Mittelalterliche Literatur Spaniens: Epen, Lyrik und Mester
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Epische Dichtung und Mester de Juglaría
Mittelalterliche Epen erzählen die Taten eines Helden, der stellvertretend für ein Volk steht. Diese Werke wurden von Sängern rezitiert – ambulanten Künstlern, die Gedichte und Lieder vortrugen. Die Epen gehören zum Mester de Juglaría (Spielmannskunst).
Merkmale der Epik
- Sehr populär und volksnah.
- Mündliche Überlieferung.
- Unregelmäßige Metrik und Assonanz.
- Unbestimmte Zahl von Versen.
- Übertragung der Taten des Helden.
- Absicht des Sängers: Über Helden zu informieren und sie bekannt zu machen.
Das Gedicht vom Cid (Cantar de Mio Cid)
Das Gedicht vom Cid ist ein anonymes Epos, das von den Abenteuern von El Cid (Rodrigo Díaz de Vivar) erzählt. Es wurde von Per Abbat unterschrieben, der jedoch wahrscheinlich nicht der ursprüngliche Autor war.
Struktur des Cid-Gedichts
- Lied vom Exil: Der Cid wird ungerechtfertigt verbannt.
- Lied der Hochzeiten: El Cid erobert Valencia, der König verzeiht ihm, und seine Töchter heiraten die Infanten von Carrión.
- Lied der Schmach von Corpes: Die Infanten demütigen und misshandeln die Töchter des Cid und verlassen sie.
Metrik und Stil
Das Gedicht besteht aus etwa 3000 Versen, die in unregelmäßigen, monorrimischen Strophen (Tiradas) gruppiert sind. Der Stil zeichnet sich durch Realismus und Wahrscheinlichkeit aus. Es werden typische Formeln der Spielleute verwendet.
Traditionelle Lyrik
Die traditionelle Lyrik umfasst eine Sammlung kurzer, anonymer Gedichte, die vom Volk gesungen und mündlich überliefert wurden.
Formen der traditionellen Lyrik
- Jarchas: Kurze mozarabische Lieder aus dem 10. und 11. Jahrhundert, oft am Ende arabisch-andalusischer Gedichte.
- Villancicos (Weihnachtslieder/Volkslieder): Kurze Lieder, die vom Volk im Chor gesungen wurden, oft zu Festlichkeiten. Ihre Struktur ist die Glosa.
- Cantigas de Amigo: Galizisch-portugiesische Gedichte, in denen eine weibliche Stimme ihre Liebe ausdrückt.
Erzähltechnik und Strukturelemente
Narrative Elemente
Die Erzählstruktur umfasst:
- Aufbau: Präsentation, Mitte, Ende.
- Aufbau und Charakterisierung der Figuren.
- Sichtweise des Erzählers.
- Umgang mit der Zeit.
Erzählerstimme und Figuren
Die Stimme, die die Fakten erzählt, kann in der 1. oder 3. Person auftreten. Neben der Erzählerstimme erscheinen auch Figuren, deren Sprechen und Denken eingeführt wird:
- Direkter Stil: Der Erzähler gibt die Worte der Figur exakt wieder.
- Indirekter Stil: Der Erzähler gibt die Worte der Figur mit Hilfe von Verben des Sagens (Verba dicendi) wieder.
- Freier Indirekter Stil: Der Erzähler integriert die Gefühle und Gedanken der Figur in seinen eigenen Bericht.
Plot, Thema und Leitgedanke
- Argument (Plot): Eine Zusammenfassung der wichtigsten Ereignisse.
- Thema: Ein Satz, der den Kerninhalt des Textes zusammenfasst.
- Leitgedanke: Die wesentliche Idee oder Botschaft, die durch die Geschichte vermittelt werden soll.
Mester de Clerecía (Kleriker-Kunst)
Der Mester de Clerecía ist eine poetische Bewegung des 13. Jahrhunderts, die von Geistlichen ins Leben gerufen wurde, um Schriften zu verfassen.
Merkmale und Zweck
- Themen: Religiöse und moralische Inhalte, oft das Leben der Heiligen.
- Zweck: Didaktisch – „unterhalten und lehren“ (delectare et docere).
- Versifikation: Die Gedichte sind in der sogenannten Cuaderna Vía verfasst, einer Strophe aus vier Alexandriner-Versen (14 Silben) mit konsonantischem Reim.
- Autorschaft: Bekannte Werke sind in der Regel signiert (Kultivierter Stil, 13. Jahrhundert).
Vergleich: Mester de Clerecía vs. Mester de Juglaría
Mester de Clerecía (Kleriker-Kunst)
- Thema: Religiös, moralisch.
- Zweck: Moralische Bildung, Lehre.
- Versifikation: Alexandriner, konsonantischer Reim (Cuaderna Vía).
- Autorschaft: Signiert, kultiviert (13. Jh.).
Mester de Juglaría (Spielmannskunst)
- Thema: Kriegerisch, soldatisch.
- Zweck: Unterhaltung, Vermittlung des Kriegergeistes.
- Versifikation: Unregelmäßige Verse, Assonanz.
- Autorschaft: Anonym, volkstümlich (11. und 12. Jh.).