Literatur des 20. Jahrhunderts: Epochen und Strömungen
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Die politische und geistige Landschaft des 20. Jahrhunderts
Die politische Landschaft, die nach dem Zweiten Weltkrieg entstand, änderte sich nach dem Fall der Berliner Mauer und der deutschen Wiedervereinigung grundlegend. Das Ende des 20. Jahrhunderts scheint durch große Ungleichheiten zwischen den Industrienationen der Welt und der Dritten Welt markiert zu sein. Im Bereich des Denkens sind drei wesentliche Tendenzen auszumachen: Existentialismus, Psychoanalyse und Marxismus. Diese Strömungen sind oft miteinander kombiniert.
Existentialismus, Psychoanalyse und Marxismus
Existentialismus: Ein führender Denker des existenziellen Pessimismus im 20. Jahrhundert ist Martin Heidegger. Er vertritt die Auffassung, dass das Individuum in diese Welt geworfen und zum Tode verurteilt ist. Der Mensch muss sein Ziel selbst bauen, wobei das Gefühl der Angst und Verzweiflung über die menschliche Freiheit dominiert.
Die Psychoanalyse von Sigmund Freud: Sie postuliert die Existenz des Unterbewusstseins, aus dem Impulse entspringen, die durch soziale Normen und Moral unterdrückt werden.
Der Marxismus basiert auf den Gedanken von Karl Marx. Er stellt sich eine Gesellschaft vor, die durch die Wirtschaft und die Art der Herstellung definiert wird und deren Entwicklung durch den Klassenkampf vorangetrieben wird.
Die Ästhetik des 20. Jahrhunderts
Es gibt drei wichtige Trends: den existentiellen, den experimentellen und den sozialen Trend.
- Existentiell: Diese Richtung spiegelt die Angst der Menschen wider und betrachtet den Sinn des Lebens sowie die Verzweiflung über das Leiden und Sterben. Diese Entwicklung wird besonders durch Kafka verdeutlicht. In Spanien ist sie durch die Generation von '98 (Unamuno, Baroja) charakterisiert.
- Experimentell: Diese Richtung ist durch den Wunsch gekennzeichnet, mit den Traditionen zu brechen und nach ursprünglichen Innovationen zu suchen. Dies findet seinen Ausdruck in der Avantgarde. In Spanien beeinflusste die Avantgarde vor allem die Generation von '27 ab den 1960er Jahren.
- Sozial: Diese Strömung ist auf die Berichterstattung über soziale und politische Probleme ausgerichtet. Zur lateinamerikanischen sozialen Poesie gehört Pablo Neruda. Für Spanien sind Rafael Alberti und Miguel Hernández zu nennen.
Perioden der Literatur des 20. Jahrhunderts
Die frühen Jahre des 20. Jahrhunderts
In dieser Zeit entwickeln sich ästhetische, antirealistische Bewegungen, die im späten 19. Jahrhundert durch ihre Verehrung der Schönheit eingeleitet wurden: die Präraffaeliten, die Parnassiens und der Symbolismus in Frankreich sowie der Modernismo in Lateinamerika und Spanien.
Die Zwischenkriegszeit und die Avantgarde
In der Zwischenkriegszeit konsolidieren sich die Avantgarden. Experimentelle Strömungen führen zu einem heftigen Bruch mit der bisherigen Ästhetik und schlagen eine radikal andere, unsentimentale und entmenschlichte Kunst vor.
Die großen europäischen Avantgarden
- Futurismus: Erschien in Italien im Jahr 1909 mit dem ersten Manifest von Marinetti. Er definiert eine Kunst, die alle Regeln bricht und die moderne Welt besingt.
- Kubismus: 1913 durch Apollinaire geprägt. In der Literatur stellt das Kalligramm ein Bild dar, das aus Text zusammengesetzt ist.
- Dadaismus: 1916 entstanden, beansprucht er die Welt des Kindes, die Freigabe der Phantasie und die Rückforderung der inkohärenten Rede.
- Expressionismus: Er schafft eine politische Kunst, die das Unbehagen bestimmter Sektoren nach dem Ersten Weltkrieg widerspiegelt.
- Surrealismus: Er basiert auf den Theorien von Freud und der Erforschung des Unbewussten.
Parnassianismus und Symbolismus
Parnassianismus: Eine klassizistische Ästhetik, die im Wesentlichen auf formale Perfektion und die Brillanz sensorischer Kunst („L'art pour l'art“) abzielt. Sie entzieht sich der Realität durch Phantasie und die Rekonstruktion exotischer oder ferner Welten. Vertreter sind Leconte de Lisle und Théophile Gautier.
Symbolismus: Eine Reaktion auf die parnassische Ästhetik. Er definiert den Zweck der Poesie darin, Gefühle durch Symbole zu vermitteln und eine intime, subjektive und neoromantische Poesie zu schaffen. Er zielt darauf ab, die Korrelation zwischen der Seele und der Landschaft zu erfassen. Gefühle werden nicht direkt beschrieben; die Landschaft verschmilzt mit dem Inneren. Es überwiegt ein trauriger und sentimentaler Ton (Baudelaire, Verlaine).
Modernismus und die Literatur des frühen Jahrhunderts
Der Modernismo startete in Lateinamerika, angeführt von Rubén Darío (z. B. „Profane Prosa“). Er verbindet den Wunsch nach sozialer und künstlerischer Erneuerung und stellt eine politische sowie kulturelle Selbstbehauptung dar, die spanische Einflüsse ablehnt und neue Modelle in französischen Lyriken sowie präkolumbianischen Mythen sucht.
Prosa und Essay: Die Generation von '98
Der Roman: Realistisch und naturalistisch geprägt, als Erbe des 19. Jahrhunderts. In diese Linie passt das Werk von Blasco Ibáñez mit seinem starken sozialen Ton, oft angesiedelt in Valencia (z. B. „Die Hütte“).
Der Essay: Besonders gepflegt von den Autoren der Generation von '98 wie Unamuno und Azorín.
Miguel de Unamuno
Unamuno kultivierte Lyrik, Drama, Romane und Essays. Seine Schriften bieten eine Reise durch die Wiederholung leidenschaftlicher Themen. Sein Werk offenbart seine eigene Karriere: Zuerst dominiert von der Sorge um die Regeneration Spaniens und dem Sozialismus, wandte er sich ab 1897 religiös-existenziellen Themen zu. Er schuf die Nivola, einen dichten Roman ohne Landschaftsbeschreibungen, der sich auf existenzielle Konflikte durch Dialoge und innere Monologe konzentriert (z. B. „Liebe und Pädagogik“). Seine Hauptthemen waren die Reflexion über Spanien und die Sehnsucht nach Unsterblichkeit.
Azorín
Seine Literatur dreht sich um das Thema der Zeit sowie die Darstellung von Landschaften und Gefühlen. Er erinnert an die Realität in einem traurigen, nostalgischen Ton mit reichhaltigen szenischen Beschreibungen. Sein Stil ist von Präzision, Klarheit und einem reichen Lexikon mit Archaismen geprägt. In seinen Romanen gibt es oft keine klassische Handlung; sie reduzieren sich auf die Beschreibung von Empfindungen und Umgebungen. Seine Hauptthemen sind die Landschaft und die subjektive Literaturkritik.
Pío Baroja
Baroja gilt als führender Schriftsteller seiner Zeit, brillant in der Darstellung von Charakteren und Dialogen. Seine Sicht auf die Realität ist von Pessimismus geprägt. Seine Charaktere sind oft asoziale Wesen oder Rebellen. Er unterscheidet zwei Typen: die Männer der Tat, die der Mittelmäßigkeit entfliehen, und die apathischen Charaktere, die unfähig zum Handeln sind. Sein Stil ist schlicht und antirhetorisch. Seine Werke sind oft in Trilogien gegliedert:
- Der Kampf ums Leben: „Die Suche“, „Grasreiches Unkraut“, „Rote Aurora“.
- Das baskische Land: „Das Haus der Aizgorri“, „Der Gutsherr von Labraz“, „Zalacaín der Abenteurer“.
- Die Rasse: „Die Dame aus der Ferne“, „Die Stadt im Nebel“, „Der Baum der Erkenntnis“.