Mittelalterliche Literatur: Vom Römischen Reich bis zur Renaissance
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Überblick: Vom Römischen Reich zur Renaissance
Die Entwicklung der romanischen Texte erstreckt sich vom Untergang des Römischen Reiches (5. Jahrhundert) bis zum Übergang zur Renaissance (15. Jahrhundert). Frühe romanische Texte entstanden bereits im 9. Jahrhundert.
Das Mittelalter wird grob in zwei Perioden unterteilt: das frühe Mittelalter (bis zur Mitte des 12. Jahrhunderts) und das Hoch- und Spätmittelalter (ab dem 12. Jahrhundert).
Hochmittelalter: Gesellschaft und Kultur (ca. 12. bis 15. Jahrhundert)
Gesellschaftliche und politische Merkmale
- Territoriale Zersplitterung und Politik: Feudalismus prägte die Struktur.
- Entwicklung der ländlichen Gesellschaft: Die Bedeutung der Burg (Verteidigung) und der Klöster (Kultur und Religion) war zentral. Religiöse Themen und das Ideal des Kriegers standen im Fokus.
- Reconquista (9. bis 15. Jahrhundert): Geprägt durch den maurischen Einfluss.
- Kultureller Einfluss: Der Camino de Santiago (mit Einflüssen aus der Provence, Troubadouren und der höfischen Liebe) sowie Al-Andalus (orientalischer Einfluss und Liebeslyrik).
Spätmittelalter (Ab Mitte des 12. Jahrhunderts)
Gesellschaftliche Veränderungen
- Sicherheit: Die unmittelbare Gefahr von Invasionen (Barbaren und Muslime) nahm ab.
- Städte und Bürgertum: Aufstieg der Städte (Paläste, Kathedralen, Universitäten). Entwicklung einer Zoll- und bürgerlichen Mentalität (Händler und Handwerker): Materialismus, Lebensfreude und Individualismus.
Literarische Themen im Spätmittelalter
- Hochmittelalterliche Themen: Religiöse Welt, Sünde, Himmel und Hölle. Themen des Kriegers: Erhöhung des mittelalterlichen Herrn (Heraion mediveal), Loyalität zum König (Epen).
- Liebesthemen: Lieder der Liebe und Freundschaft, Troubadoure, höfische Liebe.
- Spätmittelalterliche Themen: Fortsetzung der Themen um Krieger und Ritterlichkeit, aber zunehmend in fantastischen Romanen (Ritterromane, Novellen). Religiöse Fragen blieben präsent, traten aber gedämpfter auf (Verehrung der Jungfrau Maria, Vergebung).
- Städtische Themen: Zunehmend thematisiert wurden Carpe Diem, Materialismus, weltliche Freuden und die Angst vor dem Tod.
Merkmale der Literatur
Literatur des Hochmittelalters
- Pädagogischer Ansatz: Anonymer und kollektiver Charakter; es existierten mehrere Versionen je nach Ort und Zeit (durch Sänger).
- Mündliche Überlieferung: Tendenz, den Empfänger mit rhetorischen Mitteln zu beeindrucken.
Literatur des Spätmittelalters
- Sprachentwicklung: Bereicherung der romanischen Sprache durch den Einsatz kultivierter Autoren.
- Anonymität: Aufgabe der Anonymität.
- Verbreitung: Weitere Verbreitung durch angepassten Druck.
- Prosa: Aufkommen der Prosa.
Volkslyrik (Lírica popular)
Orte und Formen
- Mozarabisch (Jarchas in Andalusien): Liebesgedichte, intimer Ton, in denen eine junge Liebhaberin ihren Sorgen und Nöten einer Vertrauten gesteht.
- Galicisch-Portugiesisch: Cantigas de Amigo (Freundeslieder).
- Kastilisch: Kastilische Carol (Villancico).
- Katalanisch: Mit Einfluss der kultivierten Lyrik.
Strukturen, Themen und Stil
- Strukturen (b): Wiederholung oder Parallelismus.
- Inhalte (c): Liebe (Freude oder Trauer einer Frau wegen der Abwesenheit des Geliebten), unerwiderte Liebe (mismated), Albada (Morgenlied), Erntelieder, Maya, Serranilla.
- Stil (d): Kurze Gedichte, Ausrufe, Interjektionen, Wiederholungen, Diminutive.
- Metrik (e): Verse mit geringer Silbenzahl, Reim, Assonanz.
- Verse (f): Zejel (metrischer Vers arabischen Ursprungs) und Villancicos (Weihnachtslieder).
Altspanische Balladen (Siglo XV)
- Herkunft: Abgeleitet von Fragmenten epischer Gedichte.
- Themen (g): Historische Balladen (Bezug zur jüngsten Geschichte, Propaganda, Grenzkonflikte gegen die Mauren), Karolingische und Artusromane (noverescos) und lyrische Balladen (sentimental-liebevolle Themen).
- Stil und Metrik: Wiederholung, Parallelismus, Dialog, Endspannung. Achtsilber (Octosílabos) mit Assonanz und gelegentlichem Reim. Es handelt sich um eine mündliche Überlieferung und erzählende Poesie in verständlicher Sprache, reich an Wiederholungen, Antithese, Parallelismus und Aufzählungen.
Kultivierte Lyrik (Siglo XV)
Troubadour-Lyrik / Provence
- Katalanisch (Liebesbriefe), Galicisch-Portugiesisch (Liebeslieder).
Dante und Marques de Santillana
- Dante: Allegorische Dichtung.
- Marqués de Santillana: Er war ein guter Politiker und Krieger und sehr gebildet. Er besaß eine der besten Bibliotheken seiner Zeit und gilt als erster Dichter des 15. Jahrhunderts. Er ist bekannt für seine Serranillas, Sprichwörter und Lieder. Seine Poesie wird dem provenzalischen Einfluss zugeordnet (Serranillas behandeln kurze Verse, Gedichte und leichten Rhythmus über die Begegnung eines Ritters und einer Bäuerin). Santillana führte das Sonett in die kastilische Sprache ein.
- Italienischer Einfluss: Santillana integrierte den Einfluss der Renaissance und schuf neue Werke, die reich an Anspielungen auf die griechisch-römische Antike waren. Die verwendete Strophe war das Sonett (vierzehn hendekasyllabische Zeilen, angeordnet in zwei Quartette und zwei Terzette).
- Moralisch-didaktische Poesie: Sprichwörter, inspiriert von klassischen Sentenzen. Ihr Zweck ist die Erziehung; sie thematisieren nicht Mythen oder historische Taten, sondern die Wahrheit. Sie zeichnet sich durch einen hohen, feierlichen Ton aus, nutzt latinisierende Sprache und spiegelt das Interesse an der klassischen Welt wider.
Juan de Mena
- Leben: Geboren in Córdoba, erlitt er eine schwere Kindheit, da er verwaist und arm war und keine Gelegenheit zum Studium hatte. Er studierte autodidaktisch und arbeitete für König Johann II. als Übersetzer und Chronist am Hof.
- Werk: Er war ein vielseitiger und origineller Verseschmied, stark beeinflusst von der italienischen Mode.
- Das Labyrinth des Schicksals (El Laberinto de Fortuna): Ein episches Gedicht, bestehend aus 297 Strophen hoher Kunst. Die zentrale Idee ist der Einfluss des Schicksals oder der Vorsehung auf das menschliche Leben. Es verwendet Allegorien, Ketten und Metaphern, die imaginäre Ereignisse beschreiben. Das Werk ist eine Allegorie, die an die Göttliche Komödie angelehnt ist.
Der Totentanz (Danza Macabra)
Der Totentanz trat in Europa bereits vor dem 15. Jahrhundert auf, wahrscheinlich ausgelöst durch die Pest-Epidemien. Die ersten Beispiele wurden auf frische Kirchenwände gemalt und hatten einen moralischen Charakter. Man nimmt an, dass er im 14. Jahrhundert entstand. Er erinnert daran, dass wir alle sterben müssen: reich, arm, Bauer, König, Papst.