Metaphysik und die Frage nach Gott: Von Heimsoeth bis Kant
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Einführung in die Metaphysik
Heinz Heimsoeth reduzierte die Metaphysik des Westens auf sechs Schlüsselthemen, die immer wiederkehren und mit den grundlegenden Problemen der Philosophie im Allgemeinen zusammenhängen:
- Gott und die Welt
- Unendlichkeit und das Endliche
- Seele und die äußere Welt
- Sein und das Einzelne
- Leben
- Verstand und Wille
Christian Wolff unterteilte die Philosophie in vier Teile und vier thematische Bereiche der Metaphysik:
- Ontologie (das Wesen)
- Allgemeine Kosmologie (die Welt)
- Rationale Psychologie (die Seele)
- Natürliche Theologie (Gott)
Obwohl die Fragestellungen von Wolff und Heimsoeth unterschiedlich sind, bedingen sie sich gegenseitig. Man kann die philosophische Frage nach Gott kaum behandeln, ohne die damit verbundenen Konzepte wie Unendlichkeit und Endlichkeit zu berücksichtigen, und umgekehrt.
Die philosophische Frage nach Gott
Natürliche Theologie und Theodizee
Die Frage nach Gott ist Gegenstand der Natürlichen Theologie oder der Theodizee. Die Natürliche Theologie ist jener Teil der Metaphysik, der das Konzept Gottes und alle damit verbundenen Fragen allein mithilfe der Vernunft untersucht, ohne auf Offenbarung oder Glauben zurückzugreifen.
Gott muss ewig sein, denn andernfalls wäre er von jemandem oder etwas geschaffen worden. Dies würde den Prozess der Verursachung niemals beenden und in einem unendlichen Regress resultieren.
Aristoteles und der Unbewegte Beweger
In der Philosophie des Aristoteles fungiert Gott als treibende Kraft. Da die Realität ständiger Veränderung und Bewegung unterliegt und alles, was sich bewegt, von etwas anderem bewegt werden muss, muss es eine erste Ursache geben, die bewegt, ohne selbst bewegt zu werden: der Unbewegte Beweger (Primum Movens).
Um die Schwierigkeit der Vorstellung eines unberührten Bewegers zu veranschaulichen, verwendet Aristoteles eine schöne Analogie: Der Erste Beweger bewegt das gesamte Universum, so wie die Geliebte den Liebenden bewegt. Das gewünschte Objekt bewegt diejenigen, die es begehren, weil es selbst kein Verlangen hat, sich zu bewegen, sondern nur das Verlangen in anderen hervorruft.
Leibniz und die beste aller möglichen Welten
Leibniz versucht, Gott zu rechtfertigen (Theodizee), indem er argumentiert, dass die Übel, die wir als radikal betrachten, nur scheinbare Übel sind. Er schließt daraus, dass wir im Lichte der göttlichen Intelligenz in der besten aller möglichen Welten leben. Dies setzt die Idee eines Gottes voraus, der allwissend und allmächtig ist.
Kant: Gott als Postulat der praktischen Vernunft
Für Kant ist Gott ein Postulat der praktischen Vernunft. Er ist eine Art Hypothese oder Voraussetzung, ohne die das Gefühl der Pflicht, der Güte, der Gerechtigkeit und der moralischen Welt keinen Sinn ergibt; er ist der Garant dieser moralischen Ordnung.