Marx: Arbeit, Kapital und Entfremdung — Erklärung und Analyse
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Arbeit
Arbeit ist die Aktivität, durch die der Mensch die Wirklichkeit verändert, um seine physischen und geistigen Bedürfnisse zu erfüllen. In den kapitalistischen Gesellschaften wird Arbeit oft als entfremdete Erfahrung wahrgenommen und nicht als Tätigkeit der Selbstverwirklichung. Marx bezeichnete den Menschen als ein Wesen mit einem Prinzip der Bewegung, ein Prinzip, das seine Impulse zur Schöpfung und zur Transformation der Wirklichkeit bestimmt. An der Stelle, wo der Mensch sich entwickelt und verfeinert, ist Arbeit nicht bloß ein Mittel für die Produktion von Gütern, sondern ein Zweck an sich, der von ihm gestaltet und genossen werden kann.
Vor diesem Verständnis der menschlichen Natur als eines Wesens, das sich in der Arbeit vervollkommnet, ist es nicht überraschend, dass ein zentrales Thema von Marx' Philosophie die Umwandlung der entfremdeten Arbeit ist. In den industriellen Gesellschaften forderte er die Abschaffung entfremdender Arbeitsverhältnisse.
Kapital
Kapital (engl. "Capital") ist ein zentraler Begriff in der politischen Ökonomie. Marx beschreibt, wie in der kapitalistischen Produktion erstens produktive Tätigkeit entsteht und zweitens ein Moment, in dem die Arbeit am Produkt als Kapital fungiert, das wiederum eingesetzt wird, um weiteren Mehrwert zu erzeugen. Manchmal wird Kapital auch als gebundene oder erwartete Arbeit (z. B. Auftragsbestand) verstanden.
Ökonomisches Kapital bezeichnet die Idee eines Gebrauchswerts oder Zwecks, den bestimmte Waren annehmen können: Geld, Getreide oder ein entwurzelter Baum können — unabhängig von ihrer konkreten Gestalt — als Kapital gelten, wenn sie in die Produktion oder in eine Form des investierten Konsums eingebracht werden. Das Kapital erscheint in vielfältigen Formen, so unterschiedlich wie die Ergebnisse der Produktion und die Kombinationen der Industrie.
Im Austausch- und Produktionsprozess unterscheidet Marx typischerweise folgende Formen des Kapitals:
- Vorräte: alles, was dazu dient, die Arbeitskraft zu erhalten;
- Arbeitsmittel: jene Mittel, die an der Entstehung eines neuen Produkts beteiligt sind;
- Rohstoffe: Ergebnisse früherer Arbeit, die in neue Produkte eingehen;
- Hilfsstoffe: Verbrauchsmaterialien wie Treibstoff;
- Maschinen: Werkzeuge und Anlagen, die die Arbeit unterstützen;
- Geld: auch wenn es nicht unmittelbar in der Produktion wirkt, ist es eine Form von Kapital, da es die anderen genannten Dinge erwerben kann;
- Rechte und Dienstleistungen: Schulden, Forderungen und vertragliche Rechte, die einen veränderlichen Wert darstellen und produktiv eingesetzt werden können.
Entfremdung
Entfremdung bezeichnet den Zustand, in dem ein Mensch nicht Herr seiner selbst ist und letztlich nicht für seine Handlungen und Gedanken verantwortlich erscheint. Für Marx ist dies der Zustand, in dem die unterdrückte Klasse in einer Gesellschaft lebt, die auf Ausbeutung beruht und das Privateigentum an den Produktionsmitteln stützt.
Marx übernimmt und transformiert den Begriff der Entfremdung von Hegel. Entfremdung tritt auf, wenn eine Tätigkeit dem Menschen entfremdet wird und etwas anderes als sein eigenes Sein wird; dann kann man sagen, das Subjekt sei entfremdet. Zwischen Hegel und Marx bestehen Unterschiede: Für Hegel ist das Subjekt in erster Linie die Idee (bei manchen Interpreten mit dem Göttlichen gleichgesetzt); für Marx ist das Subjekt der Mensch.
Marx argumentiert, dass mit dem Aufkommen des Privateigentums neue soziale Verhältnisse entstehen, die nur durch Abschaffung dieser Eigentumsform überwunden werden können. Ein anschauliches Beispiel ist die Sklavengesellschaft: Sklaven gehören nicht sich selbst, sondern dem Herrn. In einer solchen Ordnung sind das Individuum, seine Tätigkeit und die durch seine Tätigkeit erzeugten Objekte nicht mehr ihm eigen; sie gehören dem Herrn. Der Sklave besitzt weder sich selbst noch die Produkte seiner Arbeit.
Nach Marx gilt dies auch für das kapitalistische Produktionssystem: Der Mensch verhält sich wie eine Ware, eingesetzt vom Eigentümer der Produktionsmittel nur als Werkzeug in der Produktionskette von Waren. Privateigentum wird zum Mittel der Produktion; der Mensch wird entfremdet, weil er seine Tätigkeit und ihre Produkte nicht als Zwecke an sich, sondern als bloße Mittel zur Produktion behandelt.
Ökonomische Entfremdung ist die Form der Entfremdung, die als Folge der sozioökonomischen Struktur auftritt, auf der das Privateigentum beruht. Sie ist nicht darauf beschränkt, sondern findet auch politischen, religiösen und intellektuellen Ausdruck. Insgesamt kann Marx' Philosophie als ein Versuch verstanden werden, die Ursachen der Entfremdung zu erklären und — letztlich humanistisch ausgerichtet — Wege zu ihrer Überwindung zu finden.