Nietzsche, Politik und der Ursprung der Gesellschaft
Nietzsches Übermensch
Nietzsches Philosophie wird als der Weg vom Mythos zur Wahrheit über den Grund verstanden. In seinem Werk beschreibt er den Angriff von Sokrates und Platon als den Sieg des Apollinischen über das Dionysische. Für Nietzsche inszenierte die griechische Tragödie eine perfekte Balance zwischen diesen beiden gegensätzlichen Kräften.
Nach dem „Tod Gottes“ kündigt sich die Ankunft von Nietzsches Übermensch an – frei von Gott und der Wissenschaft als dessen Nachfolger. Er wird als eine Art Mensch vorgestellt, der als Schöpfer neuer, lebensbejahender Werte fungiert.
Politisches Ideal und antike Theorie
Politische Theorie in Griechenland
Der Mensch ist von Natur aus ein soziales Wesen. Die soziale Natur des Menschen wurde im antiken Griechenland nicht negativ interpretiert. „Das Gemeinwohl steht über dem Wohl des Einzelnen.“ Das tugendhafte Leben muss ein Leben in der Gesellschaft sein.
Mittelalter und Renaissance
Thomas von Aquin unterstützte die grundlegenden Lehren der griechischen politischen Theorie. In der Renaissance konzentrierten sich philosophische Fragen zur Politik auf instrumentelle Aspekte. Doch die Idee des Gemeinwohls findet sich immer noch bei den großen Autoren der Renaissance.
Politische Philosophie in der Neuzeit
Die Philosophie dieser Zeit vollzieht eine Trennung des politischen Raums von anderen Bereichen wie Moral und Theologie. Diese Trennung führte zur Theorie des Gesellschaftsvertrags, die sich das gesellschaftliche Leben als Übereinkunft zwischen den Menschen vorstellt. Durch diesen Prozess wich die absolute Monarchie der parlamentarischen Regierungsform.
Thomas Hobbes
Hobbes argumentiert, dass der Ursprung des gesellschaftlichen Lebens der natürliche menschliche Egoismus ist. Seine Vision drückt sich in der Erklärung aus, dass der Mensch dem Menschen ein Wolf ist (Homo homini lupus). Diese Situation erfordert einen Vertrag, damit der Egoismus nicht in Selbstzerstörung endet. Hobbes hofft, dass der Monarch die Einhaltung dieser Verpflichtung gewährleistet.
John Locke
Locke argumentiert, dass die Gesellschaft das Ergebnis eines Bundes zwischen den Menschen ist. Im Naturzustand lebt der Mensch in Freiheit und Gleichheit mit zwei Rechten: dem Recht auf Privateigentum und dem Recht zu bestrafen. Die Lösung ist der Bund, mit dem jeder auf die Macht zu bestrafen verzichtet und diese an eine legitime Gewalt überträgt, um das Recht auf Privateigentum zu schützen. Locke plädiert ferner für die Gewaltenteilung (Legislative, Exekutive und Judikative), die in modernen demokratischen Systemen unerlässlich ist.
Theorien über den Ursprung der Gesellschaft
Die Erklärungen über den Ursprung der Gesellschaft werden in drei Typen unterteilt:
- Sozialität: Die Thesen von Aristoteles und Thomas von Aquin.
- Kontraktualismus: Die Theorien von Hobbes und Locke.
- Naturalistische Theorien: Autoren wie Hegel und Marx argumentieren, dass die Gesellschaft Vorrang vor dem Individuum hat.
Ethik, Politik und Freiheit
Als Determinismus bezeichnet man die philosophische These, welche die Willensfreiheit leugnet. Man ist bestimmt, auf eine gewisse Weise zu handeln. Die Analyse der verschiedenen Arten des Determinismus bietet ein doppeltes Interesse:
- Die Frage, ob Freiheit real oder nur scheinbar ist.
- Die Aufzeigung, wie Freiheit im Laufe der Jahrhunderte verstanden wurde.
Arten des Determinismus
Theologischer Determinismus
Im Mittelalter wurde die Entscheidungsfreiheit angesichts der Existenz Gottes hinterfragt. Alles ist im göttlichen Wissen vorgezeichnet – nicht nur das Handeln der Menschen, sondern auch ihre endgültige Bestimmung.
Physikalischer Determinismus
Die moderne Wissenschaft präsentiert sich als plausible Antwort auf die Welt. Sie ist mechanistisch: Jede Tatsache ist auf physikalische Größen reduzierbar, und das Universum ist durch Gesetze erklärbar. Laplace formulierte diesen Determinismus mit der Behauptung, dass ein Geist, der alle Naturgesetze kennte, das gesamte Universum erklären könnte.
Biopsychologischer und soziokultureller Determinismus
In der heutigen Welt gibt es drei Hauptthesen:
- Pawlow (Biologisch): Der Mensch ist durch sein genetisches Erbe determiniert.
- Durkheim (Sozial): Der Einfluss der sozialen Gruppe ist entscheidend für das Menschsein.
- Skinner (Pädagogisch): Der Mensch ist das Produkt der Erziehung in der Kindheit.