Die mittelalterliche Stadt: Aufstieg, Handel und Krise
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Merkmale der mittelalterlichen Städte
Was waren die Städte? Sie waren durch Mauern geschützt. Im Inneren war es sehr chaotisch und eng bebaut, doch alles hatte seinen Platz. Im Zentrum befanden sich die wichtigen Gebäude der Stadt. Die Stadtplanung basierte auf religiösen Gebäuden und Schulen. Die Straßen waren eng, schmutzig, schlecht mit Steinen gepflastert, es gab keine Kanalisation und die Hygiene war mangelhaft (viele Ratten).
Das 11. Jahrhundert und die Bourgeoisie
Nach dem Wachstum der Städte im 11. Jahrhundert entstand eine privilegierte soziale Gruppe namens Bourgeoisie (Bürgertum). Sie lebten in den Städten, den sogenannten Burgos. Diese lagen oft an Flüssen, in der Nähe eines Hafens oder an wichtigen Kreuzungspunkten. Städte waren sehr bedeutend; hier widmeten sich die Menschen dem Handwerk und dem Gewerbe. Je nach Verdienst unterschied man zwischen der hohen Bourgeoisie und dem Kleinbürgertum.
Stadtverwaltung und soziale Hierarchie
Zunächst hielten alle Nachbarn Versammlungen ab, um ihre Regierung zu organisieren. Später wurden Richter gewählt, die von einem Bürgermeister geführt wurden und sich im Rathaus trafen. Schließlich bildeten die reichsten Familien eine bevorzugte Gruppe, die sogenannten städtischen Patrizier.
Das Verhältnis zwischen Königen und Bürgertum
Seit dem 12. Jahrhundert setzten sich die Könige gegenüber den Feudalherren durch. Einige Könige unterstützten die Bourgeoisie, indem sie Privilegienbriefe (Freibriefe) ausstellten, die beispielsweise die Eröffnung von Märkten ermöglichten. Im Gegenzug halfen die Bürger den Königen finanziell bei ihren Kämpfen gegen den Adel.
Monarchien und der Hundertjährige Krieg
Die Bemühungen einiger Monarchien, ihre Grenzen zu festigen, verursachten Auseinandersetzungen zwischen europäischen Herrschern. Ein Beispiel ist der Hundertjährige Krieg zwischen Frankreich und England, den Frankreich letztlich gewann.
Krisen des 14. Jahrhunderts: Hunger und Pest
Seit dem frühen 14. Jahrhundert gab es eine Krise, die durch eine Reihe von schlechten Ernten ausgelöst wurde. Dies führte zu Kriegen zwischen den Feudalherren. Die schwerste Zeit brach jedoch an, als die Pest Europa traf und eine extrem hohe Sterblichkeit verursachte.
Soziale Unruhen auf dem Land und in der Stadt
Aufgrund des Rückgangs der Bevölkerung gab es auf dem Land nicht mehr genug Arbeitskräfte, weshalb viele Felder aufgegeben wurden. Nahrungsmittelknappheit und steigende Preise führten zu sozialen Unruhen und Spannungen. Auch in den Städten kam es zu Aufständen, die von vielen Menschen in Metropolen wie Barcelona, Florenz oder Paris getragen wurden.
Technische Neuerungen in der Landwirtschaft
Ab dem elften Jahrhundert wurden wichtige technische Innovationen eingeführt:
- Neue Anbaumethoden: Die Dreifelderwirtschaft (Drei-Gänge-Rotation) und die Nutzung von Gülle (Tierdung).
- Neue Geräte: Der schwere Pflug (Normannenpflug), Hufeisen und Mühlen.
Bevölkerungswachstum und Marktüberschuss
Zwischen dem 12. und 14. Jahrhundert sorgten diese Entwicklungen für eine Steigerung der Produktivität und bessere Ernten. Dies ermöglichte ein Bevölkerungswachstum in Europa von etwa 45 auf 75 Millionen Menschen. Die Verbesserung der Landwirtschaft führte zur Entstehung neuer Städte. Da die Bauern mehr produzierten, als sie selbst verbrauchten, entstand ein Überschuss. Die Landbesitzer nutzten die Märkte, um diesen Überschuss zu verkaufen. Das Wachstum förderte zudem die Auswanderung in die Städte.
Handwerk und Zunftwesen
Handwerker des gleichen Gewerbes gruppierten sich in bestimmten Straßen. Sie arbeiteten in kleinen Werkstätten in reiner Handarbeit. Die Handwerker waren in Zünften organisiert, die streng strukturiert waren (Auszubildende, Gesellen und Meister). Es gab feste Regeln: Die Arbeitszeiten, die Werkzeuge, eine ähnliche Qualität und die Preise mussten entsprechend festgelegt sein.
Handelsformen: Märkte, Messen und die Hanse
Es entwickelten sich verschiedene Handelsformen:
- Markt: Wöchentlicher Austausch von landwirtschaftlichen Erzeugnissen gegen Handwerkswaren.
- Messe: Regelmäßige, meist jährliche Märkte von großen Dimensionen.
- Hanse: Eine Vereinigung nordeuropäischer Kaufleute und Städte (z. B. in Dänemark, Norwegen, Schweden), um den Handel zu schützen.
Die großen Handelsrouten des Mittelalters
Die Handelsrouten verliefen zunehmend im Seeverkehr, da dieser schneller war und größere Kapazitäten bot:
- Mittelmeerroute: Venedig, Genua, Marseille, Barcelona und Valencia tauschten Gewebe und Werkzeuge aus.
- Atlantik- und Ostseeroute (Hanse): Diese reichte von Lissabon und den kastilischen Häfen bis zur Ostsee und transportierte Wolle, Wein und Weizen.