Nietzsche: Nihilismus, Übermensch und die Umwertung der Werte
Eingeordnet in Philosophie und Ethik
Geschrieben am in
Deutsch mit einer Größe von 5,06 KB
Der Nihilismus und seine Phasen
Der Nihilismus ist keine philosophische Lehre, sondern eine eigentümliche historische Bewegung der westlichen Kultur. Man unterscheidet zwischen einem negativen Nihilismus (nach dem Tod Gottes gibt es keine Werte oder einen obersten allmächtigen Gott; die Verneinung jeglichen Wertes) und einem positiven Nihilismus (Umwertung aller Werte; Steigerung der Lebenskraft).
Der Nihilismus durchläuft drei wesentliche Phasen:
- Moment des Zweifels: Die Zerstörung der bisher gültigen Werte beginnt.
- Moment der Reflexion: Die Menschen distanzieren sich von der westlichen Kultur und Tradition.
- Zeit der Neubewertung: Es entsteht eine neue Perspektive auf das Sein, die Wirklichkeit und den Menschen.
Der Mensch als Übergang zum Übermenschen
Der Mensch ist kein Ziel an sich. Er war ein jämmerliches Wesen, das die Erde und den Körper verachtete. Er ist ein Medium, um zum Übermenschen zu werden, ein Übergangswesen zwischen Tier und Übermensch. Er ist kein statisches, unbewegliches Wesen, sondern ausgestattet mit enormen kreativen Kapazitäten. Sein Wille zur Macht erlaubt es ihm, alle moralischen Werte abzulegen, denen er bisher unterworfen war.
Der Übermensch und die Ewige Wiederkehr
Der Übermensch bejaht das Leben. Sein Bewusstsein ist naturverbunden: Gut ist, was das Leben fördert; schädlich ist, was schlecht ist. Der Übermensch bejaht Hierarchien unter den Menschen: Gleichbehandlung führt nur zur moralischen Herde von Sklaven. Er lebt der Erde treu und nimmt das Leben als Experiment an (kontinuierliche Schaffung und Entwicklung von Möglichkeiten).
Die Bejahung der Ewigen Wiederkehr
Der Übermensch bejaht die Ewige Wiederkehr (aus dem Durst nach Unsterblichkeit). Das Leben ist wie ein Kreis; alle Ereignisse wiederholen sich. Diese ewige Dauer führt nicht zur Verachtung des Moments, sondern zur Notwendigkeit, das Leben so zu gestalten, dass jeder Moment es wert ist, wiederholt zu werden.
Kritik der westlichen Welt und Vitalismus
Nietzsche kritisiert die dekadente westliche Kultur, die das Leben im Gegensatz zu den Instinkten sieht und entschlossen ist, die Rationalität zu etablieren. Nietzsche übt eine fundamentale Kritik an:
- Der Moral
- Der Metaphysik (in ihrem ontologischen und erkenntnistheoretischen Aspekt)
- Den positiven Wissenschaften
Das Leben ist der Kern seiner Philosophie. Nietzsche will das Leben auf eine neue Moral gründen. Er postuliert zwei Impulse, aus denen sich die menschliche Wirklichkeit zusammensetzt:
- Das Apollinische: Repräsentiert die Werte der Vernunft, Ordnung, Kohärenz und Rationalität.
- Das Dionysische: Repräsentiert die wesentlichen Werte der überquellenden Lebensfreude, Unordnung und des Chaos.
Die griechische Tragödie harmonisierte das Apollinische und das Dionysische. Mit Sokrates und Platon begann der Niedergang, indem die apollinischen Werte über die dionysischen gestellt wurden.
Die Moral der Herren und der Sklaven
Der Hauptfehler der traditionellen Moral ist ihre Antinaturalität (sie geht gegen das Leben). Der Fokus des Menschen liegt nicht in diesem Leben, sondern in einer anderen Welt der Ideen. Dieses Jenseits schafft in uns ein Gefühl von Schuld und Groll für das Leben. Diese Moral ist nur möglich, wenn wir uns jemanden außerhalb der Welt vorstellen, der die Geschichte der Menschheit lenkt.
Nietzsche unterscheidet zwei Arten von Moral:
- Die Moral der Herren: Die Helden des Übermenschen, die das Leben und die Kraft lieben.
- Die Moral der Sklaven: Bevorzugt Werte wie Schmerz, Kleinheit und Mitleid.
Für Nietzsche haben die Schwachen die Macht der Diskretion, um ihre Stärken durchzusetzen. Um diesen Niedergang im Westen zu beenden, muss der Übermensch eingeführt werden, frei von religiöser Knechtschaft und jeglichem Dogmatismus.
Kritik der positiven Wissenschaften und der Tod Gottes
Nietzsche kritisiert die positiven Wissenschaften, weil sie versucht haben, die Realität zu mathematisieren und zu kontrollieren. Dies hilft uns, Dinge zu wissen, aber nur in einer quantitativen Beziehung.
Die Vision Gottes (transzendent und höchstes universelles Gesetz) wurde durch neue Ideen ersetzt. Der Tod Gottes ist eine Metapher, die den Tod der absoluten, unveränderlichen Wahrheiten ausdrückt. Er bedeutet den Tod des monotheistischen Gottes und des Gottes der Metaphysik.
Für Nietzsche ist die Idee Gottes das, was den Menschen daran hindert, zum Übermenschen zu werden. Gott ist der große Einwand gegen das Leben (das Leben beginnt genau dort, wo das Reich Gottes endet). Ihn zu töten, erlöst die Welt. Der Übermensch tritt an die Stelle Gottes.