Napoleons Russlandfeldzug, Befreiungskriege und Wiener Kongress

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Russlandfeldzug 1812

Als Russland seine Teilnahme an der Kontinentalsperre aufkündigte, um seine Vorherrschaft zu erhalten, entschloss sich Napoleon 1812 zu einem Krieg gegen Russland.

  • Grande Armée: Über 600.000 Männer aus allen von ihm abhängigen Staaten.
  • Verlauf: Die russische Armee stellte sich keiner Schlacht, sondern wich immer weiter zurück.
  • Versorgungsprobleme: Die Versorgung mit Lebensmitteln war schwierig, da die Russen Felder verbrannten und ihr Vieh schlachteten.
  • Moskau: Mit 100.000 Mann weniger erreichte Napoleon Moskau, das kurz darauf in Flammen aufging.
  • Rückzug: Mitte Oktober begann der Rückmarsch unter extremen Bedingungen: Winter, Hunger, Erschöpfung und ständige russische Angriffe. Nur 5.000 Soldaten erreichten geordnet deutsches Gebiet.

Befreiungskriege

Eine Koalition aus Preußen, Russland, England, Schweden sowie später Österreich und Bayern (Austritt aus dem Rheinbund) formierte sich gegen Napoleon.

  • Völkerschlacht bei Leipzig (16.–19.10.1813): Entscheidende Niederlage Napoleons.
  • Folgen: Napoleon dankte ab und erhielt die Insel Elba als Herzogtum. Ludwig XVIII. wurde neuer König von Frankreich.
  • Neuordnung: Der Rheinbund löste sich auf; 1814/15 fand der Wiener Kongress zur Neuordnung Europas statt.

Herrschaft der 100 Tage

Im Frühjahr 1815 kehrte Napoleon nach Frankreich zurück.

  • Schlacht bei Waterloo: Napoleon wurde endgültig von englischen und preußischen Truppen besiegt.
  • Exil: Verbannung auf die britische Insel St. Helena im Südatlantik, wo er 1821 verstarb.

Reformen unter Napoleon

  • Modernisierung der Verwaltung und Abschaffung alter Standesprivilegien.
  • Keine demokratische Mitbestimmung des Volkes.
  • Ausbeutung der besetzten Staaten zur Stützung der französischen Armee und des Staatshaushalts.
  • Hohe Abgaben und Steuern minderten die Begeisterung der deutschen Bevölkerung.

Entstehung des Nationalgefühls

Goethe merkte an, dass gemeinsame Sprache, Kultur und Geschichte allein nicht ausreichten. Erst die französische Besetzung unter Napoleon förderte das Nationalbewusstsein:

  • Nachteile der Herrschaft: Hohe finanzielle Abgaben und ein Zollsystem, das die französische Wirtschaft schützte und die Lebenshaltungskosten in Deutschland verteuerte.
  • Gemeinsamer Feind: Der Widerstand gegen Frankreich ab 1813 ließ bei vielen Deutschen das Bewusstsein entstehen, Mitglied einer gemeinsamen Nation zu sein.

Wiener Kongress 1814/15

Die Begeisterung für die nationale Sache war für die Fürsten zweitrangig. Ihre Ziele waren:

  • Restauration: Wiederherstellung der politischen Zustände vor Napoleon.
  • Legitimität: Die Fürstenherrschaft wurde als legitim angesehen; Volkssouveränität wurde abgelehnt, da sie als Chaos galt.
  • Gleichgewicht der Mächte: England, Frankreich, Preußen, Österreich-Ungarn und Russland sollten ein Machtgleichgewicht bilden, um künftige Kriege zu verhindern.
  • Solidarität: Gemeinsame Abwehr revolutionärer Strömungen.

Deutscher Bund (8. Juni 1815)

Konstruktion eines lockeren Staatenbundes:

  • Struktur: Bestehend aus 35 souveränen Fürstentümern und vier freien Städten (Bremen, Frankfurt, Lübeck, Hamburg).
  • Mitglieder: Neben Kleinfürstentümern (z. B. Schaumburg-Lippe) gehörten auch Großmächte wie Preußen und Österreich (mit Teilen ihres Staatsgebiets) dazu.
  • Ausländische Herrscher: Die Könige von England (Hannover), Dänemark (Holstein/Lauenburg) und den Niederlanden (Luxemburg/Limburg) waren ebenfalls Mitglieder.
  • Bundesversammlung: In Frankfurt tagte eine Versammlung ohne nennenswerte Befugnisse, bestehend aus Gesandten der Staaten, die primär auf die Souveränität ihrer jeweiligen Fürsten achteten.

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