Mittelalterliche Literatur: Merkmale & Hauptwerke

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Merkmale der mittelalterlichen Literatur

Mündliche Überlieferung: Werke wurden gesungen oder rezitiert, weil viele Menschen nicht lesen konnten.

Anonymität: Viele Texte sind kollektiven Ursprungs; oft ist kein einzelner Autor genannt.

Material und Zweck: Texte lehren christliche Werte oder Verhaltensweisen und haben oft einen didaktischen Charakter.

Wichtige Gattungen und Werke (S. X–XIV)

Jarchas

Jarchas sind traditionelle kurze Texte oder Refrains, die musikalisch gebunden sind. Sie gelten als frühe Zeugnisse von Liebesdichtung, häufig in den Mund einer Frau gelegt, in mozarabischer oder volkssprachlicher Form und kommen am Ende arabischer oder hebräischer Kompositionen vor.

Cantigas de amigo

Cantigas de amigo sind liedhafte Liebeskompositionen, ebenfalls in der Stimme einer Frau, meist in Galicisch-Portugiesisch verfasst. Kennzeichen sind formale Einfachheit, Wiederholungen und parallele Strukturen.

Carol

Carol (Carols, Liedformen) sind Liebeskompositionen, die in den Mund einer Frau gelegt werden; oft in kastilischer Sprache verfasst und durch formale Einfachheit gekennzeichnet.

Mester von Minnesang und Spielleute

Mester von Minnesang / Beruf der Spielleute: narrative, rezitierende Gedichte, entstanden, um zu belehren, zu informieren und zu unterhalten.

Epik

Epische Dichtung zeichnet sich durch Realismus aus (Bezug auf angebliche historische Ereignisse und reale Szenarien), unregelmäßige Metrik (z. B. Linien mit etwa 16 Silben) und die Verwendung fester Formeln wie Appositionen, Vokative und Epitheta; epische Kompositionen richten sich an ein breites Publikum.

Poema del Mio Cid

Poema del Mio Cid (Das Lied vom Cid) ist ein Epos über Exil und Heldentum; enthalten sind Lobgesänge, Hochzeitslieder und Lieder des Angebots und der Tauschhandlungen.

Mester der Geistlichen

Mester der Geistlichen sind Werke geistlichen Charakters, mit kultischer Ausrichtung und didaktischen religiösen Zielen. Ihre Strophenform kann aus vier alexandrinischen Versen bestehen (monorrimisch, konsonanter Reim). Beispiele: im 13. Jahrhundert wirkte Wunder Unserer Lieben Frau von Gonzalo de Berceo; im 14. Jahrhundert: Libro de buen amor des Arcipreste de Hita.

Prosa

Ursprünglich wurde Prosa vor allem in Latein verfasst. Ab dem 13. Jahrhundert förderte Alfons X. der Weise die Würdigung der kastilischen Sprache durch Schreiben und Übersetzen von Werken, z. B. die sieben weisen Schriften und allgemeine Geschichtswerke. Im 14. Jahrhundert verfasste Don Juan Manuel den Conde Lucanor, eine Sammlung von Geschichten mit moralischer Lehre.

Quellen und Einflüsse im 15. Jahrhundert

Die Literatur des 15. Jahrhunderts greift auf griechische und lateinische Klassiker (z. B. Ovid, Horaz) sowie auf italienische Autoren des 14. Jahrhunderts zurück (Dante Alighieri, Petrarca, das Songbook / Canzoniere). Boccaccios Decameron und die Troubadourdichtung der Provence beeinflussen die Vorstellung der Liebesdichtung: kunstvolle Formen, die Liebe in höfischer Umgebung, die Distanz der verehrten Dame und das seelische Leiden des lyrischen Dichters.

Merkmale, Tendenzen und wichtigste Werke

Allgemeine Merkmale

  • Anonymität bleibt häufig und beeinflusst das Bewusstsein für Urheberschaft.
  • Die didaktische Tendenz bleibt, wandelt sich aber; es entsteht das Ideal des höfischen Ritters, der Kunst und Waffen verbindet.

Tendenzen der Poesie

Die Dichtung konzentriert sich vor allem auf das Thema Liebe, entwickelt verschiedene Gattungen und formale Mittel. Es entstehen allegorische Dichtungen, die philosophische Fragen ansprechen und eine kunstvolle, gebildete Sprache verwenden.

Weitere Trends

Es entwickelt sich eine populäre Poesie und neue Erzählformen: aus der Chanson de geste entstehen alte Romanzen und historische Epen mit achtsilbigen Versen und Paarreimen, die Grenzfragen und historische Themen behandeln.

Werke und Autoren

Poesie und allegorische Dichtung: Der cancionero und Autoren wie der Marqués de Santillana mit seinen Serranillos, in denen er Sonettformen und den 11-silbigen Vers erprobt. Juan de Mena schrieb das allegorische und politische Werk Labyrintho de Fortuna (El Laberinto de la Fortuna). Jorge Manrique ist bekannt für seine Canciones, insbesondere die Coplas por la muerte de su padre.

La Celestina

La Celestina ist ein Theaterwerk, das eher zum Lesen denn zur Aufführung bestimmt war; die erste Fassung wird Fernando de Rojas zugeschrieben (anonyme frühe Fassungen sind überliefert). Das Werk zeigt Veränderungen in der Lebensauffassung: mittelalterliche Moralvorstellungen und bereits Renaissance-menschliche Züge wie die Darstellung von Tod als Strafe, zugleich aber auch das Streben nach Leben, Liebe und sinnlichem Genuss.

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