Neuordnung Europas nach dem Ersten Weltkrieg
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Nach dem Ersten Weltkrieg erfolgte eine umfassende Reorganisation Europas und der Welt. Insgesamt wurden fünf Pariser Friedensverträge mit den Verliererstaaten geschlossen: Österreich-Ungarn, die Türkei, Bulgarien und Deutschland.
Obwohl 32 Länder eingeladen waren, trafen primär die „Großen Vier“ die Entscheidungen: die USA, Frankreich, Großbritannien und Italien.
Der Friedensvertrag von Versailles (Deutschland)
- Alleinschuld: Deutschland wurde die alleinige historische Verantwortung für den Konflikt zugewiesen.
- Reparationen: Deutschland wurde verpflichtet, Kriegsreparationen in Form von Geld und Waren an die Siegermächte (vor allem Frankreich und Großbritannien) zu zahlen.
- Abrüstung: Ein massiver Abbau der Armee zu Lande und zur See wurde erzwungen.
- Gebietsverluste: Abtretung von Elsass und Lothringen an Frankreich, Nordschleswig an Dänemark, zwei Kantone an Belgien sowie Posen und der „Danziger Korridor“ an Polen.
- Folgen: Der Vertrag wurde in Deutschland als demütigend empfunden, was Gefühle der Rache und einen erstarkenden Nationalismus förderte.
Eine neue Karte für Europa
US-Präsident Woodrow Wilson formulierte 1918 seine „14 Punkte für einen gerechten Frieden“. Sein Prinzip des Selbstbestimmungsrechts der Völker kollidierte jedoch oft mit der Realität in Europa, wo Gebiete umstritten waren und verschiedene Kulturen nebeneinander existierten.
Die Schwäche der Friedensabkommen ließ die Befürchtung aufkommen, dass ein weiterer Krieg ausbrechen könnte. Es wurde eine neue Landkarte erstellt:
- Cordon Sanitaire: Eine Kette antikommunistischer Staaten wurde geschaffen (Estland, Lettland, Litauen, Finnland).
- Neue Nationalstaaten: Ein „Großpolen“ wurde aus Gebieten Österreich-Ungarns, Deutschlands und Russlands gebildet. Zudem entstanden die Tschechoslowakei, Jugoslawien sowie ein unabhängiges Österreich und Ungarn.
- Italien: Erhielt Südtirol und die Stadt Triest; das beanspruchte Fiume wurde jedoch nicht zugesprochen.
- Bulgarien & Türkei: Bulgarien trat Gebiete an Griechenland ab und verlor den Zugang zum Ägäischen Meer. Das Osmanische Reich verlor Gebiete im Nahen Osten an Frankreich und Großbritannien; Armenien wurde als unabhängiger Staat mit der Hauptstadt Eriwan anerkannt.
Der Völkerbund (Société des Nations)
Der 1920 gegründete Völkerbund (SDN) war eine internationale Einrichtung zur Gewährleistung des Weltfriedens und der neuen Ordnung. Er hatte seinen Sitz in Genf (Schweiz) und gilt als Vorläufer der heutigen UNO.
Strukturelle Probleme:
- Anfangs waren nur Siegermächte und neutrale Staaten Mitglieder; Deutschland, Russland und die USA nahmen nicht teil.
- Widerstand der Siegermächte gegen eine echte Sanierung der Besiegten.
- Unzufriedenheit in einigen Ländern, die von ihren politischen Führern instrumentalisiert wurde.