Metaphysik, Religion und Gottesfrage: Platon bis Nietzsche

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Platon: Die Realität der Ideen

Platon: Die Realität der Ideen. Im vierten Jahrhundert v. Chr. schlug Platon eines der wichtigsten metaphysischen Systeme vor. Platon ist dualistisch; er geht davon aus, dass es zwei Arten von Wirklichkeit gibt: die materielle Wirklichkeit, die uns durch sinnliche Wahrnehmung erscheint und der Veränderung unterliegt, und die Wirklichkeit der Ideen, die dem Wesen den Grund geben und sich niemals ändern. Die materiellen Realitäten der sinnlichen Erfahrung sind bloße Kopien der Ideen.

Thomas von Aquin: Gott und die Kreaturen

Thomas von Aquin: Gott und die "Kreaturen". Thomas von Aquin ist der bedeutendste Philosoph des christlich-abendländischen Mittelalters, und sein Einfluss auf die westliche Kultur war außergewöhnlich. In seiner Arbeit verbindet er die Prinzipien der aristotelischen Philosophie mit dem christlichen Glauben. Er betont eine grundlegende Tatsache: den Unterschied zwischen Gott und den "Kreaturen". Zur Unterscheidung zwischen Gott und den Kreaturen führt er die Differenz zwischen Existenz und Wesen an:

  • 1) Alle Wesen haben ein Wesen (Essenz), müssen aber nicht notwendigerweise existieren. Bei den meisten Dingen sind Essenz und Existenz getrennt.
  • 2) Die Existenz der einzelnen Dinge kommt von Gott. Durch seine schöpferische Tätigkeit bringt Gott die Kreaturen ins Dasein; für den Beginn ihrer Existenz bedürfen sie Gott. Er ist das einzige notwendige Wesen; alle anderen sind abhängig.

Kritik großer Systeme: Kant — Die Illusionen der Vernunft

Kritik großer Systeme. Kant: Die Illusionen der Vernunft. Kant war sich der Bedeutung der Untersuchungen Newtons und der Beiträge der experimentellen Physik bewusst. Er war beeindruckt von Humes Philosophie, die die Gültigkeit großer metaphysischer Begriffe in Frage stellte. Kant wollte jedoch zugleich verstehen, warum sich Wissenschaft und Metaphysik entwickeln und welche Grenzen ihnen gesetzt sind. Er kritisierte die Grundlage der bisherigen metaphysischen Ansprüche: Die rationale Metaphysik beruht nicht allein auf Daten der reinen Erfahrung. Metaphysische Begriffe lassen sich nicht ohne empirischen Inhalt begründen. Deshalb entwickelte Kant seine kritische Philosophie. Er entthronte den übertriebenen Ehrgeiz der theoretischen Vernunft, doch blieben damit Fragen bestehen, auf die die Vernunft mitunter keine eindeutige Antwort geben kann.

Marx: Materie, Arbeit und Gesellschaft

Marx: Materie, Arbeit und Gesellschaft. Marx sah die Notwendigkeit, die neue Gesellschaft zu analysieren, die aus der Industriellen Revolution hervorging, und eine Kritik des Hegelschen Idealismus im Rahmen einer Kritik des Kapitalismus vorzunehmen. Im Gegensatz zu Hegel dachte Marx grundlegend, dass die Realität nicht Vernunft oder Bewusstsein ist, sondern materielle Produktionsverhältnisse. Marx' Kritik lässt sich in drei Thesen zusammenfassen:

  • 1) Es gibt nur Materie.
  • 2) Arbeit vermittelt das Menschsein.
  • 3) Menschliche Beziehungen entwickeln sich historisch.

In allen historischen Phasen bleibt ein wesentlicher Gegensatz zwischen den arbeitenden Klassen und den Besitzenden bestehen, dessen Ursprung im Privateigentum liegt.

Nietzsche: Das Leben und der Wille

Nietzsche: Das Leben und der Wille. Nietzsche kritisierte die Metaphysik, die behauptet, es gebe eine "wahre Welt" gegenüber einer "scheinbaren Welt" voller Unvollkommenheiten. Die Geschichte der Metaphysik ist für ihn in vieler Hinsicht eine Verkennung, die das Leben unterschätzt und die Sinnlichkeit vernachlässigt. Nietzsche fordert die radikale Bejahung des Lebens, das stets Unsicherheit und Prozesses bedeutet, und stellt sich gegen jede trügerische Sicherheit. Diese Lebenswelt kann nicht einfach durch moralische Kodizes oder abstrakte Begriffe beherrscht werden.

Das Problem der Religion und die Existenz Gottes

Das Problem der Religion und die Existenz Gottes. Die Frage nach Religion und nach einem höchsten Wesen ist eng mit der menschlichen Endlichkeit und der Kontingenz der Welt verbunden. Religionen versuchen, letzte Fragen zu beantworten und bieten metaphysische Deutungen der Wirklichkeit.

Funktionen der Religion

  • 1) Religion stellt die Verbindung des Menschen mit dem Transzendenten her und erklärt Geheimnisse der Existenz.
  • 2) Religion hat eine soziale Komponente: Sie vereint Menschen mit ähnlichen Überzeugungen und beeinflusst Formen der sozialen Organisation.

Das Heilige und das Religiöse

Das Heilige und das Religiöse. Merkmale:

  • 1) Ein Bereich, dessen Anerkennung das menschliche Leben und die physische Existenz übersteigt.
  • 2) Dieser Bereich ist heilig und transzendent.
  • 3) Das Heilige erfüllt zwei grundlegende Funktionen:
    • a) Es ruft Ehrfurcht und Furcht vor seiner Macht hervor.
    • b) Es ist ein faszinierendes Geheimnis, das Bewunderung und Verehrung inspiriert.
  • 4) Das Heilige äußert sich in Symbolen und in mysteriösen Manifestationen.

Religion ist Teil kultureller Geschichte. Für viele Philosophen ist Religion ein faktisches Phänomen von unbestreitbarer Bedeutung.

Gott und die Welt

Gott und die Welt. Im Umgang mit der Frage nach Gott lassen sich drei Gruppen metaphysischer Probleme unterscheiden:

1) Begriff Gottes

Begriff Gottes. Gott wird häufig als autarkes, in sich selbst vollkommenes und notwendiges Wesen verstanden. Er ist das höchste Wesen und die maximale Vollendung.

2) Nachweis der Existenz Gottes

Nachweis der Existenz Gottes. Die rationalen Gottesbeweise lassen sich klassisch in drei Typen gliedern:

  • a) Das ontologische Argument: Es versucht, aus dem Begriff Gottes als des vollkommensten Wesens auf seine Notwendigkeit und Existenz zu schließen.
  • b) Das kosmologische Argument: Es argumentiert, dass es eine notwendige erste Ursache oder eine notwendige Grundlage für das Universum geben muss.
  • c) Das teleologische Argument (Ordnung): Die Ordnung und Zweckmäßigkeit in der Welt wird als Hinweis auf ein höchstes ordnendes Wesen gedeutet, das man Gott nennt.

3) Beziehung zwischen Gott und der Welt

Die Beziehung zwischen Gott und der Welt. Hier lassen sich zwei klassische Positionen unterscheiden:

  • a) Schöpfung: Gott wird als Schöpfer verstanden. Nach dieser Auffassung hat Gott die Welt geschaffen; nachdem die Welt geschaffen ist, entfaltet sie möglicherweise eigene Naturgesetze.
  • b) Vorsehung: Gott übt Vorsehung in der Welt aus: Er sorgt fortwährend für die Welt und greift in sie ein gemäß einem göttlichen Willen oder Plan.

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