Ludwig Wittgenstein: Von der Logik zu den Sprachspielen

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Ludwig Wittgenstein: Sprache und Logik

Ludwig Wittgenstein muss im Rahmen der modernen philosophischen Analyse betrachtet werden. Sein Werk lässt sich in zwei bedeutende Phasen unterteilen, die durch zwei Hauptwerke geprägt sind: die „Logisch-philosophische Abhandlung“ (Tractatus Logico-Philosophicus) und die „Philosophischen Untersuchungen“. Diese Stadien sind eng mit der Tradition verknüpft, die ihn durch die Zusammenarbeit mit Bertrand Russell und G. E. Moore beeinflusste.

Die Einflüsse von Russell und Moore

Einerseits war Russell ein Logiker, der die Bedeutung der logischen Analyse betonte, um philosophische Verwirrungen zu vermeiden, die aus der Unbestimmtheit und Mehrdeutigkeit der Alltagssprache resultieren. Er etablierte die logische Sprache als Idealform und lehnte eine rein spekulative Sprache ab. Basierend auf den Arbeiten seines Schülers Wittgenstein entwickelte Russell eine Ontologie, die als logischer Atomismus bekannt wurde. Diese besagt, dass die Struktur der Wirklichkeit logisch sein muss. Wittgenstein übernahm von Russell die Idee der Sprache als Abbild der Realität, lehnte jedoch einige seiner Interpretationen ab und distanzierte sich später von ihm. Andererseits argumentierte Moore für eine konzeptionelle Theorie der Bedeutung. Eine Analyse sollte die Alltagssprache mithilfe des gesunden Menschenverstandes (Common Sense) klären. Moores Ideen halfen Wittgenstein dabei, die Konzeption der Sprache als Werkzeug zu entwickeln.

Der Tractatus: Die ideale logische Sprache

Eines der wichtigsten Werke Wittgensteins ist die 1921 verfasste „Logisch-philosophische Abhandlung“. Der Sinn dieser Arbeit ist es, eine Grenze zu ziehen, um festzustellen, was durch Sätze der Sprache ausgedrückt werden kann und was sich lediglich „zeigen“ lässt (das Mystische). Daher soll mit diesem Buch eine ideale Sprache konstruiert werden, die einer bestimmten logischen Struktur folgt. Er nimmt die Sprache als Ausgangspunkt und akzeptiert keine Entität, die jenseits dieser Sprache zu denken ist. Die Realität besteht für Wittgenstein aus Tatsachen; was kein Zeichen ist, kann nicht ausgesprochen werden.

Die Abbildtheorie der Sprache

Das Werk folgt einer komplexen Struktur logischer Sätze, die um sieben Hauptthesen kreisen (z. B. „Die Welt ist alles, was der Fall ist“; „Was der Fall ist, die Tatsache, ist das Bestehen von Sachverhalten“ usw.). Man kann sagen, dass dieses Buch Wittgensteins Konzept der bildhaften Sprache (Abbildtheorie) in seiner ersten Phase darstellt.

Basierend auf dem Verständnis der figurativen Sprache ist eine der zentralen Ideen Wittgensteins, dass in einer idealen Vorstellung von Sprache und im Bereich der Logik das System der verwendeten Symbole entscheidend ist. Eine präzise Sprache entwickelt ein funktionierendes System. Für Wittgenstein ist die Logik transzendental. Man kann die Welt nicht beschreiben, ohne auch ihre grundlegenden logischen Strukturen zu erfassen. Dies geschieht durch logische Sätze. Diese Sätze können entweder elementar (Namen und Sachverhalte) oder komplex (Tatsachen) sein. Ein Satz ist ein Modell der Wirklichkeit, wie wir sie uns vorstellen. Die Wirklichkeit zu verstehen bedeutet zu wissen, welche Sachverhalte die Sätze repräsentieren.

Isomorphismus zwischen Sprache und Welt

Sprache wird in diesem Konzept als die Gesamtheit der Sätze definiert. Um die Wirklichkeit darzustellen, besitzen Sätze eine logische Form (Sätze sind keine willkürlichen Wortansammlungen). Sie nutzen eine bildhafte Form, die sie auszeichnet. Sätze verwenden zudem zwei Arten der Korrelation, um die Realität abzubilden: die Korrelation des Satzes mit Elementen der Wirklichkeit (Dinge und Objekte) und die Korrelation der Beziehungen zwischen den Elementen des Satzes mit den Beziehungen zwischen den Elementen der Wirklichkeit. Diese Zusammenhänge müssen jederzeit isomorph sein, das heißt, jedem Element des Satzes darf genau ein Element der Wirklichkeit entsprechen. Innerhalb dieser Konzeption ist das Denken die Projektion, welche die Korrelationen zur Darstellung der Realität herstellt.

Das Mystische und die Grenzen des Sagbaren

Dieses Konzept nutzt eine logische Definition von Bedeutung, wonach Sprache nur dann sinnvoll ist, wenn sie auf empirische und analytische Sätze reduziert werden kann. Für Wittgenstein sind die einzig gültigen Sprachen die der Mathematik und der Naturwissenschaften. Andere Bereiche wie Ethik, Ästhetik oder Metaphysik werden nicht als sagbar anerkannt und als mystisch bezeichnet. Dinge, die nicht in Worten ausgedrückt werden können, zeigen sich nur intuitiv.

Wittgenstein erklärt, dass sich die Sätze des Tractatus auf das Mystische beziehen und lediglich hinweisend sind. Wer eine korrekte Sicht auf die Welt erlangen will, muss diese Sätze schließlich überwinden. Er räumt ein, dass sie (streng genommen) bedeutungslos sind, aber dazu dienen, den Sinn der Welt selbst zu erreichen. Dies geht einher mit der Idee, dass die Alltagssprache die Philosophen in ihrer Mehrdeutigkeit „gefangen“ hält. Die Philosophie muss sich von den Fesseln der Sprache befreien und sie logisch analysieren, um Zweifel zu lösen.

Probleme der Abbildtheorie

Diese Vorstellung weist jedoch Probleme auf. Das erste betrifft die Unmöglichkeit einer privaten Sprache. Dass Menschen innerste Gefühle ausdrücken, bedeutet nicht, dass die Bedeutung dieser Worte nur von der privaten Erfahrung abhängt. Es ist der Gebrauch der Wörter in der sozialen Kommunikation (Sprachspiele), der die Bedeutung bestimmt. Die Richtigkeit unserer Gefühlsbegriffe hängt von sozialen Kriterien ab, nicht von einer rein internen Identifikation.

Ein weiteres Problem ist die Kritik an ostensiven Definitionen (Hinweisdefinitionen). Ein Name ist wichtig, aber für das Erlernen einer Sprache weder notwendig noch ausreichend. Wörter erhalten ihre Bedeutung nicht allein durch das Zeigen auf Objekte. Das Lernen durch Hinweisen kann die Bedeutung nur im Kontext von Aktivitäten klären, die Teil des sprachlichen Handelns sind. Ein Wort kann nur benannt werden, wenn man das Sprachspiel kennt, zu dem es gehört.

Die zweite Phase: Pragmatik und Sprachspiele

Diese Probleme führten Wittgenstein zu seiner zweiten, pragmatischen Konzeption der Sprache. Hier wird Sprache als Teil des praktischen menschlichen Lebens verstanden, der seinen Sinn in der Interaktion findet. Sprache ist eine soziale Praxis, deren Bedeutung sich aus dem Gebrauch ergibt. Die Regeln der Verwendung sind nicht willkürlich, sondern sozial geprägt. Wittgenstein änderte seine Ansicht und klassifizierte den „figurativen“ Gebrauch der Sprache nun als eine von vielen Maßnahmen.

Der Begriff der „Sprachspiele“ beschreibt einfache, primitive Anwendungen von Sprache, um komplexere Zusammenhänge zu verstehen. Ein Sprachspiel umfasst die Sprache und die Aktivitäten, mit denen sie verwoben ist. Die Bedeutung eines Begriffs ist kein Objekt, sondern sein Gebrauch, denn:

  • Nichts in einem rein psychischen Akt des Verstehens könnte den Gebrauch eines Wortes allein festlegen.
  • Verstehen ist kein bestimmter mentaler Zustand, sondern eine „Familie“ von Ereignissen und Umständen.
  • Die Regeln für den Gebrauch eines Wortes bestimmen die Richtigkeit der Anwendung und dienen als Beschreibung oder Hilfe für dessen Einsatz.

Fazit

Um Zeichen in der Sprache zu verstehen, muss eine pragmatische Regel angewendet werden. Eine Regel kann Sätze durch Prädikate erweitern. Der Operationalismus verallgemeinert diese Regeln für theoretische Begriffe in der Wissenschaft, während der Behaviorismus dazu neigt, die Bedeutung eines Zeichens auf den Effekt in der Kommunikation zu reduzieren.

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