Menschenbilder der Philosophie: Aristoteles, Aquin und Hume
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Aristoteles: Die Einheit von Körper und Seele
Im Gegensatz zur Ideenlehre seines Lehrers Platon argumentiert Aristoteles, dass die sinnliche Welt die einzige Realität ist, in der alle Wesen existieren. Einzelwesen bestehen aus Materie und Form (hylemorphe Theorie).
Was ist der Mensch?
Der Mensch besteht aus Materie (Körper) und Form (Seele). Es ist unerheblich, wie diese Materie dargestellt wird; entscheidend ist das Wesen der Menschheit. Der Körper und die Seele bilden eine untrennbare, wesentliche Einheit und können nicht unabhängig voneinander existieren. Wenn der Körper sterblich ist, so ist es auch die Seele. Bei Aristoteles ist die Seele das Lebensprinzip – das, wodurch wir leben. Sie unterscheidet sich vom Inerten, da sie die Fähigkeit zur Bewegung besitzt.
Die drei Arten der Seele
Alle Lebewesen haben eine Seele, aber nicht alle Seelen haben die gleichen Fähigkeiten. Nach Aristoteles gibt es drei Arten:
- Vegetative Seele: Eigenheit der Pflanzen.
- Sensitive Seele: Eigenheit der Tiere.
- Rationale Seele: Spezifisch für den Menschen.
Die menschliche Natur
Der Mensch ist erstens ein soziales Tier (zoon politikon), das erst in der Gesellschaft seine volle Verwirklichung findet. Zweitens ist er ein Wesen, das mit Sprache begabt ist. Schließlich ist er ein vernünftiges Tier.
Das Verhältnis zwischen Rationalität und Leidenschaft
Aristoteles behauptet, dass alle Lebewesen eine spezifische Funktion haben. Die Funktion, die den Menschen am meisten von anderen Lebewesen unterscheidet, ist die Vernunft. Ein gutes Leben ist daher ein Leben, das auf der Vernunft basiert. Das bedeutet, dass die Vernunft – und nicht Wünsche oder Sehnsüchte – unser Handeln bestimmen sollte. Irrationales Handeln ist zwar möglich, widerspricht aber der natürlichen Bestimmung des Menschen.
Sind wir von Natur aus gut oder schlecht?
Die Güte eines Menschen zeigt sich laut Aristoteles im Zusammenspiel von Vernunft (Logos), Gewohnheit (Ethos) und Leidenschaften (Pathos). Mit der rechten Vernunft versucht der Mensch, einen Mittelweg bezüglich seiner Leidenschaften und Handlungen zu finden. Tugend wird durch kontinuierliche Übung erworben und wird so zur Gewohnheit. Die Gesellschaft unterstützt diese Aufgabe, indem sie die richtigen Rahmenbedingungen schafft.
Thomas von Aquin: Das christliche Denken
Thomas von Aquin interpretiert die Ideen des Aristoteles neu, um sie mit dem christlichen Glauben kompatibel zu machen. In seiner Philosophie existiert eine geordnete, hierarchische Kette des Seins, an deren höchstem Punkt Gott steht.
Die Unsterblichkeit der Seele
Laut Thomas von Aquin kann sich die menschliche Seele vom Körper trennen. Der Mensch besteht zwar aus Materie und Form, erschaffen nach dem Bild und Gleichnis Gottes, doch die Seele ist unbestechlich und unsterblich. Diese Unvergänglichkeit rechtfertigt sich durch den Verstand (Intellekt). Dies unterscheidet den Menschen von anderen Lebewesen, deren Seelen vergänglich sind.
Der Körper ist zwar eine Quelle der Sünde, erlangt aber durch die christliche Idee der Auferstehung nach dem Tod große Bedeutung. Am Ende der Zeit werden die Seelen wieder mit ihren (geheiligten) Körpern vereint. Dieser Körper ist dann vollständig der Anschauung Gottes gewidmet. Obwohl die Seele nach dem Tod fortbestehen kann, muss sie mit dem Körper vereint sein, um die Vollkommenheit der menschlichen Natur zu erreichen.
Was unterscheidet den Menschen von anderen Wesen?
Es ist die Rationalität. Das Leben dreht sich um die Vernunft, um die Betrachtung Gottes und das Erreichen der ewigen Glückseligkeit. Das Hauptgewicht liegt auf dem Leben nach dem Tod und dem Sinn der transzendenten Existenz. Für Christen ist das irdische Leben nur ein Transitland, eine Prüfung, in der man das Böse ablehnen und das Gute wählen muss.
Freier Wille und Verantwortung
Basierend auf unseren Taten werden wir im Jüngsten Gericht gerettet oder verdammt. Hier greift die Idee des freien Willens. Die Freiheit des Menschen leitet sich aus seiner Rationalität ab: Er kann zwischen Gut und Böse wählen. Diese Wahlmöglichkeit macht uns für unsere Taten verantwortlich.
Die menschliche Natur und die Sünde
Der Mensch wird mit einer Tendenz zur Sünde geboren. Die Teile der Seele, die ursprünglich (vor der Erbsünde) im Gleichgewicht standen, bekämpfen sich nun gegenseitig. Wenn ein Konflikt zwischen Vernunft und Begehren entsteht und die Lust über die Vernunft siegt, erscheint die Sünde.
David Hume: Die Domäne der Leidenschaften
Nach Hume sind Gott, die Seele und die Außenwelt unbeweisbar und unerkennbar.
Was ist der Mensch?
Hume kritisiert die Annahme, dass man die Existenz eines Selbst (oder einer Seele) als eine beständige Substanz beweisen könne. Für Hume ist die Seele eine unbeweisbare metaphysische Annahme. Wir nehmen unsere Identität nur durch den ständigen Fluss von Wahrnehmungen wahr. Gewohnheit, Sitte und Gedächtnis ermöglichen es uns, diese Wahrnehmungen zu verknüpfen und uns eine Identität zuzuschreiben.
Ist die Seele unsterblich?
Dies lässt sich nicht beweisen. Nach unserer Erfahrung ist die Entwicklung der Seele eng mit dem Körper verbunden. Daher ist davon auszugehen, dass die Seele mit dem Körper stirbt.
Die menschliche Natur und die Rolle der Vernunft
Hume versucht, die Leidenschaften der menschlichen Natur empirisch zu beschreiben. Die Vernunft kann zwar Beziehungen zwischen den Dingen erkennen, ist aber unfähig, uns zum Handeln zu bewegen. Die Vernunft muss "der Sklave der Leidenschaften" sein; sie dient nur dazu, die Mittel zu finden, um unsere Wünsche zu befriedigen. Unsere Vorlieben sind durch Wünsche bestimmt und nicht durch die Vernunft veränderbar.
Sind wir von Natur aus gut oder schlecht?
Hume stellt fest, dass wir bei den Handlungen anderer ein moralisches Gefühl empfinden. Dieses Gefühl entspringt unserer Natur, die zwar den eigenen Vorteil sucht, aber durch das Gefühl der "Sympathie" (Mitgefühl) mit unseren Mitmenschen verbunden ist. Dadurch entsteht ein soziales Gleichgewicht.