Mittelalterliche spanische Literatur und Epik
Eingeordnet in Spanisch
Geschrieben am in
Deutsch mit einer Größe von 4,93 KB
Das mittelalterliche Epos
Das mittelalterliche Epos besteht aus sogenannten Heldenliedern (Epen-Gesängen). Ein Beispiel aus dem Französischen ist das Chanson de Roland, welches auf der historischen Figur des Ritters Roland und Karl dem Großen (Carlomagno) basiert. Im spanischen Raum sind bedeutende Werke das Roncesvalles-Fragment sowie der Cantar de Mio Cid und das Gedicht über Fernán González.
Struktur des Cantar de Mio Cid
Das Werk ist in drei Teile gegliedert:
- Lied der Verbannung (Cantar del Destierro): Erzählt die Ereignisse seit der Verbannung des Cid und den Sieg bei der Eroberung von Valencia.
- Lied der Hochzeit (Cantar de las Bodas): Behandelt die Zeit von den Anfängen in der Levante bis zur Hochzeit der Töchter des Cid.
- Lied der Schande von Corpes (Cantar de la Afrenta de Corpes): Reicht von der Szene mit dem Löwen bis zum endgültigen Triumph des Helden.
Ein wesentliches Merkmal dieser Gesänge ist die Verwendung von Formeln. Diese festen Wortgruppen dienen als rhythmische Hilfsmittel oder als Beinamen (Epitheta) für die Helden.
Mester de Clerecía
Die Erzählungen des Mester de Clerecía aus dem 13. Jahrhundert haben einen religiösen oder heroischen Charakter sowie eine moralische oder didaktische Absicht. Sie sind in Versen verfasst und nutzen eine regelmäßige Metrik, die sogenannte Cuaderna Vía. Diese Werke waren für die individuelle oder kollektive Lektüre bestimmt und wurden mündlich von Barden oder Klerikern (Clérigos) verbreitet.
Gonzalo de Berceo
Gonzalo de Berceo gilt als der erste namentlich bekannte kastilische Dichter. Seine Gedichte richten sich in der Volkssprache (Vernacula) an Priester, Mönche und Novizen. Seine Werke lassen sich unterteilen in:
- Hagiographische Werke: Zum Beispiel das Leben des San Millán de la Cogolla.
- Marianische Werke: Lobpreisungen der Jungfrau Maria, wie El Duelo de la Virgen oder El Sacrificio de la Misa.
- Milagros de Nuestra Señora: In diesem Werk erhebt Berceo die Macht der Jungfrau Maria als Vermittlerin bei der Rettung der Seelen. Es besteht aus einer Einleitung durch den Erzähler und Schilderungen der Wunder (Aktionen der Barmherzigkeit Marias).
Libro de Buen Amor
Dieses Werk ist in Form einer strukturierten Autobiographie verfasst. Es behandelt menschliche Angelegenheiten, oft in Abwesenheit, wobei häufig eine dritte Person als Vermittlerin eingesetzt wird. Es nutzt Volkssprüche, um die Aufmerksamkeit der Zuhörer zu gewinnen, und enthält Gedichte mit sexuellen Euphemismen.
Die Romances
Romances sind anonyme Erzählungen, die zum Singen bestimmt sind und im Allgemeinen aus achtsilbigen Versen mit Assonanzreim bestehen. Die alten Romanzen sind seit dem späten Mittelalter (14. bis 16. Jahrhundert) dokumentiert. Die Klassifizierung erfolgt nach thematischen Kriterien:
- Episch-mittelalterlich: Basieren auf Epen und preisen ritterliche Tugenden.
- Karolingisch: Behandeln Themen des französischen Epos.
- Historisch/Grenzromanzen: Erzählen von historischen Ereignissen und Kämpfen an der Grenze.
- Fiktive Romanzen (Novelescos): Behandeln Themen wie Liebe, Abenteuer und Spott.
- Religiös/Biblisch: Erzählen Episoden aus der Bibel oder apokryphen Evangelien.
Der Stil zeichnet sich durch eine besondere Erzählreihenfolge (Anfang, Mitte, Ende), Spannungsbögen, abrupte Übergänge sowie die Verwendung von Archaismen, Formeln und Wiederholungen aus.
Ritter- und Gefühlsromane
Der Ritterroman (Novela de Caballería) handelt von den heroischen Abenteuern eines fahrenden Ritters, der seiner Frau treu ist und für Gerechtigkeit kämpft. Er stellt sich verschiedenen Prüfungen und oft übernatürlichen Faktoren.
Der Gefühlsroman (Novela Sentimental) konzentriert sich auf emotionale Zustände und interne Konflikte der Charaktere statt auf äußere Handlungen. Die Vertiefung erfolgt vor allem durch Briefe und eingefügte Gedichte. Diese Werke erzählen meist eine traurige Liebesgeschichte mit tragischem Ausgang, wie zum Beispiel Cárcel de Amor von Diego de San Pedro.
Hintergründe zum Cantar de Mio Cid
Der Cantar de Mio Cid konzentriert sich auf die letzten Lebensjahre von Rodrigo Díaz de Vivar, dem "El Cid Campeador". Er war ein Ritter im Dienste von Sancho von Kastilien sowie Alfons von Kastilien und León. Es ist das einzige fast vollständig erhaltene kastilische Epos und wurde von Per Abbat niedergeschrieben.