Neuromuskuläre Qualitäten: Geschwindigkeit, Elastizität, Koordination, Gleichgewicht
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Geschwindigkeit
Die Geschwindigkeit. Sie ist eine kontrollierte neuromuskuläre Qualität des Nervensystems. Systemisch und funktionell ist das Nervensystem in drei Teile unterteilt: das zentrale, das periphere und das vegetative bzw. autonome Nervensystem.
Zentrales, peripheres und vegetatives Nervensystem
Das zentrale Nervensystem besteht aus Gehirn und Rückenmark. Das periphere Nervensystem besteht aus 12 Hirnnerven und 31 Spinalnerven. Das vegetative bzw. autonome Nervensystem wird in Sympathikus und Parasympathikus unterteilt.
Allgemeine Eigenschaften der Geschwindigkeit
Geschwindigkeit ist eine grundlegende physikalische Qualität, die in Abhängigkeit von Kraft, Flexibilität und intermuskulärer Koordination steht. Als neuromuskuläre Qualität hat die Geschwindigkeit eine hohe genetische Komponente.
Arten der Geschwindigkeit
Wir können über verschiedene Arten von Geschwindigkeit sprechen:
- Relative Geschwindigkeit: Sie ist eine Funktion des zurückgelegten Weges.
- Absolute Geschwindigkeit: Die maximale Fähigkeit zu handeln, unabhängig von der zurückzulegenden Distanz.
- Reaktionsgeschwindigkeit: Die Fähigkeit, auf einen Reiz zu reagieren.
- Ausführungsgeschwindigkeit: Die Fähigkeit, eine Geste oder Bewegung in kürzester Zeit auszuführen.
- Beschleunigung: Die Fähigkeit, die Geschwindigkeit zu erhöhen.
Geschwindigkeit kann zyklisch oder azyklisch sein.
Nutzung und Übertragung von Energie
Ein Satz bedeutet eine Verschiebung und erfordert das Überwinden eines Widerstands, sei es das eigene Körpergewicht oder eine zusätzliche Last. Verbesserungen im Bereich der Geschwindigkeit können über die Steigerung der Kraft erreicht werden.
Die maximale Kraft kann relativ leicht verbessert werden, wobei jedoch die Geschwindigkeit schwerer zu steigern ist. Die Verkürzungsgeschwindigkeit eines Muskels hängt von seiner Kontraktionskraft und der Größe des zu überwindenden Widerstands ab.
Eine Erhöhung des Muskelfaserdurchmessers reduziert die Arbeitsbelastung pro Zeiteinheit und ermöglicht damit schnellere Kontraktionen. Die Zunahme des Muskelquerschnitts erhöht die Anzahl der Brücken zwischen Aktin und Myosin. Eine unverhältnismäßig hohe Zunahme der Muskelmasse ist in vielen Formen explosiver Kraft nicht wünschenswert.
In Disziplinen, in denen der ganze Körper beschleunigt werden muss, ist ein geringes Gewicht im Verhältnis zur Kraft von Vorteil. Es wäre daher wünschenswert, die Kraft mit möglichst geringer Hypertrophie zu erhöhen.
Flexibilität und Elastizität
Flexibilität und Elastizität sind zwei eng miteinander verbundene, aber zu unterscheidende physikalische Eigenschaften. Flexibilität ist eine allgemeine Qualität und kann als die physische Fähigkeit definiert werden, Bewegungen mit großem Umfang auszuführen. Elastizität ist eine Muskelqualität, die es dem Körper ermöglicht, wieder in die ursprüngliche Position zurückzukehren, nachdem er durch wirkende Kräfte verformt wurde.
Beide Qualitäten sind verbunden mit der Gelenkbeweglichkeit und der intermuskulären Koordination. Alle Aktivitäten erfordern in unterschiedlichem Maße die Beweglichkeit der Gelenke sowie die Fähigkeit der Muskeln, unter maximaler Intensität und großem Umfang zu arbeiten.
Die Muskeln bestehen aus elastischem Gewebe unterschiedlicher Qualität, und die Kombination aller Muskeln bestimmt die Elastizität des Muskelsystems. Die Muskeln funktionieren nicht isoliert; bei der Flexibilität spielt die Arbeit der antagonistischen Muskeln eine wichtige Rolle.
Flexibilität ist eine Qualität, die verloren geht, wenn sie nicht ausdrücklich erhalten oder trainiert wird. Muskel- und Gelenksverletzungen führen zu Muskelschwäche und eingeschränkter Mobilität, wodurch das Risiko weiterer Schäden steigt, wenn die Flexibilität nicht wiederhergestellt wird.
Arten des Flexibilitätstrainings
Das Training der Elastizität kann nach drei Methoden erfolgen: aktiv, passiv und kinetisch.
- Aktive Methode: Die gewünschte Position wird ohne fremde Hilfe erreicht.
- Passive Methode: Ein Partner oder ein Material hilft uns, Positionen zu erreichen, die ohne fremde Hilfe nicht möglich wären.
- Kinetische Methode: Die Trägheit des Körpers oder verschiedener Materialien wird genutzt, um die Positionsgrenze zu erreichen.
Wenn ein Muskel heftigen Belastungen, etwa bei schnellen Rückprallbewegungen, ausgesetzt wird, reagiert er mit einem Reflex als Schutzmechanismus: eine reflektorische Kontraktion kann eine gewünschte Dehnung entgegenwirken. Man muss auch bedenken, dass eine erhöhte Temperatur das Dehnungsvermögen verbessert; die Temperatur steigt durch Muskelstoffwechsel und interfibrilläre Reibung.
Bevorzugt sollten dynamische Dehnungsformen angewendet werden, um die notwendige elastische Kapazität für technische Maßnahmen zu erhalten.
Koordination
Koordination. Neuromuskuläre Koordination kann als die nervöse Steuerung der Muskelkontraktionen im Zusammenspiel mit der Wahrnehmung motorischer Handlungen definiert werden. Sie steht in engem Zusammenhang mit Ermüdung und ist verantwortlich für die Ökonomie der Anstrengung in der Bewegung.
Koordinative Fähigkeiten beziehen sich auf die Kontrolle und Verarbeitung von Reizen aus verschiedenen Organen und Sinneswahrnehmungen.
Arten der Koordination
Man unterscheidet beispielsweise allgemeine dynamische Koordination und dynamische Feinabstimmung (manuelle Abstimmung):
- Allgemeine dynamische Koordination: Bewegungen, die eine gegenseitige Anpassung aller Körperteile erfordern. Diese Bewegungen werden nicht strikt vorgegeben, sondern an die aktuellen Bedürfnisse angepasst.
- Aktive Koordination: Bezieht manuelle-visuell-motorische Abstimmung ein; für die Ausführung korrekter Bewegungen ist häufig eine Entkopplung von Bewegungsketten erforderlich.
Im Lernprozess findet das Kind durch Versuche und Irrtümer die am besten geeignete Art der Ausführung, bis die Technik beherrscht wird. Bei differenzierten Bewegungen hat meist ein Körperglied eine dominierende Rolle gegenüber anderen.
Der Schwierigkeitsgrad in Koordinationsübungen wird bestimmt durch: Beteiligte Körperteile/Muskelgruppen, Ausführungsgeschwindigkeit oder Variationsbreite, Schwerpunktlage, Übungsdauer sowie durch Faktoren wie Motivation und Angst.
Gleichgewicht
Das Gleichgewicht kann als die Fähigkeit definiert werden, eine beliebige Körperposition gegen die Schwerkraft zu halten. Man unterscheidet zwischen statischem und dynamischem Gleichgewicht.
Das statische Gleichgewicht hat im Sport oft geringe Bedeutung; es bezeichnet die Fähigkeit, den Körper aufrecht zu halten, ohne Bewegung. Das dynamische Gleichgewicht ist wichtiger und umfasst Beteiligungen kinästhetischer und sensorischer Systeme.
Kinästhetische Rezeptoren befinden sich in Muskeln und Gelenken. Weitere wichtige Organe der Gleichgewichtsregulation sind die Augen und das Ohr. Aus der Ferne können visuelle Referenzen gegeben werden; das Ohr wirkt über die Bogengänge und das Vestibularorgan.
Grundlegende Punkte im Gleichgewicht
- Gravitationskräfte
- Schwerpunkt
- Stützfläche (Basis)
- Linie der Schwerkraft