Mumifizierung und Leichenwachs: Prozesse, Bedingungen, Merkmale
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Mumifizierung: Definition und Ablauf
Mumifizierung ist die Austrocknung des Körpers durch Verdunstung von Wasser aus dem Gewebe, wodurch die äußere Form über einen langen Zeitraum erhalten bleibt. Das Wesentliche dieses Prozesses liegt in der schnellen Trocknung des Körpers, welche die Entwicklung von Keimen verhindert und somit die gewöhnliche Fäulnis stoppt. Mumifizierung kann *natürlich* oder *künstlich* erfolgen.
Die natürliche Mumifizierung beginnt an den exponierten Körperteilen: Gesicht, Hände und Füße, bevor sie auf den Rest des Körpers übergreift. Der Körper schrumpft sichtbar und nimmt eine braune Färbung an. Die inneren Organe verhärten, schrumpfen und nehmen ebenfalls eine dunkle, braun-schwarze Farbe an. Der gesamte Körper verliert an Volumen und Gewicht, wird steif und brüchig. Der gesamte Prozess dauert zwischen 1 und 12 Monaten, abhängig von den Umgebungsbedingungen und der Körpergröße.
Bedingungen für die Mumifizierung
Umgebungsfaktoren und Fundorte
Die Mumifizierung tritt unter spezifischen Umgebungsbedingungen auf:
- Im heißen Sand von Wüsten.
- In bestimmten unterirdischen Krypten oder natürlichen Höhlen.
- Auf einigen gewöhnlichen Friedhöfen.
- *Anmerkung:* Sie wurde niemals bei ertrunkenen Leichen beobachtet.
Wesentliche Umgebungsbedingungen
Die wichtigsten begünstigenden Umgebungsbedingungen sind:
- Aussetzung an hohe Temperaturen.
- Starke, sauerstoffreiche Luftzirkulation (Zugluft).
Drei Hauptfaktoren sind entscheidend: Trockenheit, Hitze und reichliche Luftzirkulation.
Individuelle Faktoren der Mumifizierung
- Alter: Bei Neugeborenen ist die Mumifizierung aufgrund intensiverer Dehydratationsphänomene *post mortem* wahrscheinlicher.
- Geschlecht: Nach Ansicht einiger Beobachter tritt die Mumifizierung häufiger bei Frauen auf.
- Konstitution: Eine schlanke Konstitution (geringer Fettanteil) ist eine fast unerlässliche Voraussetzung für die Mumifizierung eines Körpers.
- Todesursache: Umstände, die bereits *ante mortem* zu einem merklichen Grad der Dehydratation führen (z. B. starke Blutungen, schwerer Durchfall) sowie eine intensive und längere Behandlung mit Antibiotika, können die Mumifizierung fördern.
Allgemeine Merkmale mumifizierter Leichen
Die charakteristischen Eigenschaften, die mumifizierte Leichen definieren:
- Der große Gewichtsverlust.
- Die starke Schrumpfung der Haut, die das Aussehen von gegerbtem Leder annimmt.
- Die gute Erhaltung der äußeren Formen.
- Die Erhaltung der inneren Teile, die jedoch nicht so vollständig ist wie die äußere.
- Die manchmal erstaunliche Dauerhaftigkeit der mumifizierten Leichen.
Forensische Bedeutung der Mumifizierung
Bestimmung der Liegezeit (Post-Mortem-Intervall)
Es ist sehr schwierig, die genaue Liegezeit bei Mumien zu bestimmen. Während frische Mumien nur wenige Wochen bis Monate (immer weniger als 1 Jahr) alt sein können, können andere Mumien über Zeiträume von Jahren oder Jahrzehnten gefunden werden.
Diagnose der Todesursache
Die Todesursache kann oft über längere Zeiträume hinweg erkannt werden, insbesondere wenn sie auf mechanische Ursachen zurückzuführen ist. Die getrocknete Haut und die Weichteile behalten die Merkmale von Wunden, beispielsweise Schusswaffenverletzungen oder Projektile.
Identifikation des Körpers
Die Identifikation des Körpers ist aufgrund der Erhaltung der Gesichtszüge und anderer Identitätsmerkmale möglich.
Leichenwachsbildung (Adipocire)
Die Leichenwachsbildung ist ein transformatives postmortales Phänomen, das zur Bildung einer Fettschicht führt. Diese Schicht ist fettig und klebrig, solange sie feucht ist. Nach der Lufttrocknung nimmt sie jedoch eine harte, körnige, weißlich-graue Konsistenz an. Die Leichenwachsbildung schreitet vom Äußeren des Körpers nach innen fort. Sie kann partiell oder vollständig, isoliert oder weit verbreitet sein.
Entwicklung der Leichenwachsbildung
Der Prozess beginnt in den Körperteilen, die mehr Fett enthalten (z. B. Wangen und Gesäß). Das Leichenwachs bildet eine weiße Substanz, wenn es sich in Wasser bildet, oder eine leicht gelbliche Substanz, wenn es nicht [Text bricht hier ab].