Musikgeschichte: Antike und Mittelalter im Überblick

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Musik der griechischen Antike

Merkmale der griechischen Musik

  1. Musica: Der Begriff umfasste Musik, Poesie und Tanz als Einheit und war die wichtigste Form der Kunstverbreitung.
  2. Textur: Überwiegend monophon (einstimmig) mit heterophonen Elementen. Instrumente fügten kleine Verzierungen hinzu und imitierten dabei die Hauptmelodie.
  3. Modales System: Die Musik basierte auf modalen Skalen. Diese entstanden aus zwei Tetrachorden (Tonleitern aus vier Tönen), die zusammen eine Oktave bildeten. Die Skalen waren typischerweise absteigend.
  4. Ethos-Lehre: Jede Skala besaß ein bestimmtes Ethos, eine ihr zugeschriebene Wirkung auf die Seele. Diese wurde durch die Anordnung der Ganz- und Halbtöne bestimmt. Beispiele:
    • Dorisch: erhaben, ernst
    • Phrygisch: mild, sanft
    • Lydisch: klagend, schmerzlich
    • Mixolydisch: leidenschaftlich
  5. Notation und Rhythmus: Die Tonhöhe wurde durch Buchstaben notiert. Der Rhythmus basierte auf metrischen Füßen (Kombinationen aus langen und kurzen Silben), die sich an der Versmetrik der Dichtung orientierten.
  6. Instrumente: Die wichtigsten Instrumente waren die Lyra (ein Zupfinstrument, assoziiert mit dem Gott Apollo) und der Aulos (ein Doppelrohrblattinstrument, assoziiert mit dem Gott Dionysos).

Musik des Mittelalters

Geistliche Vokalmusik: Der Gregorianische Choral

Nach der Anerkennung des Christentums durch Kaiser Konstantin im Jahr 313 entwickelte sich eine einheitliche Kirchenmusik. Papst Gregor der Große (um 600) hat den Choral nicht erfunden, aber maßgeblich zu seiner Sammlung, Ordnung und Verbreitung beigetragen, um den christlichen Glauben zu stärken.

Merkmale des Gregorianischen Chorals

  1. Ausschließlich Vokalmusik für die Liturgie in lateinischer Sprache.
  2. Monophone Textur, also einstimmig und ohne instrumentale Begleitung (a cappella).
  3. Die Notation erfolgte durch Neumen, Zeichen über dem Text, die den Melodieverlauf anzeigten.
  4. Der Rhythmus war frei und richtete sich nach dem Sprachrhythmus des Textes.
  5. Es gab drei Gesangsstile je nach Anzahl der Noten pro Silbe:
    • Syllabisch: eine Note pro Silbe
    • Neumatisch: zwei bis drei Noten pro Silbe
    • Melismatisch: mehr als drei Noten pro Silbe
  6. Die Melodien basierten auf modalen Skalen (Kirchentonarten). Es gab acht Modi, die aus vier Hauptmodi und ihren jeweiligen abgeleiteten Versionen bestanden.

Weltliche Vokalmusik: Troubadoure und Spielleute

Parallel zur geistlichen Musik entwickelte sich ab dem 11. Jahrhundert in Südfrankreich eine weltliche Liedkunst, getragen von den Troubadouren (adlige Dichter und Musiker). Ihre Lieder wurden oft von Spielleuten (fahrenden Musikern) vorgetragen.

Merkmale der weltlichen Vokalmusik

  1. Die Lieder wurden in der jeweiligen Landessprache (nicht Latein) verfasst. Themen waren höfische Liebe, Heldentaten und die Kreuzzüge.
  2. Die Textur war monophon, wurde aber oft instrumental begleitet (teilweise heterophon).
  3. Die Melodien nutzten ebenfalls modale Skalen, hatten aber einen klar definierten Rhythmus.
  4. Die Lieder wurden in prachtvollen Liederbüchern, den sogenannten Chansonniers, gesammelt.

Entwicklung der Polyphonie (Mehrstimmigkeit)

Die Polyphonie, das gleichzeitige Erklingen mehrerer selbstständiger Melodielinien, entwickelte sich in mehreren Etappen:

  1. Frühe Polyphonie (9.–11. Jahrhundert): Zunächst improvisierte Mehrstimmigkeit, die auf einer Melodie des Gregorianischen Chorals basierte.
  2. Ars Antiqua (ca. 1170–1310): Die Stimmen wurden rhythmisch nach den metrischen Füßen der Antike organisiert. Die Notre-Dame-Schule in Paris war ein wichtiges Zentrum.
  3. Ars Nova (14. Jahrhundert): Es entstand die Mensuralnotation, die exakte Tondauern festlegte. Dies ermöglichte komplexere rhythmische Strukturen und führte zur Blüte weltlicher Gattungen wie dem Chanson.

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