Das Mittelalter: Feudalismus und die Kunst der Troubadoure
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Das Mittelalter und die Entstehung der romanischen Sprachen
Das Mittelalter begann mit dem Fall des Weströmischen Reiches und endete mit der Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen (eine Zeitspanne von etwa tausend Jahren). In dieser Epoche entstanden die romanischen Sprachen. Charakteristisch für das Mittelalter waren folgende Entwicklungen: In den westlichen Ländern wurde der Feudalismus eingeführt (der Vasall versprach Treue und Dienste im Austausch für Schutz), und die christliche Kirche besaß große Macht. Ab dem 13. Jahrhundert wuchsen die Städte und mit ihnen das Bürgertum. Es wurde ein Modell für die Schriftsprache gefördert, was zu einer linguistischen Einheitlichkeit führte. Die Poesie drückte Gefühle aus und wurde gesungen. Während lateinische Gedichte oft religiös inspiriert und für die individuelle Lektüre bestimmt waren, nutzten die Troubadoure die Volkssprache für profane Themen, die vor einem höfischen Publikum interpretiert wurden.
Sprachliche Vielfalt und die lyrische Tradition
In den meisten Ländern Europas war das klassische Latein die offizielle Sprache der Kirche. Man sprach jedoch romanische Sprachen, die bereits seit dem 7. Jahrhundert existierten, aber erst ab dem 11. Jahrhundert (Okzitanisch) schriftlich festgehalten wurden. Der Adel kultivierte eine innovative lyrische Kunst auf Okzitanisch. Geistliche Kreise pflegten hingegen eine gebildete Lyrik zu religiösen Themen in Latein. Das Kloster von Ripoll war ein sehr wichtiges Bildungs- und Kulturzentrum Kataloniens, besonders im 14. Jahrhundert. Der Adel schuf eine anspruchsvolle, in Okzitanisch verfasste Lyrik: die Trobador-Dichtung. Diese Kunstform erforderte eine technische Vorbereitung; ein Troubadour musste strenge Regeln wie Assonanz und Strophenbau beherrschen. Wichtiger als Originalität war es, ein Werk innerhalb des festgeschriebenen Kanons anzubieten.
Themen und Gattungen der Troubadour-Dichtung
Die Gedichte der Troubadoure kreisen um drei Hauptthemen: Liebe, Krieg und Tod. Die wichtigsten Gattungen zum Thema Liebe sind das Lied (Cansó), die Morgendämmerung (Alba) und die Pastorela. Zum Thema Krieg gehört das Sirventes und zum Thema Tod der Plany (die Totenklage).
Detaillierte Betrachtung der Gattungen
Fin'amors (Die höfische Liebe): Diese Gattung ist charakteristisch für die Poesie der Troubadoure. Der Troubadour nimmt die Rolle eines Vasallen ein, um seine Liebe und Hingabe gegenüber der Dame auszudrücken und bittet um eine Geste der Anerkennung. Dies spiegelt die feudale Struktur wider.
Alba (Morgendämmerung) und Pastorela: Die Alba drückt den Schmerz der Liebenden aus, die bei Tagesanbruch das Sonnenlicht wahrnehmen und sich trennen müssen, um nicht entdeckt zu werden. Die Pastorela thematisiert die Begegnung zwischen einem Ritter und einer Hirtin.
Das Sirventes: Dies ist die charakteristische Gattung für Themen wie den Krieg. Das Sirventes kann persönlicher, politischer oder moralischer Natur sein.
Der Plany (Die Totenklage): Dies ist ein Trauerlied des Troubadours für einen Verstorbenen, das Lobpreisungen enthält und den Schmerz über den Tod ausdrückt.
Bedeutende katalanische Troubadoure und Ramon Llull
Die Troubadour-Lyrik entstand in den feudalen Höfen Okzitaniens in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts. Bekannte katalanische Troubadoure sind: Berenguer de Palol (einer der ältesten katalanischen Troubadoure) und Cerverí de Girona (der katalanische Troubadour, von dem die meisten Kompositionen erhalten geblieben sind).
Ramon Llull war der erste Lyriker, der auf Katalanisch schrieb. Er verfasste zudem eine Autobiografie.