Mutationen: Arten, Ursachen und Bedeutung für Evolution
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Mutationen: Definition und Einteilung
Mutationen: Zufällige Veränderungen des genetischen Materials. Meist sind sie schädlich und können tödlich sein. Sie bleiben in der Regel rezessiv verborgen und tragen zur Variabilität der Population bei.
Somatische Mutationen
Somatische Mutationen: Treten in Körperzellen auf. Sie sind relevant für die Entstehung von Krebszellen, werden aber in der Regel nicht an Nachkommen weitergegeben, da sie nicht die Keimbahn betreffen. Wenn die betroffenen Zellen nicht lebensfähig sind, können sie durch andere Zellen ersetzt werden. Dort, wo sich mutierte Zellen durch Mitose teilen, kann sich eine Kolonie oder ein Klon bilden, der der ursprünglichen mutierten Zelle gleicht.
Keimbahn-Mutationen
Keimbahn-Mutationen: Betreffen die Keimzellen und werden an alle Zellen des neuen Organismus weitergegeben. Mutationen können natürlich auftreten oder durch Mutagene (Strahlung und bestimmte Chemikalien) induziert werden. 307CAUSAS 308
Gen- und Chromosomenmutationen
Genmutationen (SIST. REPARATUR 310) betreffen einzelne Gene und deren Basensequenz. Sie können Punktmutationen, Insertionen oder Deletionen auf der Ebene eines Gens umfassen.
Chromosomenmutationen führen zu Veränderungen in der inneren Struktur oder Anordnung eines Chromosoms. Wichtige Typen chromosomaler Veränderungen sind:
- Deletion: Verlust eines Fragments des Chromosoms. Wenn das Fragment viele Gene enthält, kann die Deletion pathologische Folgen bis hin zum Tod haben, insbesondere wenn beide homologen Chromosomen betroffen sind.
- Duplikation: Verdoppelung eines Teils eines Chromosoms. Dadurch erhöht sich das genetische Material; nachfolgende Mutationen können zur Entstehung neuer Gene im evolutionären Prozess beitragen.
- Inversion: Umkehrung eines Fragments innerhalb des Chromosoms. Befindet sich das invertierte Segment einschließlich des Zentromers, spricht man von einer perizentrischen Inversion; ohne Zentromerbeteiligung von einer parazentrischen Inversion. Inversionen führen typischerweise nicht zu sichtbaren phänotypischen Veränderungen beim Träger, können aber bei der Meiose, insbesondere bei Crossover-Ereignissen innerhalb der Inversion, zu Problemen bei den Nachkommen führen.
- Translokation: Veränderung der Position eines Chromosomensegments. Translokationen sind für den Träger nicht unbedingt schädlich, können aber die Nachkommen betreffen, wenn Chromosomen unvollständig oder dupliziert vererbt werden. Entsteht die Veränderung durch den Austausch von Segmenten zwischen zwei Chromosomen, spricht man von einer reziproken Translokation. Wenn ein Segment ohne Gegenseitigkeit an einen anderen Ort im selben oder in einem anderen Chromosom verschoben wird, spricht man von einer Umsetzung (Transposition/Insertion).
Genommutationen: Aneuploidie und Euploidie
Genommutationen: Veränderungen in der Anzahl der Chromosomen einer Spezies. Es gibt zwei Hauptarten:
- Aneuploidie: Veränderung in der normalen Anzahl der Kopien eines oder mehrerer Chromosomen, ohne dass das gesamte Chromosomenset betroffen ist. Ein Beispiel für Aneuploidie ist das Down-Syndrom (Trisomie 21).
- Euploidie: Veränderung in der normalen Anzahl ganzer haploider Chromosomensätze (z. B. Polyploidie).
Ursachen genomischer Mutationen
Ursachen genomischer Veränderungen können vielfältig sein; Beispiele sind:
- Zentrische Fusion: Zusammenlegung zweier homologer Chromosomen mit Verlust eines Zentromers.
- Centric Kernspaltung (Fission): Spaltung eines Chromosoms in zwei Teile.
- Fehlerhafte Trennung während der Meiose: Fehlerhafte Verteilung der homologen Chromatiden oder Schwesterchromatiden zwischen den Tochterzellen (Nondisjunction).
Mutagene: Strahlung und chemische Einflüsse
Mutagene: Faktoren, die die normale Frequenz von Mutationen erhöhen (315). Wichtige Kategorien sind:
- Nichtionisierende Strahlung: UV-Strahlen, z. B. UV-B, die DNA-Schäden verursachen können.
- Ionisierende Strahlung: Elektromagnetische Strahlung mit kürzerer Wellenlänge als UV, wie Röntgen- und Gammastrahlen, sowie Teilchenstrahlung (Alpha- oder Beta-Strahlung).
- Mutagene Chemikalien: Chemikalien, die Basen verändern (z. B. Basenmodifikationen), Basenersatz (Substitution einer Basis durch eine andere) oder Interkalation von Molekülen in die DNA verursachen.
Mutation und Evolution
Mutation und Evolution (316): Die Variabilität der Nachkommen ungeschlechtlich reproduzierender Organismen beruht ausschließlich auf Mutationen. Bei sexuell reproduzierenden Organismen sind Mutation und vor allem genetische Rekombination (während der Meiose) die Quellen der Vielfalt. Aus qualitativer Sicht ist die Mutation oft wichtiger als die Rekombination, da Mutationen neue Gene oder Allele schaffen können, während Rekombination vorhandene Genkombinationen neu mischt. Mutationen sind somit die Grundlage der Variabilität; ohne sie gäbe es keine Evolution. (Populationsgenetik 317)