Nietzsche: historisch-kultureller und philosophischer Kontext

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Nietzsche

Historisch-kultureller Kontext

Das neunzehnte Jahrhundert war von dramatischen Veränderungen durch die industrielle Revolution und den Triumph des Kapitalismus geprägt. Das Bevölkerungswachstum resultierte aus der verringerten Sterblichkeit und der erhöhten Geburtenrate sowie aus besserer Kenntnis von Krankheiten. Es gab eine theoretische Debatte, etwa die Lehre von Malthus. Zudem führte das Bevölkerungswachstum zu einer Verlagerung der Bevölkerung vom Land in die Stadt.

Die Industrielle Revolution begann in England, Frankreich und Belgien. Zusammen mit dieser Revolution gab es auch eine Agrarrevolution, die die Produktivität erhöhte und den Bedarf an Arbeitskräften in der Landwirtschaft reduzierte. Die Entwicklung führte zu zwei gegensätzlichen sozialen Gruppen: der Bourgeoisie und den Arbeitern. Die Arbeiterklasse begann, sich ihrer selbst bewusst zu werden. In London wurde die Internationale Arbeiter-Assoziation gegründet.

Auf der politischen Seite gab es den Liberalismus, eine progressive Lehre, die für Freiheit in allen Bereichen plädierte: in der wirtschaftlichen Sphäre verteidigte er das Privateigentum; politisch befürwortete er repräsentative Parlamente, jedoch oft mit beschränktem Wahlrecht (z. B. Zensuswahlrecht); intellektuell stand er für Toleranz und gegen Dogmatismus. Demgegenüber verteidigte der Traditionalismus eine konservative Lehre, die soziale und politische Legitimität auf Traditionen aufbaute. Außerdem traten neue politische Phänomene auf, wie Revolutionen, Restaurationen und das Aufkommen des Nationalismus.

Die Romantik widersetzte sich teilweise der Aufklärung. Während die aufgeklärte Vernunft empirisch, analytisch und abschließend war, galt die Romantik als idealistisch, synthetisch und offen. In der Philosophie führte dies zur Entwicklung des deutschen Idealismus. Der Positivismus erschien ebenfalls als Reaktion auf die Romantik; er orientierte sich an der experimentellen Wissenschaft und befürwortete ein Konzept wissenschaftlicher Vernunft.

Nietzsche nahm am Deutsch-Französischen Krieg (1870) teil, aus dem er eine tiefe Ablehnung des Nationalismus und eine kritische Haltung gegenüber Deutschland entwickelte.

Philosophischer Kontext

In der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts entstand eine Strömung namens Positivismus, eine Bewegung, die klare Vorläufer im britischen Empirismus, im kantischen Phänomenalismus und in der Idee des Fortschritts der Aufklärung hatte. Die wichtigsten Merkmale sind:

  • Wissenschaft als die einzig gültige Form des Wissens.
  • Kritik der Metaphysik: Alles, was über die sinnliche Erfahrung hinausgeht, gilt als ohne epistemische Gültigkeit.
  • Die Hoffnung, dass der Verzicht auf metaphysische und religiöse Werte einen unbegrenzten Fortschritt des sozialen und kulturellen Lebens der Menschheit ermöglichen würde. Ein grundlegender Faktor, der den Einfluss des Positivismus in dieser Zeit begünstigte, war die enorme Entwicklung der Wissenschaft im Allgemeinen.

Vor diesem wissenschaftlichen Hintergrund gab es eine Reihe von Theorien, die als "Lebensphilosophien" definiert werden können. Eine der wichtigsten ist die von Nietzsche.

Besondere Erwähnung verdient Arthur Schopenhauer, der einen starken Einfluss auf Nietzsche ausübte. Nietzsche entfernte sich jedoch in mancher Hinsicht von Schopenhauers Pessimismus: Schopenhauers Auffassung, dass die Verneinung des Willens und die Leugnung des Schmerzes zu einer Verneinung des Lebens führen, übernahm Nietzsche nicht eins zu eins. Vielmehr entwickelte Nietzsche eigene Konzepte, die das Leben nicht einfach negieren, sondern neu bewerten und bejahen sollten.

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