Linguistik: Ursprung, Merkmale und Funktionen der Sprache

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Ursprung und Merkmale der Sprache

Ursprung der Sprache

  • Tierische Kommunikation: Angeboren und spezialisiert.
  • Menschliche Sprache: Abstrakt und symbolisch.

Charakteristika der menschlichen Sprache (Design Features)

  • Arbitrarität (Willkür)
  • Displacement (Vertreibung/Zeitliche und räumliche Unabhängigkeit)
  • Doppelte Gliederung (Dual Artikulation)
  • Produktivität
  • Prevarication (Ausweichmanöver/Lügen)
  • Reflexivität (Metasprachliche Funktion)
  • Diskrete Einheiten
  • Kreativität

Kommunikationsfunktionen der Sprache (Jakobson)

Referentielle Funktion (Kontext)

Aussagen sind durchsetzungsfähig, Indikativ, denotative Sprache, 3. Person. Dominierendes Element: Kontext.

Konative Funktion (Empfänger)

Mahnende Aussagen, Imperativ oder Konjunktiv (zweite Person), Vokativ. Dominierendes Element: Empfänger.

Emotive Funktion (Sender/Emittent)

Exklamative Aussagen, 1. Person, Interjektionen, Diminutive, konnotative Sprache. Dominierendes Element: Emittent.

Poetische Funktion (Nachricht)

Literatursprache, Fokus auf die Gestaltung der Nachricht. Dominierendes Element: Nachricht.

Rhetorische Faktoren: Ethos, Pathos und Logos

Faktoren, die die Wahrscheinlichkeit eines erfolgreichen Dialogs beeinflussen:

  • Ethos: Der moralische Aspekt, um Vertrauen beim Empfänger aufzubauen.
  • Pathos: Der emotionale Aspekt, um bestimmte Emotionen im Empfänger hervorzurufen.
  • Logos: Der rationale Aspekt, der auf Begründung und Logik basiert, um zu überzeugen.

Historische Entwicklung der Sprachwissenschaft

18. Jahrhundert (S. XVIII)

  • Reflexion über Sprache: Verhältnis zwischen Sprache und Denken (Einfluss empiristischer und rationalistischer Philosophie).
  • Francis Bacon: Betrachtung der Unvollkommenheiten der natürlichen Sprache.
  • William Jones: Entdeckung der Grammatik des Sanskrit (Panini) im Zuge von Illustration und Enzyklopädismus.

19. Jahrhundert (S. XIX) in Europa

  • Franz Bopp: Studium der genetischen Einheit der Sprache.
  • Gebrüder Grimm: Begründung der Historischen Grammatik.
  • Humboldt und Vossler: Sprachlicher Idealismus.
  • Positivismus und Sprachlicher Idealismus.

Ferdinand de Saussure und das Sprachzeichen

Das Konzept der Sprache (Langue)

Die Sprache (Langue) ist ein allgemeines Modell für alle Sprecher, sozial, stabil und fest (ändert sich nur sehr langsam) und in einem System von Zeichen organisiert.

Das Linguistische Zeichen

Das Zeichen besteht aus zwei Komponenten:

  • Signifikant (Lautbild/Vorstellung)
  • Signifikat (Konzept/Bedeutung)

Eigenschaften des Linguistischen Zeichens

  • Arbitrarität (Willkür): Die Beziehung zwischen Signifikant und Signifikat ist unmotiviert.
  • Linearität: Beeinflusst die Aussprache und Rechtschreibung (Phoneme folgen nacheinander).
  • Diskrete Einheiten: Sprachliche Zeichen werden durch die Abgrenzung von Lauten gebildet.
  • Unveränderlichkeit: In einem synchronen Zustand (Betrachtung zu einem bestimmten Zeitpunkt).
  • Veränderlichkeit: Über die Zeit hinweg verändern sich die sprachlichen Zeichen (diachron).

Die Funktionen der Sprache nach der Prager Schule

Die Funktionen werden dem jeweiligen Kommunikationselement zugeordnet:

  • Emotive Funktion (Sender/Sprecher): Ausdruck einer Haltung zu dem Gesagten; erzeugt beim Hörer den Eindruck einer bestimmten Emotion.
  • Konative Funktion (Empfänger/Zuhörer): Der Hörer empfängt die Nachricht und muss reagieren (z. B. Imperativ, Vokativ). Bei Gleichgültigkeit findet keine Kommunikation statt.
  • Referentielle Funktion (Kontext): Die Nachricht bezieht sich auf den Kontext und vermittelt Informationen.
  • Poetische Funktion (Nachricht): Die Rede ist gut organisiert, indem Wörter richtig gewählt und kombiniert werden.
  • Metasprachliche Funktion (Code): Kommunikation tritt nur auf, wenn Sender und Empfänger denselben Code verwenden (typisch für Situationen des Sprachenlernens).
  • Phatische Funktion (Kontakt): Bezieht sich auf die Einleitung, Aufrechterhaltung und Beendigung der Kommunikation. Diese Funktion wird oft als erste von Kindern erworben.

Zusammenhang der Funktionen

Jeder sprachliche Ausdruck hat mehr als eine Funktion. Es dominiert jedoch immer eine Funktion die anderen, und die verbale Struktur der Meldung hängt von dieser dominanten Funktion ab.

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