Merkmale, Typologie und Sprache wissenschaftlicher Texte
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Merkmale wissenschaftlicher und technischer Texte
I. Merkmale (Features)
Bei der Übertragung von kulturellen Inhalten ist in der Regel zwischen zwei Arten von Diskursen zu unterscheiden:
- Die sogenannte experimentelle Wissenschaft und Kunst, deren Hauptziel es ist, sachliche Erkenntnis der Wirklichkeit zu vermitteln.
- Die Geistes- oder Sozialwissenschaften, deren primäre Aufgabe die Studie des Menschen ist.
Sie unterscheiden sich in ihrem Ansatz und ihren Methoden: Die ersteren liefern empirisch überprüfbare Daten, während in den geisteswissenschaftlichen Disziplinen, deren Inhalte nicht immer überprüfbar sind, logisches Denken vorherrscht.
Wissenschaftliche Texte dienen dazu, dem Empfänger Wissen zu vermitteln und Sachverhalte zu erklären. Technische Texte wenden Erkenntnisse der Wissenschaft auf die Wirklichkeit an; ihr Ziel ist es, den Empfänger zu lehren, wie etwas zu tun ist (Know-how).
Wissenschaftliche und technische Texte existieren in verschiedenen Arten oder Gattungen: Bericht, Abhandlung, Aufsatz, Dissertation, Lehrbuch, Artikel, Monographie, Konferenzbeitrag etc.
II. Typologie und Struktur
In wissenschaftlichen und technischen Texten dominiert vor allem die Exposition (Darstellung), ebenso wie die Argumentation, wenn Diskussionsthemen aufgeworfen werden, was sehr typisch für die wissenschaftliche Debatte ist. Die Beschreibung kann die Exposition ergänzen, und die Erzählung (das Konto) kann verwendet werden, wenn ein historischer oder chronologischer Ansatz gewählt wird. In technischen Texten ist die Anweisung (Instruktion) charakteristisch, deren Ziel es ist, den Empfänger zu lehren, etwas zu tun.
Die Reihenfolge, in der Informationen entwickelt werden, hängt von der verwendeten wissenschaftlichen Methode ab:
Strukturelle Methoden
- Analytische Struktur: Wird verwendet, wenn die Methode deduktiv ist. Sie geht vom Allgemeinen zum Besonderen: Sie beginnt mit der These oder Hypothese, und die Entwicklung des Textes präsentiert die Tatsachen, Beweismittel oder Daten, um diese zu beweisen.
- Synthetische Struktur: Wird verwendet, wenn die Methode induktiv ist. Sie geht vom Besonderen zum Allgemeinen: Zuerst werden die Fakten, Daten oder Beweise präsentiert, um dann zu den Schlussfolgerungen zu gelangen, welche die Bedeutung der beschriebenen Daten oder Ereignisse erklären.
- Gerahmte Struktur: (Die vorherigen Strukturen treten gleichzeitig auf): Der Text beginnt mit einer Idee, die nach der Entwicklung der Erklärung als Schlussfolgerung erneut erscheint.
Die Gesamtstruktur der Texte erfolgt nach folgendem Schema:
- Einleitung
- Entwicklung (Hauptteil)
- Fazit (Schlussfolgerung)
III. Die Sprache wissenschaftlicher und technischer Texte
1. Universalität
Verbreitung von Wissen, das zu jeder Zeit und an jedem Ort gültig ist.
- Dies erfordert eine Sprache, die sprachliche Barrieren leicht überwindet.
2. Objektivität
Es werden Fakten und die Umstände, unter denen sie auftreten, präsentiert, wobei die Präsenz des Senders und seine persönliche Beurteilung des Sachverhalts eliminiert werden.
- Die Funktionen der Sprache: referenziell (denotativer Wortschatz) und metasprachlich (Erläuterungen).
- Die Verwirklichung dieser Ziele erfordert eine spezifische Verwendung der Sprache.
3. Grammatische Merkmale
3.1. Syntaktische Merkmale
Syntaktische Strukturen, die den Agens (Handelnden) ignorieren oder tendenziell verbergen:
- Unpersönliche Konstruktionen, Passiv, Verwendung von „sein“ oder Reflexivpronomen, Plural der Bescheidenheit (Pluralis Modestiae), Nominalkonstruktionen.
Ein sorgfältiger inhaltlicher Zusammenhalt zur Erzielung einer klaren, eindeutigen Syntax und zur Vermeidung von Annahmen:
- Korrekte Übereinstimmung (Kongruenz), lexikalische Wiederholungen, Konnektoren, logische Beziehungen (Ausdruck von Bedingung, Kausalität, Folge, Zweck).
Kurze und einfache Aussagen:
- Einfache und koordinierte Sätze, wenig komplexe und leicht verständliche Nebensätze.
- Oft werden logische Beziehungen sowie Umstände von Zeit und Raum durch Adverbialkonstruktionen ausgedrückt.
Nominalphrasen (SN) erweitert durch Attribute, untergeordnete Adjektive oder andere Ergänzungen:
- Dienen zur Identifizierung und Klärung des Umfangs des Substantivs.
3.2. Morphologische Merkmale
- Verben im Indikativ (Objektivität der Darstellung).
- Häufige Verwendung des Präsens (zeitlos, zur Darstellung der Allgemeingültigkeit wissenschaftlicher Formulierungen).
4. Lexikalische Merkmale
4.1. Allgemeine Merkmale
- Monosemie: Wörter haben nur eine Bedeutung.
- Denotative Bedeutung: Keine expressiven oder subjektiven Elemente, was hohe Präzision und Objektivität gewährleistet.
- Übersetzbarkeit: Wörter können in andere Sprachen übersetzt werden (vollständige Übereinstimmung der Bedeutung, was die Universalität fördert).
4.2. Konstante Schaffung von Fachbegriffen (Termini Technici)
- Wie bei anderen Entlehnungen (klassisch, modern, Xenismen, Lehnübersetzungen).
- Durch Ableitung (Schaffung abstrakter Substantive aus griechisch-römischen Wurzeln).
- Durch syntagmatische und kultivierte Zusammensetzung.
- Durch Akronyme.
- Normale Sprachwörter, die mit einem sehr präzisen Sinn verwendet werden (Terminologisierung).
4.3. Instabile Natur des Lexikons
Das Lexikon ist instabil aufgrund wissenschaftlicher Entwicklungen und unterschiedlicher Wortverwendung durch verschiedene Schulen.