Miguel de Unamuno und Pio Baroja: Spanische Literatur der Generation von '98

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Miguel de Unamuno: Glaube, Zweifel und die Intrahistoria

Miguel de Unamuno verbrachte sein Leben im Trauma des Wunsches zu glauben, aber unfähig zu glauben. Für Unamuno sind Vernunft und Glaube untrennbar, und ohne Glauben ist es unmöglich zu leben.

Im Jahr 1894 wurde er Mitglied der PSOE, doch 1897 trat er aus der Partei aus. Unamuno vertrat die Ansicht, man müsse handeln, als ob man glaubte, auch ohne den Glauben selbst zu besitzen.

Frühe Werke und die Idee der Intrahistoria

1895 schrieb Unamuno ein wesentliches Buch für die spanische Kultur des 20. Jahrhunderts mit dem Titel "Rund um den Casticismo". Es wurde zunächst in fünf Ausgaben einer Zeitschrift namens "Spanien Modern" veröffentlicht und erschien 1902 als erstes Buch.

Mit diesem Werk eröffnete er die Literatur der Generation von 98. Es behandelt die Frage nach dem Wesen Spaniens und des spanischen Volkes. Er entwickelte den philosophischen Begriff der Intrahistoria.

  • Für Unamuno spiegeln historische Ereignisse (Kriege, Revolutionen) nur die Oberfläche wider.
  • Die Intrahistoria hingegen spiegelt die Wahrheit der Personen und der Realität wider, da Unamuno versucht, die Fragen Spaniens jenseits ideologischer Konflikte zu verstehen.

Romane und die Erfindung der Nivola

"Frieden im Krieg" war der erste Roman Unamunos. Es ist ein historischer Roman, der die Belagerung von Bilbao durch die karlistischen Truppen während des Dritten Karlistenkrieges erzählt.

1902 veröffentlichte er "Liebe und Pädagogik", einen Roman, der den Positivismus des 19. Jahrhunderts kritisieren will. Der Soziologe Don Avitus versucht, seinen Sohn Apollodorus mit rein wissenschaftlichen Methoden zu einem Übermenschen zu erziehen. Apollodorus wird zu einem sozialen und vitalen Außenseiter und begeht schließlich Selbstmord.

Die These Unamunos ist, dass eine Erziehung, die nur auf positivistischer Pädagogik basiert, zu moralischem Versagen führt, während Liebe den jungen Menschen glücklich macht.

Innovation: Die Nivola

In seinem dritten Roman, "Nebel" (1914), waren die Techniken so innovativ, dass ein Kritiker ihm vorwarf, keinen Roman geschrieben zu haben. Daraufhin antwortete Unamuno, er habe eine Nivola geschrieben.

Merkmale der Nivola:
  1. Die Nivola verzichtet auf detaillierte Porträts von Charakteren oder Landschaften.
  2. Sie ist eher ein Roman über das Theater, in dem Dialoge und philosophische Fragen dominieren.
  3. Unamuno behandelt die Psychologie der Figuren oft mit Humor.

"Nebel" erzählt die Geschichte von Augusto Pérez, einem Charakter ohne festen Willen, ohne Eigenschaften, Überzeugungen oder Werte. Aufgrund seiner Orientierungslosigkeit leidet Augusto an Einsamkeit und spricht sogar mit seinem Hund.

Weitere Nivolas sind:

  • "Abel Sánchez": Eine originelle Bearbeitung der biblischen Geschichte von Kain und Abel, wobei der Fokus auf Kain liegt.
  • "Tante Tula": Die reinste Nivola, da sie fast ausschließlich aus Dialogen besteht und die Geschichte einer Frau erzählt, die Mutter werden will, aber keusch bleibt.
Letzter Roman

Unamunos letzter Roman ist "San Manuel Bueno, Märtyrer". Der Roman beschreibt den Glaubensmangel, der Unamuno seit 1897 verfolgte, und die Notwendigkeit für das spanische Volk, sich nicht von liberalen Ideologien ablenken zu lassen und in der Tradition zu verharren. Er erzählt die Geschichte eines Priesters, der den Glauben verloren hat, aber weiterhin Gutes tut, als ob er ihn noch hätte.


Pio Baroja: Pessimismus und die Tragikomödie des Lebens

Pio Baroja war ein Anhänger der Philosophie von Arthur Schopenhauer, dessen Motto lautete: "Einsamkeit oder Vulgarität". Baroja war antirromantisch.

Während die Romantiker glaubten, der Mensch sei von Natur aus gut, war der Mensch für Baroja ein Idiot, der nur durch zivilisierte Bildung rational werden konnte.

Schopenhauer beschrieb in "Die Welt als Wille und Vorstellung" das menschliche Leben als eine Komödie, die endet, wenn man stirbt. Barojas Romane sind daher oft als tragikomisch konzipiert – eine Mischung aus Traurigkeit und Lächerlichkeit.

Wichtige Werke von Baroja

Im Jahr 1900 veröffentlichte er "Schattenleben", eine Sammlung von Erzählungen, die er selbst verlegte.

Baroja war ein unermüdlicher Leser. 1902 veröffentlichte er "Der Weg zur Vollkommenheit". Der Titel lehnt sich an ein Buch der Heiligen Teresa von Ávila an. Es erzählt die weltliche Pilgerreise eines Madrider Malers, der ein schlechtes Leben in der Hauptstadt führt und beschließt, sich durch eine Wanderung durch Kastilien zu reinigen.

Der Baum der Wissenschaft

1910 veröffentlichte er sein berühmtestes Werk, "Der Baum der Wissenschaft". Es schildert das Leben von Andrés Hurtado, beginnend mit seinem Medizinstudium in Madrid bis hin zu seinen Erfahrungen als Landarzt in Kastilien. Der Roman ist autobiografisch gefärbt.

Am Ende des Romans heiratet die Hauptfigur eine intelligente Frau namens Lulú, die nach der Geburt ihres Sohnes Selbstmord begeht, weil die philosophischen Ideale ihres Mannes (die Schopenhauersche Rationalität) mit dem rein tierischen Fortpflanzungsinstinkt kollidieren.

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