Methodik der qualitativen Forschung: Strategien zur Stichprobenziehung

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Qualitative Stichprobenziehung: Auswahl der Befragten

Wie wählt man Personen für Interviews aus? Wie wird die Stichprobe aufgebaut? Im Gegensatz zur quantitativen Forschung, bei der eine repräsentative Stichprobe mittels Wahrscheinlichkeitsstichproben gezogen wird, zielt das offene Gespräch auf eine andere Art der Darstellung ab. Idealerweise werden die Befragten entsprechend einem theoretischen Design ausgewählt. Allerdings können viele Umstände die Auswahl der Probanden beeinflussen, je nach Stand des Designs.

Der Forscher beginnt mit einer theoretischen Konstruktion der Probanden, die in den meisten Fällen die für das Forschungsthema relevanten sozialen Sektoren widerspiegeln soll. Dieser anfängliche Rahmen ist jedoch flexibel und kann während der Feldarbeit angepasst werden (vgl. 27 LE Alonso, Op. cit., S. 77). Die Analyse der ersten Interviews hilft dabei, die qualitative Zusammensetzung und Größe der Stichprobe zu bestimmen. Beispielsweise kann es notwendig sein, die Stichprobe um einen Sektor zu erweitern, der aufgrund seiner sozialen Position zunächst als weniger wichtig erachtet wurde, sich aber im Feld als reich an relevanten Haltungen, Verhaltensweisen oder Einstellungen erwiesen hat. In anderen Fällen kann die Existenz eines sehr informationsarmen Diskurses oder die Sättigung nach wenigen Interviews dazu führen, die Anzahl der ausgewählten Probanden in einem bestimmten Sektor zu reduzieren.

Ein weiteres Problem ergibt sich aus den Eigenschaften der Interviewsituation selbst. Manchmal ist die Arbeit auf ein bestimmtes Gebiet beschränkt, was zu Ablehnung führen kann, beispielsweise in sozial benachteiligten Gebieten.

Nach der Entwicklung des theoretischen Entwurfs werden konkrete Entscheidungen über die endgültige Auswahl der Stichprobe getroffen. Die Strategien sind vielfältig und hängen meist vom Grad der formalen Erreichbarkeit potenzieller Befragter ab.

Strategien zur Stichprobenauswahl nach Zugänglichkeit

  • Maximale Zugänglichkeit: Nutzung offizieller Daten

    Die maximale Zugänglichkeit dieser Populationen wird durch verfügbare offizielle Statistiken gewährleistet, wie z. B. offizielle statistische Quellen (Volkszählungen, Erhebungen), frühere Studien oder Listen von Organisationen/Unternehmen. Ziel ist es, die Heterogenität der Bevölkerung zu charakterisieren, indem die grundlegenden Achsen bekannt sind und kontrolliert werden, die Schlüsselmerkmale oder Profile für das Untersuchungsthema festlegen.

    Obwohl einige Autoren versuchen, diese Taktik mit der geschichteten Stichprobenauswahl oder dem Quotensystem der quantitativen Forschung gleichzusetzen, ist dies methodisch inkorrekt. Erstens gibt es keine starren quantitativen Kriterien für die von uns definierten Kategorien. Die typologischen Elemente der Stichprobe werden vielmehr während der Feldarbeit iterativ angepasst. Die Analyse der geführten Diskurse gibt uns Aufschluss darüber, ob die Anzahl der interviewten Personen in einem bestimmten Profil erhöht oder verringert werden muss – eine Strategie, die nicht mit dem quantitativen Kriterium einer festen Interviewanzahl pro Quote vergleichbar ist, selbst wenn dies die Notwendigkeit einer großen Anzahl von Substitutionen mit sich bringt.
    Beispiel: Konzentriert sich unsere Studie auf alleinerziehende Mütter in Gemeinde X, können wir relevante Informationen (wie Geschlecht des Elternteils, Bildungsstand, Anzahl der unterhaltsberechtigten Kinder, Wohnsituation) aus der Volkszählung extrahieren, um soziologisch relevante Typen zu entwickeln.

  • Aktuelle Zugänglichkeit: Informanten und Netzwerke

    Dieser Grad betrifft Gruppen, für die keine offiziellen Aufzeichnungen existieren, deren Existenz und räumliche Lage jedoch bekannt sind. Man denke an Bevölkerungsgruppen, die in der theoretischen Tradition als Schlüssel-Informanten gelten, beispielsweise in den Dörfern einer Region. Es gibt keine formale Erfassung dieser Personen, aber wir wissen, dass sie existieren und wo sie sich befinden. Dazu gehören die Ältesten eines Ortes, Hebammen oder andere Personen, die traditionelles Wissen bewahren.

    Ebenfalls inbegriffen sind soziologische Profile von normalen oder außergewöhnlichen Personen. Wenn wir beispielsweise Interviews mit einem Elite-Mitglied eines Vereins, einer Bewegung oder Organisation beginnen, dessen Situation uns bekannt ist, kann dessen Kooperation einen Weg durch seine Netzwerke eröffnen, um weitere potenzielle Befragte zu lokalisieren und zu kontaktieren.

  • Minimale Zugänglichkeit: Schwer erreichbare Populationen

    Die minimale Zugänglichkeit stellt die größte Herausforderung für Forscher dar, insbesondere angesichts der Komplexität der Stichprobenauswahl. Hierbei handelt es sich um Populationen von unbestimmter Zahl und unklarem Umfang.

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