Musikalische Analyse: Schuberts „Das Wandern“ (Lied Nr. 1)
Eingeordnet in Musik
Geschrieben am in
Deutsch mit einer Größe von 3,87 KB
Dieses Lied ist das erste einer Serie, deren Einheit durch die Handlung gegeben ist, die sich in einer Reihe von zwanzig Gedichten entfaltet. Es handelt sich um das Lied Nr. 1 aus dem Zyklus „Die schöne Müllerin“.
Rhythmus und Tempo
Der Rhythmus ist binär, regelmäßig und konstant im Viervierteltakt (4/4), dessen Einheit die Viertelnote ist. Die Tempoangabe ist nicht in deutscher, sondern in italienischer Sprache gehalten. Das Äquivalent wäre ein Allegro moderato, also mäßig schnell.
In der linken Hand bricht der kontinuierliche Achtelrhythmus, dessen Funktion es ist, den Rhythmus zu betonen. Zusammen mit dem unaufhörlichen „Trubel“ der Sechzehntel in der rechten Hand suggeriert dies den zielgerichteten, flotten Schritt eines Wanderers.
Obwohl der Rhythmus einfach ist, ist der leichte rhythmische Kontrapunkt in der Einführung des A-Abschnitts der rechten Hand erwähnenswert. Die beiden Noten bilden Akkorde, die wiederum die Kadenz auf den schwachen Taktteilen betonen.
Melodie
Die Melodie ist das prominenteste Element. Sie erscheint in regelmäßigen Abständen mit Kadenzen am Ende jeder Periode. Obwohl sie dominant erscheint, ist sie dem harmonischen Element untergeordnet, da ihre Wendungen und Bögen durch die Spannung des tonalen Systems bestimmt werden, in dem bestimmte Noten eine Anziehungskraft auf andere ausüben.
Wie es sich für ein Lied gehört, weist die Melodie keine besonderen Schwierigkeiten auf. Ihr Umfang überschreitet eine Oktave nicht.
Textur und Instrumentierung
Es handelt sich ausschließlich um eine homophone Textur, da die Melodie von einer harmonischen Begleitung gestützt wird. Die Melodie ist vollständig der Stimme anvertraut, während das Klavier Arpeggio-Akkorde spielt, um eine hellere und flüssigere Textur zu erzielen. Dies geschieht in Anlehnung an den sogenannten Alberti-Bass, der in der Klassik sehr beliebt war.
- Die Partitur gibt die erforderliche Stimmlage nicht an. Es ist typisch für Schubert-Lieder, dass sie in verschiedenen Stimmlagen zu hören sind. In der vorliegenden Analyse wird der Sänger als Bariton wahrgenommen.
- Im Gegensatz zur Behandlung in anderen Liedern, wo das Klavier gleichwertig zur Stimme ist, kommt ihm hier nicht die Rolle eines gleichberechtigten Partners zu, sondern es dient primär der Begleitung.
- Aus diesem Grund ist das Klavier stets in einem tiefen Register gehalten, und auch die rechte Hand ist vollständig im Bassschlüssel notiert.
Form und Tonalität
Die Struktur des Liedes ist AB, eingeleitet durch eine viertaktige Einführung, und entspricht exakt der Struktur des Gedichts.
Die beiden Abschnitte sind mit jeweils acht Takten ausgeglichen:
- Abschnitt A: Besteht aus vier Takten, die sowohl musikalisch als auch textlich exakt wiederholt werden (insgesamt 8 Takte).
- Abschnitt B: Hat einen Vers mehr als Abschnitt A und dauert daher acht Takte ohne Wiederholung.
Aus klanglicher Sicht liegt eine symmetrische Anordnung vor:
- Abschnitt A steht vollständig in B-Dur.
- Die ersten vier Takte von Abschnitt B wirken als modulierender Mittelteil (nach g-Moll und F-Dur).
- Die letzten vier Takte von B kehren zur Grundtonart B-Dur zurück.
Gattung und Epoche
Gattung: Vokalmusik. Aufgrund der Rolle, die diese musikalische Form im sozialen Leben ihrer Zeit spielte, kann sie auch als „Salonmusik“ betrachtet werden.
Kunstepoche: Romantik
Chronologie: Erste Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts.
Autor und Titel
Autor: Franz Schubert
Titel: Das Wandern (Der Wanderer), erstes Lied des Zyklus „Die schöne Müllerin“