raum, Zeit und Sprachfunktionen

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Die Theorie der Aussage und Äußerung

Eine Mitteilung umfasst die Übermittlung von Informationen zwischen einem Sender und einem Empfänger sowie Daten über die Teilnehmer und die Situation, in der sie sich befinden. Die Aussage ist das, was gesagt wird (die Nachricht), während die Äußerung die Art und Weise darstellt, wie dies geschieht. Nach Benveniste ist die Äußerung der individuelle Akt der Sprachverwendung. Der Sprecher positioniert sich dabei innerhalb des Diskurses.

Daher müssen wir unterscheiden: Der Emittent muss auch den Empfänger berücksichtigen. Der Absender und der Empfänger sind diskursive Einheiten, während der Sender und der Empfänger reale Personen sind.

Die Elemente, die die Aussage mit ihrer Äußerung verbinden, sind deiktische Elemente. Diese sind in der Lage, die Situation der Äußerung des Satzes aufzuzeigen, wie zum Beispiel Personalpronomen.

Substantive und Adjektive werden verwendet, um das Bild von Sender und Empfänger in der Äußerung aufzubauen und damit die Beziehung zwischen ihnen zu definieren.

Modalitäten der Äußerung

Die Modalität der Äußerung kann wie folgt unterschieden werden:

  • Interrogation: Eine Aussage, die getätigt wird, um eine Antwort zu erhalten.
  • Bekanntmachung: Befehle oder Beschwerden.
  • Aussage: Eine Kommunikation mit Sicherheit.

Arten des Empfangs

Der Empfang kann wie folgt stattfinden:

  • Direkt: Der Empfang erfolgt, wenn eine Nachricht unverändert vom Absender zum Empfänger gelangt. Niemand hat den Diskurs zwischen den Instanzen der Aussprache verändert. Ein Beispiel hierfür ist das Lesen eines Buches oder das Hören einer Aufnahme.
  • Indirekt: Dies geschieht, wenn die Nachricht nicht als intakte Aussage ankommt. Ein Kanal oder eine Person war an der endgültigen Konfiguration der Sprache beteiligt und hat diese modifiziert.

Zudem kann die Rezeption basierend auf der Zeit, die seit der Äußerung verstrichen ist, unterteilt werden:

  • Sofortig: Wenn Äußerung und Rezeption zeitlich zusammenfallen.
  • Latent: Wenn zwischen der Äußerung und dem Empfang Zeit vergeht; dabei kann die Nachricht verändert worden sein oder nicht.

Raum und Zeit in der Kommunikation

Die Informationen, die wir mit unseren Sinnen wahrnehmen, sind in Raum und Zeit organisiert. Die Wahrnehmung der Realität ist an den Raum gebunden; wir können Dinge nicht denken, ohne ihnen einen Platz zuzuweisen, und wir stellen räumliche Beziehungen zwischen ihnen her.

  • Organischer Raum: Der Raum des Geschehens, der durch unmittelbare Interessen und praktische Bedürfnisse bestimmt wird.
  • Symbolischer Raum: Das Ergebnis eines mentalen Abstraktionsprozesses. Beispiel: Wenn ich in ein neues Haus ziehe und mein Zimmer zeigen möchte, zeichne ich es auf Papier. Die Zeichnung ist nicht der reale Raum, sondern eine Abstraktion des Zimmers auf Papier.

Als Menschen nutzen wir eine symbolische Zeit, um abstrakte Konzepte zu verstehen. Zum Beispiel berechnen wir, wie lange ein Auto von Cipolletti nach Neuquén benötigt, wenn es sich mit 90 km/h bewegt.

Die sechs Funktionen der Sprache nach Jakobson

Roman Jakobson argumentiert, dass der Absender eine Nachricht an den Empfänger sendet. Um dies zu ermöglichen, benötigt er einen Referenten (Kontext), einen gemeinsamen Code, einen Kanal sowie eine physische und psychologische Verbindung zwischen Absender und Empfänger.

Diese sechs Elemente sind in jedem verbalen Austausch vorhanden und bestimmen jeweils eine spezifische Funktion der Nachricht:

  1. Appellative Funktion (Appell-Funktion): Die Äußerung konzentriert sich auf den Hörer, um dessen Haltung zu ändern oder ihn zu einer bestimmten Handlung zu bewegen (Imperative). Diese Funktion ist dominant in der Werbung und Propaganda. Sie konzentriert sich auf den Empfänger (2. Person).
  2. Referenzielle Funktion: Lenkt die Aufmerksamkeit auf den Inhalt der Mitteilung mit der Absicht zu informieren. Sie hat einen Rahmen sowie Zeit und Raum. Sie wird meist in der 3. Person formuliert.
  3. Ästhetische / Poetische Funktion: Gekennzeichnet durch den Bezug auf die Nachricht selbst. Sie soll Empfindungen hervorrufen, unterhalten, anregen oder gefallen. Sie wird vor allem in der Literatur und Poesie verwendet. Hierfür wird bildhafte Sprache genutzt, die reich an Beschreibungen, Analogien und Synekdochen ist.
  4. Emotive / Expressive Funktion: Drückt Gefühle, Empfindungen, Zweifel oder Sehnsüchte aus. Hierbei überwiegt die 1. Person. Es werden Ressourcen wie Interjektionen (z. B. Ah!, Oh!) und Ausrufezeichen verwendet.

Beispiele für die Sprachfunktionen

  • Appellative Funktion: „Komm sofort her!“
  • Referenzielle Funktion: „Die Sonne geht im Osten gegen 08:00 Uhr auf.“
  • Poetische Funktion: „Phöbus erwacht an jedem Morgen neu.“
  • Ästhetische Funktion: „Es ist wunderschön, den Sonnenaufgang am Morgen zu betrachten!“

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