Marx: Arbeit, Kapitalismus und historischer Materialismus

Eingeordnet in Sozialwissenschaften

Geschrieben am in Deutsch mit einer Größe von 6,02 KB

Gesellschaft — Arbeit

Arbeit: Marx widerspricht der Vorstellung, dass es ein einheitliches, humesches Wesen gäbe, das für alle Individuen gleichermaßen gilt. Marx vertritt die Auffassung, dass der Mensch in erster Linie ein praktisches Wesen ist und dass seine hauptsächliche konstituierende Praxis die Arbeit ist.

Arbeit ist eine menschliche Tätigkeit, die in der Transformation der Natur besteht. Diese Tätigkeit stellt den Menschen in Bezug zur Natur und in Beziehung zu anderen Menschen; dadurch bildet der Mensch ein Geflecht sozialer Beziehungen. Arbeit soll ein humanisierendes Element sein und den Menschen befreien: Durch die Arbeit wird der Mensch zum Menschen und bezieht sich auf die Natur, wandelt sie und wird seinerseits geformt. Die konkreten Arbeitsbedingungen in der kapitalistischen Gesellschaft dienen jedoch nicht der Befreiung und Humanisierung der Menschen, sondern können sie versklaven und entmenschlichen.

Arbeit in der kapitalistischen Gesellschaft

In der kapitalistischen Gesellschaft hebt Marx vier zentrale Begriffe hervor: Arbeitskraft, Arbeitszeit, Mehrwert und Warenfetischismus.

  • Arbeitskraft: Die Arbeitskraft bezeichnet die Fähigkeit bzw. das Potenzial eines Menschen, Güter zu produzieren und Arbeit zu verrichten.
  • Arbeitszeit: Durch die Arbeit setzt der Arbeiter seine Arbeitskraft ein, um in einer bestimmten Zeit ein Produkt herzustellen; dieser Zeitraum, in dem die zur Reproduktion der Arbeitskraft notwendige Arbeit geleistet wird, wird als notwendige Arbeitszeit bezeichnet.
  • Mehrwert: Während der Arbeitnehmer in der notwendigen Arbeitszeit den Wert seiner Arbeitskraft verwertet und dafür Lohn erhält, muss er in derGesamtschicht meist darüber hinaus zusätzliche Arbeit leisten. Die zusätzliche Arbeitszeit, in der die Arbeitskraft weiterhin verwendet wird, erzeugt Produkte, deren Wert nicht an den Arbeiter zurückgezahlt wird. Diese Differenz zwischen dem Wert, den die Arbeit schafft, und dem Lohn, den der Arbeiter erhält, ist der Mehrwert, also der wirtschaftliche Vorteil für den Kapitalisten.
  • Warenfetischismus: Die Produkte der Arbeit erscheinen nicht mehr als Ergebnisse menschlicher Tätigkeit, sondern als selbständige Dinge mit eigenem Wert. Die Arbeit, die in Waren steckt, wird verdeckt; Waren verlieren ihren menschlichen Charakter und erscheinen als Fetische, denen auf dem Markt eine eigene Macht zugeschrieben wird. Dadurch verliert das Arbeitsprodukt seine soziale Funktion und wird zum bloßen Geldgenerator. Aus diesem Grund ist eine bloße Lohnerhöhung nicht ausreichend, um die Entmenschlichung grundlegend zu beheben.

Funktionsweise von Mehrwert und Überstunden

Der Arbeiter verkauft seine Arbeitskraft und erhält Lohn für einen Teil seiner Arbeitszeit (die notwendige Arbeitszeit). Die darüber hinausgehende Arbeit, die er in Form von Überstunden oder für die Verlängerung des Arbeitstages leistet, produziert Mehrwert für den Kapitalisten, ohne dass der Arbeiter dafür entsprechend entlohnt wird. Dieser Mechanismus erklärt, wie kapitalistische Produktion zu Aneignung von Mehrwert und damit zu Ungleichheit führt.

Historischer Materialismus

Historischer Materialismus: Marx' wissenschaftlicher Materialismus richtet sich gegen den deutschen Idealismus. Marx setzt die Priorität des Seins vor dem Bewusstsein: Das materielle Sein bestimmt das Bewusstsein. Wenn Denken und Wirklichkeit als identisch betrachtet werden, würde sich die Realität allein durch Philosophie verändern lassen; Marx dagegen trennt und betont, dass die gesellschaftlichen Bedingungen der Produktion grundlegend sind, um Gesellschaft und Bewusstsein zu erklären.

Marx kritisiert Feuerbachs materialistischen Ansatz teilweise: Zum einen warf er ihm vor, die Materie mechanisch und abstrakt zu behandeln, also von der konkreten gesellschaftlichen Praxis zu trennen; zum anderen betrachtete er Feuerbachs Ansatz als nicht ausreichend dialektisch und historisch, weshalb Marx seinen eigenen dialektischen und historischen Materialismus entwickelte.

Mensch, Natur und Praxis

Nach Marx kann man die menschliche Natur nicht isoliert verstehen als bloße Vorstellung; Mensch und Natur stehen auf derselben Ebene. Der Mensch greift in die Natur ein und verwandelt sie durch seine Praxis. Menschen genießen die Natur nicht nur passiv, sie handeln aktiv auf sie ein und verändern sie.

Infrastruktur und Überbau

Die zentrale Idee des historischen Materialismus ist, dass die ökonomische Infrastruktur (die Produktionsweise) die wirkliche Grundlage der Gesellschaft bildet. Die Produktionsverhältnisse sind die Beziehungen zwischen den Menschen in ihrer Stellung zur Produktion.

Die wirtschaftliche Basis bestimmt dialektisch den ideologischen Überbau der Gesellschaft. Soziale Widersprüche, die in der ökonomischen Struktur entstehen, führen zu Veränderungen im Überbau: Die herrschenden Formen des Bewusstseins erscheinen als ideologisch und spiegeln die Interessen der herrschenden Klasse wider, die ihre Vorherrschaft über die ganze Gesellschaft durchsetzt. Daraus folgt die Erkenntnis, dass soziale Beziehungen vielfach lediglich ein Spiegelbild der Klassenverhältnisse und der Produktionsverhältnisse sind. Ändern sich die Produktionsverhältnisse, so kann dies zu gesellschaftlichen Revolutionen führen.

Klassenkampf als Motor der Geschichte

Für Marx ist der Motor der Geschichte nicht metaphysisch begründet, sondern der Klassenkampf, der wichtigste Widerspruch innerhalb der Produktionsverhältnisse. Der Mensch verwandelt die Geschichte durch die Entwicklung eines Klassenbewusstseins, das die gesellschaftlichen Widersprüche und die Entfremdung aufdeckt. Aus dieser Erkenntnis ergibt sich die Notwendigkeit einer gesellschaftlichen Transformation als Weg zur Befreiung.

Verwandte Einträge: