Meinungsfreiheit, Bürgerbeteiligung und die spanische Verfassung 1978
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Öffentliche Meinung in der Demokratie
Öffentliche Meinung in der Demokratie
In heutigen Demokratien ist jeder Bürger frei zu sprechen, da Entscheidungen im Wesentlichen nach dem Mehrheitsprinzip getroffen werden. Damit werden die Bürger zum Protagonisten des politischen Lebens.
Es gibt keine Demokratie ohne freie Presse, ohne Meinungsfreiheit, ohne Kommunikationsfreiheit und ohne Vereinigungsfreiheit. Die Bürger müssen gut informiert sein, um verschiedene Ansichten zu verstehen und eine aktive sowie kritische Rolle einzunehmen.
Formen der Bürgerbeteiligung
Es gibt zwei Möglichkeiten der Beteiligung:
- Indirekte Beteiligung: Einflussnahme auf die Angelegenheiten des Staates durch Meinungsäußerungen in Medien, Foren, Umfragen; Teilnahme an politischen Vereinigungen; Mitarbeit in verschiedenen Ausschüssen und Kommissionen auf lokaler Ebene.
- Direkte Beteiligung: Direkte persönliche Stimmabgabe und Teilnahme an Wahlen. Die Wahl ist ein Ausdruck von Verantwortung und politischer Reflexion; dennoch ist die Wahlenthaltung mitunter sehr hoch.
Begriff des Staates
Der Staat ist der Verband politischer Institutionen, die ein Territorium organisieren und regieren.
Es gibt stark zentralisierte Staaten mit einer zentralen Hauptstadt und starker Bürokratie sowie stark dezentralisierte Staaten.
Demokratische Staaten sind durch Verfassung und Gesetze geregelt; sie beruhen auf der Achtung der Menschenrechte und streben einen demokratischen und sozialen Rechtsstaat an.
Sozialer und demokratischer Rechtsstaat
Ein sozialer und demokratischer Rechtsstaat ist durch folgende Grundsätze gekennzeichnet:
Gewaltenteilung
Legislative, Exekutive und Judikative sind unabhängige Gewalten, die als System von gegenseitigen Kontrollen fungieren.
Rechtsstaat, Freiheit und Gleichheit
Der Staat garantiert einen Rechtsrahmen, der für alle Bürger gleichermaßen gilt: Freiheit der Lebensformen, Meinungsäußerung und Wahlrechte. Gleichheit vor dem Gesetz und Maßnahmen zur Beseitigung extremer Unterschiede zwischen Reichtum und Armut gehören dazu.
Solidarität
Der Staat gewährleistet soziale Rechte und Mindestleistungen, die einen angemessenen Lebensstandard sicherstellen.
Grundprinzipien der Demokratie
Justiz
Die Justiz im demokratischen System muss einen rechtlichen Rahmen für das Zusammenleben schaffen. Gesetze ordnen das Verhalten, erlauben oder verbieten bestimmte Handlungen von Individuen oder Institutionen.
Freiheit
Bürger können wählen und über ihren Lebensstil entscheiden, der ihren Interessen am besten entspricht. Das Wahlrecht ermöglicht es, politische Vertreter zu wählen und über öffentliche Angelegenheiten mitzuentscheiden.
Gleichheit
Das demokratische System sollte Gleichheit vor dem Gesetz sicherstellen, extreme Ungleichheiten vermindern und das Gemeinwohl fördern. Eine universelle, hochwertige Bildung ist eine Garantie dafür, dass alle die gleichen Chancen haben.
Elemente des demokratischen Systems
Der italienische Denker Norberto Bobbio nennt die folgenden Elemente:
- Alle erwachsenen Bürger haben volle politische Rechte.
- Die Menschen müssen zwischen verschiedenen politischen Optionen wählen können (politischer Pluralismus).
- Die Bürger sollten frei sein, ihre Wahl zu treffen.
- Die Stimme jedes Bürgers hat denselben Wert wie jede andere (Prinzip "eine Person, eine Stimme").
- Kollektive Entscheidungen sollten nach dem Mehrheitsprinzip getroffen werden, ohne die Rechte von Minderheiten zu verletzen.
Die spanische Verfassung von 1978
Der Entwurf der Verfassung wurde von sieben Mitgliedern erarbeitet und anschließend beraten. Nachdem der Text in einem Referendum vorgelegt und angenommen worden war, wurde die Verfassung am 29. Dezember 1978 verkündet.
Die Verfassung ist das höchste Gesetz; ihr verdanken wir die Rechtsordnung, die unser Zusammenleben regelt. Sie enthält grundlegende Werte wie Freiheit, Gerechtigkeit, Gleichheit und politischen Pluralismus, die sich in folgenden Aspekten widerspiegeln:
Politisches System
- Spanien ist ein sozialer und demokratischer Rechtsstaat.
- Die nationale Souveränität gehört dem spanischen Volk.
- Die Staatsform ist die parlamentarische Monarchie.
- Der Staat ist dezentral organisiert und besteht aus 17 autonomen Gemeinschaften und zwei Städten.
Rechte und Pflichten der Spanier
Die Rechte umfassen: das Recht auf Leben sowie körperliche und seelische Unversehrtheit; Freiheit der Überzeugung, Religion und Gottesdienst; freie Wahl des Wohnsitzes und Bewegungsfreiheit; persönliche Sicherheit; Schutz von Ehre und Privatsphäre; Meinungsfreiheit; Streikrecht; Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit; Recht auf Bildung; das Recht auf menschenwürdiges Wohnen und weitere Rechte.
Die Pflichten umfassen u. a. die Zahlung von Steuern und den Schutz der Umwelt.
Wichtigste Institutionen des spanischen Staates
Zu den zentralen demokratischen Institutionen gehören:
- Staatsoberhaupt
- Präsidentschaft der Regierung
- Senat
- Abgeordnetenhaus
- Generalrat der Richterschaft
- Verfassungsgericht
- Bürgerbeauftragter (Ombudsmann)