Das Mittelalter: Gesellschaft, Kultur und Literatur
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Feudalismus und die mittelalterliche Ständegesellschaft
CS. Das Mittelalter ist geprägt durch ein soziales System namens Feudalismus. Das Land gehört dem Adel und der Kirche. Die Bauern leben mit dem Land verbunden und hängen von ihrem Herrn ab, dem sie Treue im Austausch für Schutz und Landnutzung zahlten. Die sozialen Stände gliedern sich wie folgt:
- Adel: Er bestimmt das militärische, politische und wirtschaftliche Leben und besitzt das Land. Bis zum 13. Jahrhundert war der Adel allgemein eher roh und des Lesens und Schreibens unkundig. Zu den bedeutendsten Autoren dieser Schicht zählen Don Juan Manuel, der Marquis von Santillana und der Kanzler Ayala.
- Klerus: Er besteht aus Menschen, die sich der Kirche widmen. Sie gehören religiösen Orden an und leben in Klöstern. Diese Schicht war von enormer Bedeutung für die Kultur, da sie erstmals die Klassiker in Codices kopierte. Dank der Orden von Cluny und der Zisterzienser gelangten neue literarische Trends nach Spanien.
- Das Volk: Das Leben der einfachen Menschen drehte sich um das irdische Dasein, den Adel und seine Burgen oder um den Klerus und die Klöster. Es handelt sich um Menschen ohne Bildung und Mittel, die oft in Armut leben.
Allmählich gab es eine Abwanderung von Bauern in die Städte, wo sie eine freiere Atmosphäre und die Möglichkeit fanden, sich im Handel und anderen Gewerken zu engagieren. Die Städte und Gemeinden wuchsen, was zur Entstehung des städtischen Lebens führte und sie zum Mittelpunkt von Wirtschaft und Entwicklung machte. Ab dem 14. Jahrhundert etablierte sich dort das Bürgertum (Bourgeoisie).
Religiöse Weltsicht und das Zusammenleben der Kulturen
Die Kirche prägte das mittelalterliche Leben tiefgreifend. Die Weltsicht ist theozentrisch (Gott ist der Mittelpunkt des Universums). Das irdische Leben wird oft nur als ein Weg betrachtet, um das ewige Leben zu erreichen. Daher ist die Idee des Todes in den kulturellen und künstlerischen Werken des Mittelalters allgegenwärtig. Mit der Entwicklung des Bürgertums entstand jedoch ein größeres Interesse an materiellen und nützlichen Aspekten des Lebens.
In Bezug auf die Kulturen der mittelalterlichen Gesellschaft ist das Zusammenleben von Christen, Muslimen und Juden hervorzuheben. Christen in muslimischen Gebieten wurden Mozaraber genannt, während Muslime in den von Christen zurückeroberten Gebieten als Mudejaren bekannt waren. Die jüdische Bevölkerung siedelte sich vor allem in den Städten an. Juden und Muslime trugen maßgeblich zur hispanischen Kulturwelt bei. Große Namen sind hierbei der Muslim Ibn Quzman, der Philosoph Averroes sowie der jüdische Gelehrte Maimonides.
Die Literatur des Mittelalters
Die Gelehrtensprache im frühen Mittelalter war Latein, obwohl die mündliche Kommunikation bereits in romanischen Sprachen stattfand. Die meisten kastilischen literarischen Texte vor dem 13. Jahrhundert sind in der populären Literatur und der mündlichen Tradition verwurzelt. Im 13. Jahrhundert begannen Autoren, vermehrt die Volkssprache anstelle von Latein zu verwenden.
Merkmale der mittelalterlichen Literatur
- Mündliche Überlieferung: Viele Texte wurden mündlich weitergegeben, weshalb zahlreiche Werke anonym sind und einen traditionellen, volkstümlichen Charakter besitzen.
- Stil: Es herrscht eine nüchterne, spontane und ausdrucksstarke Schriftsprache vor.
- Realismus und Didaktik: Kastilische Werke zeigen einen scharfen Realismus. Der Wunsch zu moralisieren und zu lehren ist typisch für viele Autoren. Dieser didaktische Charakter ist eine Konstante in den besten literarischen Werken des mittelalterlichen Kastiliens.
- Genres: Dies förderte die mittelalterliche Didaktik in Form von Geschichten, Fabeln und der Verwendung von Allegorien.
- Themen: Die galizische Lyrik sowie die höfische Dichtung (Cancionero) räumen der Frau eine zentrale Rolle ein. In der religiösen Literatur widmen sich zahlreiche Werke der Jungfrau Maria. Weitere zentrale Themen sind der Tod, das unbeständige Glück (Fortuna), die heroische Ritterwelt und die Liebe.
Die Literatur stützt sich auf verschiedene Einflüsse: arabische und osteuropäische Einflüsse (in Jarchas und Erzählungen), französische Einflüsse (über den Jakobsweg, insbesondere in Epik und Troubadour-Lyrik), italienische Einflüsse (später in den Liedern spürbar) und klassische Einflüsse, die sich im späten Mittelalter akzentuierten.
Die höfische Liebe und ihre Stufen
Die höfische Liebe entstand in der Provence zwischen dem 11. und 13. Jahrhundert und brachte die Troubadour-Poesie hervor. Sie hatte enormen Einfluss auf die Literatur des Mittelalters und der Renaissance. Die Stufen der Eroberung einer Frau sind:
- Visus: Das Sehen der Frau, in die man sich verliebt.
- Pregador: Das Bitten und Werben um die Dame.
- Pfand: Die Bitte um ein Unterpfand oder Kleidungsstück als Zeichen der Zusage.
- Drude oder Drutz: Die körperliche Vereinigung bzw. Erfüllung der Liebe.
Merkmale der höfischen Liebe
- Der Dichter besingt seine Liebe zu einer schönen, edlen Dame und erklärt sich zu ihrem Vasallen und treuen Diener bis in den Tod.
- Die Dame ist oft unerreichbar, da sie verheiratet ist (ehebrecherische Liebe).
- Da eine Erwiderung der Liebe oft unmöglich ist, endet der Dichter häufig in Verzweiflung, auch wenn es Ausnahmen gibt.
- Die Troubadour-Poesie verbindet Erotik mit religiöser Sprache und Mythologie. Die Dame wird als göttliches Wesen der Vollkommenheit beschrieben (Neuplatonismus).
- Sie wird mit Sternen, der Sonne oder Edelsteinen verglichen. Ihre Grausamkeit wird mit dem Basilisken oder dem Tod assoziiert, während sie als Objekt der Begierde mit Reihern oder Hirschen verglichen wird.
- Die höfische Liebe führte ein heidnisches Konzept ein: Liebe als angeborene Leidenschaft, die aus der Bewunderung für Schönheit entsteht und den Liebenden adelt.