Migration in Spanien: Konzepte, Geschichte und Trends

Eingeordnet in Geographie

Geschrieben am in Deutsch mit einer Größe von 6,13 KB

Migration: Konzepte und räumliche Bewegungen

Migration beschreibt die Bewegung von Menschen im Raum. Wir unterscheiden zwischen der Auswanderung (Emigration), dem Verlassen des Herkunftsortes, und der Einwanderung (Immigration), der Ankunft an einem Zielort. Es gibt verschiedene Formen: vorübergehende, endgültige, binnenstaatliche oder grenzüberschreitende Migration.

Der Wanderungssaldo ist die Differenz zwischen Einwanderung und Auswanderung. Ein positiver Saldo zeigt ein Überwiegen der Einwanderung an, ein negativer Saldo deutet auf verstärkte Abwanderung hin. Spanien, traditionell ein Auswanderungsland, hat sich in den letzten Jahren zu einem Einwanderungsland entwickelt.

Um Migrationsbewegungen zu verstehen, muss man das Konzept der Spannungsdifferenziale (diferenciales de tensión) kennen. Dies sind Wechselbeziehungen zwischen Orten mit hohem demografischem Druck und niedrigem wirtschaftlichem Niveau sowie Regionen mit alternder Bevölkerung und hohem wirtschaftlichem Wohlstand. Migration hängt somit von diesen Faktoren an Ursprungs- und Zielorten ab.

Binnenwanderung in Spanien

Bei der internen Migration unterscheiden wir zwischen temporären und dauerhaften Bewegungen. Temporäre Binnenwanderungen entstehen oft durch saisonale Arbeiten im Tourismussektor oder in der Landwirtschaft (z. B. Wein-, Weizen- oder Olivenlese). Die dauerhafte Binnenwanderung ist jedoch von größerer Bedeutung für die Verteilung der spanischen Bevölkerung. Der Hauptfaktor war hierbei die Landflucht.

Historische Entwicklung der Binnenwanderung

Bis zum 18. Jahrhundert war die Landwirtschaft der dominierende Sektor, weshalb sich die Bevölkerung im Inneren der Hochebene konzentrierte. Ab diesem Jahrhundert begann ein langsamer Prozess, der in den 1960er Jahren seinen Höhepunkt erreichte: Die landwirtschaftliche Tätigkeit wurde zunehmend durch den sekundären (Industrie) und tertiären Sektor (Dienstleistungen) ersetzt. Dies führte zu einem Trend von agrarischen Gebieten hin zu den Industrie- und Dienstleistungszentren an der Peripherie.

  • 19. Jahrhundert: Beginn der Industrialisierung in Katalonien, im Baskenland und in Madrid.
  • Erstes Drittel des 20. Jahrhunderts: Beschleunigung der Landflucht durch die industrielle Entwicklung während des Ersten Weltkriegs und der Diktatur von Primo de Rivera.
  • Bürgerkrieg und Franco-Autarkie: Stagnation des Wirtschaftswachstums und der Migrationsbewegungen.
  • 1960er Jahre: Abschluss der industriellen Revolution in Spanien; stärkste Phase der Landflucht vom Landesinneren an die Peripherie.
  • Ab 1975: Verlangsamung durch die Ölkrise; in den 1990er Jahren fast vollständiges Ende der klassischen Landflucht durch die Auslagerung städtischer Funktionen.

Heutige Trends der Binnenwanderung

Heute ist die Landflucht durch neue Migrationsformen ersetzt worden. Es findet eine Abwanderung aus Großstädten in stadtnahe Gebiete statt, oft bedingt durch die Wohnungsfrage (Phänomen der Schlafstädte). Zudem gibt es wirtschaftlich motivierte Wanderungen zu den Inseln oder Küstenprovinzen, angezogen durch Tourismus und Bauwesen. Weitere Strömungen betreffen hochqualifizierte Arbeitskräfte im quartären Sektor sowie die Rückkehr ehemaliger Migranten in ihre Heimatregionen nach dem Eintritt in den Ruhestand.

Externe Migration: Spanien als Auswanderungsland

Spanien war historisch gesehen ein Abwanderungsland. Die wirtschaftliche Modernisierung nutzte die Auswanderung oft als „Ventil“, um den Bevölkerungsdruck zu senken und durch Devisen das Handelsbilanzdefizit auszugleichen. Die Hauptziele waren Lateinamerika und Westeuropa.

Transozeanische und europäische Migration

Vom Mitte des 19. Jahrhunderts bis in die 1960er Jahre gab es eine starke Auswanderung nach Lateinamerika (Argentinien, Kuba, Venezuela, Brasilien), oft aus peripheren Regionen wie Galizien und Asturien. Nach dem Bürgerkrieg flohen zudem viele Spanier ins Exil.

In den 1960er Jahren folgte eine Massenauswanderung nach Westeuropa (Deutschland, Frankreich, Schweiz, Niederlande). Über zwei Millionen spanische Arbeiter suchten dort Beschäftigung. Dies war meist eine vorübergehende Migration (durchschnittlich zwei Jahre), die durch den wirtschaftlichen Boom in Europa (Marshall-Plan) und den spanischen Stabilisierungsplan von 1959 begünstigt wurde.

Aktuelle Einwanderung nach Spanien

Das Phänomen der Einwanderung ist in Spanien relativ neu und trat im Vergleich zum restlichen Europa mit einer Verzögerung von etwa 40 Jahren auf, dafür jedoch sehr abrupt. Einwanderer lassen sich in drei Kategorien einteilen: Personen mit spanischer Staatsangehörigkeit, reguläre Bewohner mit Arbeitserlaubnis und irreguläre Migranten.

Herkunft, Standorte und Folgen

Die wichtigsten Herkunftsgruppen sind:

  • Maghreb (Marokko, Algerien)
  • Lateinamerika (Ibero-Amerika)
  • Subsahara-Afrika
  • Asien und Osteuropa

Die Schwerpunkte der Ansiedlung liegen in Madrid, Barcelona, der Levante-Küste (Landwirtschaft) und dem Ebro-Tal. Die Beschäftigung erfolgt meist in der Landwirtschaft, im Bauwesen oder im Dienstleistungssektor.

Positive Aspekte: Verjüngung der Bevölkerung, Sicherung der Sozialsysteme, wirtschaftliches Wachstum und kulturelle Vielfalt.
Herausforderungen: Probleme bei der Integration (Ghettoisierung vs. Multikulturalismus), illegale Einwanderung, Ausbeutung und das Entstehen von Fremdenfeindlichkeit. Die Politik reagierte hierauf mit der mehrfachen Anpassung des spanischen Einwanderungsrechts.

Demografische Struktur der Bevölkerung

Die Analyse der Bevölkerung umfasst zudem Merkmale wie Alter, Geschlecht, Familienstand und Erwerbstätigkeit.

Verwandte Einträge: