Natur vs. Kultur: Eine anthropologische Gegenüberstellung
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Natur und Kultur: Eine anthropologische Analyse
Der Begriff Natur leitet sich vom lateinischen natura ab. Sie ist genetisch vorprogrammiert oder wird durch Informationen während der embryonalen und fetalen Entwicklung erworben. Im Gegensatz dazu ist die Kultur die kleinste Einheit von Informationen. Während Chromosomen Informationen in einem langsamen Prozess übertragen, sind Menschen das Ergebnis desselben evolutionären Prozesses des Individuums.
Nach Giner definiert sich die Natur oft über den „animal imitador“ (Tier-Imitator). Der Mensch wird hineingeboren. Der Absolutismus verteidigt die Natur des Einzelnen:
- Ontologisch: Die Natur ist für alle gleich.
- Erkenntnistheoretisch: Die Wahrheit ist für alle gleich.
Dem gegenüber steht der Ethnozentrismus, der die eigene Kultur als anderen überlegen ansieht. Der Universalismus hingegen verteidigt die Existenz universeller Werte und der Menschenrechte. Er kritisiert einen irreführenden Relativismus, in dem „alles relativ“ ist. Dieser erkennt alle Arten von Ereignissen (familiär, kulturell) an. Fehler hierbei sind:
- a) Man kann nicht objektiv beurteilen oder rechtfertigen, ob eine Kultur besser als die andere ist.
- b) Die Bewertung erfolgt durch die Erfüllung der Menschenrechte.
Der Kulturbegriff und der Mem-Ansatz
Kultur stammt vom lateinischen colere (bebauen, pflegen). Sie umfasst materielle und ideologische Elemente der menschlichen Fähigkeit sowie erhaltene Informationen von anderen. Auf einer „Darwin-Ebene“ könnte man erwähnen, dass das Mem die kleinste Einheit kulturell übermittelter Informationen ist, welche eine schnelle Informationsübertragung ermöglicht. Der Mensch lernt durch die Assoziation von Genen im Laufe des Lebens; der Mensch handelt („der Mensch tut“).
Im Relativismus bestehender Kulturen gilt:
- Ontologisch: Die Realität ist subjektiv.
- Erkenntnistheoretisch: Erkenntnis und Wahrheit sind relativ.
Der kulturelle Relativismus besagt, dass kulturelle Werte nicht absolut sind. Menschenrechte werden hier als Produkte der Kultur gesehen. Diese Sichtweise kritisiert den „trügerischen Universalismus“.
Die theoretische Philosophie analysiert, was die Dinge sind, während sich die Ethik mit dem „Soll“ befasst. Ein ethischer Abschluss sollte sich auf Tatsachen stützen. Die menschliche Natur ist jedoch keine bloße Tatsache, sondern oft ein Wunsch der Mehrheit (Gegner). Probleme des Relativismus sind:
- Dogmatismus: Andere Arten der Vision werden ausgeschlossen.
- „Anything goes“: Wenn alles gleich gültig ist, kann man nicht mehr über Moral und Ethik sprechen.
Der formale Universalismus als Mittelweg
Ein Mittelweg wäre der formale Universalismus. Er ist die universelle Suche nach der Wahrheit, dem Glück und der Gerechtigkeit, der jedoch den „konkreten“ Universalismus ablehnt, da dieser ein schwerwiegendes Problem darstellt. Es gilt, die Vielfalt der Kulturen und den Dialog zwischen ihnen zu fördern – im Sinne der Vereinten Nationen, über bloße Sozialpakte oder Polemiken hinaus.