Lucias Traumreise durch die Epochen der Kunstgeschichte
Eingeordnet in Sprache und Philologie
Geschrieben am in
Deutsch mit einer Größe von 6,77 KB
Ein Traum von Mode und Geschichte
Dies ist die Geschichte eines jungen Mädchens aus dem Herzen von Buenos Aires, das von der Welt der Mode träumte und Kleider aus einer Nachbarschaft voller Unsicherheit entwarf. Eines Nachts schlief sie während ihrer Hausaufgaben über einem Buch der antiken Kunst ein.
Die Pracht von Konstantinopel
In ihrem Traum stand sie inmitten einer Kirche und betrachtete die Wände – es war die Hagia Sophia in Konstantinopel. In ihrem Rücken erschien der Kaiser Justinian, der zu ihr sprach, als ob er sie schon ein Leben lang kannte, und er erklärte ihr die Art des Ortes, an dem sie sich befanden.
Sie begann, die Straße entlangzugehen, und bemerkte, wie elegant sie und die Menschen um sie herum gekleidet waren. Sie trugen Gewänder aus:
- Seide, Damast und Brokat
- Edle Stoffe mit breiten, kunstvoll gearbeiteten Ledergürteln
- Halbkreisförmige Umhänge mit einer Plakette auf der linken Seite
- Auffälligen Schmuck mit kostbaren Steinen
Als sie fragte, wo sie sei, erfuhr sie, dass sie sich in Konstantinopel befand. Sie war überwältigt von der Architektur und den Skulpturen, die so perfekt waren wie in ihren Büchern. Die Fülle der Farben und das Gold in den Materialien beeindruckten sie tief. Die Augen der Menschen wirkten ehrlich, majestätisch und groß – genau wie in den alten Gemälden.
Begegnung mit Philo von Byzanz
Während sie auf dem Bürgersteig weiterging, blickte sie durch ein Fenster und sah einen Mann an einem Tisch voller Instrumente. Der Mann starrte sie an und stellte sich als Philo von Byzanz vor – ein Astronom, Naturwissenschaftler, Mediziner und Philosoph. Auf ihre Frage nach dem Jahr zeigte er ihr ein kreisrundes Objekt, einen mechanischen Kalender. Er drehte an den Nadeln, und als sie genauer hinsah, verschwand der Mann plötzlich.
Vom Kloster Silos zur Gotik
Lucia fand sich in einem langen Korridor mit riesigen gewölbten Säulen wieder, die auf einen riesigen Hof blickten – es war das Kloster Santo Domingo de Silos in Burgos. Zwischen den Säulen sah sie ein junges Mädchen, das sie anlächelte. Es war Alexander der Große, der das Mädchen dann vor den Traualtar führte.
Plötzlich trug Lucia ein anderes Kleid mit französischen Hauben, Korsetts und Unterröcken. Man erzählte ihr von den Sitten der Frauen und den gesellschaftlichen Veränderungen jener Zeit. Sie ging einen Korridor entlang, öffnete eine Tür und fand sich in der Kathedrale von St. Peter und Maria wieder. Die Schönheit des Lichts und der Malerei begeisterte sie, während sie die Finesse der Struktur erkundete.
Die Architektur Italiens
Statt in den Hof trat sie nun auf die Straßen Italiens hinaus. Sie war beeindruckt von der Architektur, der Verwendung von Quadern und der Schiffsform der Tempel. Besonders fielen ihr die Archivolten auf – Steinbögen, welche die Eingänge der Tempel schmückten. Unterwegs traf sie eine alte Frau, die ihr eine Schachtel überreichte und dann verschwand. Als Lucia die Kiste öffnete, erwachte sie plötzlich an einem anderen Ort.
Die Kathedrale von Chartres
Sie lag auf einer Bank in der Kathedrale von Chartres. Sie starrte auf die wunderschönen Fenster mit all ihren Details und Farben. Neben ihr saß ein lächelnder Mann, der Bischof Fulbert von Chartres. Er erzählte ihr die Geschichte des Doms, führte sie zur Tür und verabschiedete sich.
Aristoteles und der Wandel der Gesellschaft
Beim Öffnen der Tür bemerkte sie, dass sie erneut andere Kleidung trug – ein Kleid mit großen Bögen. Die Menschen um sie herum waren mittelalterlich gekleidet. Sie sah einen Mann, den sie aus ihren Büchern kannte: Aristoteles. Er grüßte sie und begann, ihr von der Entwicklung der Gesellschaft und der Entdeckung der farbenprächtigen Glasmalerei zu berichten, bevor er sie wieder allein ließ.
Die Renaissance und Leonardo da Vinci
Auf dem Boden lag ein Blatt Papier über Leonardo da Vinci. Plötzlich erschien er an ihrer Seite. Erschrocken stellte sie fest, dass sie sich mit ihm in einem bedeutenden Kunstmuseum befand. Sie betrachteten gemeinsam die berühmte Mona Lisa. Da Vinci forderte sie auf, zwei Schritte nach links zu gehen – das Lächeln verschwand. Dann sollte sie vier Schritte nach rechts gehen – das Lächeln war wieder weg. Er erklärte ihr die Neugier hinter diesem Effekt und weitere Details der Renaissance-Malerei.
Romantik und tiefe Gefühle
Nach diesem Rundgang hörte Lucia Musiknoten und folgte einer Person in einen Raum voller Musiker. Dort sah sie zarte Gemälde, die tiefe Gefühle der Liebe ausdrückten. In ihren Schulbüchern hatte sie die Bedeutung dieser Bilder nie voll erfasst, doch hier spürte sie den wahren Sinn der Romantik.
Der Glanz des Rokoko in Spanien
Lucia setzte ihren Weg fort und sah in einem Spiegel, dass sie nun ein Kleid aus feiner Seide trug. Sie trat durch eine Tür in einen riesigen, schönen Raum. Ein Schild wies auf die Kathedrale von Baeza in Jaén (Spanien) hin. Sie bewunderte das Gewölbe und die italienischen Reliefs. Plötzlich befand sie sich vor dem Gemälde Die Tafelrunde von Adolph von Menzel im „Marmorsaal“.
Sie bemerkte die Merkmale des Rokoko:
- Helle, glatte und klare Farben
- Von der Natur, Mythologie und orientalischer Kunst inspirierte Formen
- Ein Fokus auf das Alltägliche, Raffinierte und Sinnliche
Ihre Kleidung passte sich erneut an: Ein typisches Rokoko-Kleid mit einem Reifrock, der durch Streben gestützt wurde, aber durch die gefaltete Tunika dennoch komfortabel wirkte.
Begegnung mit William Hogarth
Inmitten festlicher Geräusche traf sie auf William Hogarth, der über seine Theorien zur Schönheit des Rokoko sprach. Er führte sie durch Hallen mit zarten Pastellgemälden. Als er verschwand, erblickte sie eine Marmorskulptur von beeindruckender Qualität. Trotz der Schönheit fühlte sich Lucia nun müde und hatte Heimweh.
Die Rückkehr
Ein junger Mann bemerkte ihre Traurigkeit und tröstete sie. Sie erzählte ihm von ihrer langen Reise durch die Zeit und dass sie nicht wisse, wie sie zurückkehren solle. Der Mann reichte ihr eine Uhr. In dem Moment, als sie diese annahm, wachte sie in ihrem Bett auf, das Buch noch immer über sich. Sie sprang schnell auf und lief zu ihren Eltern, um ihnen von diesem wunderbaren Traum zu erzählen.