Literaturgeschichte: Von Ramon Llull bis Tirant lo Blanc

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Ramon Llull und die Anfänge der Literatur

Ramon Llull nutzte in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts die nostra llengua (unsere Sprache) für sein literarisches und wissenschaftliches Schaffen. Dies verhalf dem Katalanischen zu einer führenden Position unter den romanischen Sprachen, da geistige Arbeit bis dahin fast ausschließlich auf Latein verfasst wurde. Die Königliche Kanzlei, eine Institution aus dem 13. Jahrhundert, war für die Verwaltung und Korrespondenz der Krone von Aragonien zuständig. Sie etablierte sprachliche Standards: lange Sätze mit Unterordnung, technische Fachbegriffe, das Verb am Satzende und eine maßvolle Verwendung von Artikeln.

Die Lyrik der Troubadoure

Die Konsolidierung der romanischen Sprachen ermöglichte die ersten literarischen Manifestationen. Die Dichtung war stark vom Okzitanischen geprägt, was durch die politische und wirtschaftliche Nähe zur Krone von Aragonien begünstigt wurde. Das zentrale Thema war die höfische Liebe, die die starre soziale Struktur des Feudalismus widerspiegelte. Zu den typischen Protagonisten gehörten die Dame (als Herrin), der Troubadour, der betrogene Ehemann (gilos) und der Denunziant (lausegiers).

Ausias March: Werk und Themen

Das Werk von Ausias March umfasst 128 Gedichte, die in drei Gruppen unterteilt sind:

  • Liebeslieder: Der Dichter präsentiert eine Frau mit Fehlern und Tugenden, fernab vom Stereotyp der höfischen Liebe.
  • Todesgesänge: Ausdruck tiefen Schmerzes über den Verlust einer geliebten Person und Sorge um das Schicksal ihrer Seele.
  • Geistliche Lieder: Lange Gedichte über das Leben nach dem Tod.

Seine Themen umfassen die Liebe als widersprüchliches Gefühl, eine neue Konzeption der Frau und den Tod als Erlösung von der fleischlichen Lust.

Jaime Roig und Isabel de Villena

Jaime Roig schrieb das Werk Spiegel (Spill), eine Geschichte über Frauen, die nicht autobiografisch ist und in grausamen Tetrasilben verfasst wurde. Als Reaktion darauf verfasste Isabel de Villena, Äbtissin eines Nonnenklosters, ihr Werk Vita Christi als Verteidigung der Frauen.

Rois de Corella: Werk und Stil

Sein Werk umfasst Liebesgedichte, religiöse Texte (oft an die Muttergottes gerichtet) sowie mythologische Erzählungen, die stark von Ovid und Boccaccio beeinflusst sind.

Ritterromane

Ritterromane erschaffen eine ferne, exotische Vergangenheit mit imaginären Landschaften und übermenschlichen Helden. Sie spiegeln oft die Zeit wider, in der sie geschrieben wurden, vermischt mit wunderbaren Elementen.

Curial e Güelfa

Dieser anonyme Roman erzählt die Liebesgeschichte zwischen dem Ritter Curial und der Dame Güelfa. Das Werk ist in drei Bücher unterteilt, die Curials Aufstieg, seine Turniere und seine Reisen in den Osten beschreiben.

Tirant lo Blanc

Geschrieben von Joanot Martorell (geboren 1413 in Gandia), erzählt dieser Roman die Abenteuer des Ritters Tirant. Die Handlung gliedert sich in verschiedene Stationen:

  • England: Tirant wird in die Gesetze der Ritterschaft eingeführt.
  • Sizilien und Rhodos: Teilnahme an Verteidigungskämpfen.
  • Konstantinopel: Der bedeutendste Teil, in dem Tirant die Stadt gegen die Türken verteidigt und sich in die Prinzessin Carmesina verliebt.
  • Nordafrika: Kämpfe gegen die Sarazenen.
  • Abschluss: Tirant wird zum Caesar des Reiches ernannt, heiratet Carmesina, stirbt jedoch kurz darauf an einer Krankheit.

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