Nietzsche: Sprache, Wirklichkeit, Moral und Nihilismus
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Sprache
Sprache: Philosophinnen und Philosophen erkennen die Welt und stellen die wahre Realität durch gemeinsame Sprache dar. Sie formen sie durch eine konkrete Sprache; Konzepte sind begriffliche Bezeichnungen. Sie bezeichnen Klassen von Dingen oder Erfahrungen, abgesehen von den Einzelfällen. Jeder Begriff abstrahiert von individuellen Fällen und verwendet dabei unterschiedliche Kriterien. Die Vorstellung, dass Wirklichkeit aus identischen Fällen zusammengesetzt und universal unveränderlich sei, ist weit verbreitet. Nietzsche betont jedoch, dass sich die Realität des Lebens nicht vollständig ausdrücken lässt: Sie ist Wandel und Transformation. Begriffliche Fixierungen verzerren die Wirklichkeit, weil sie die Erfahrung des Einzelnen und das Fremde in starre, materielle und kurzlebige Kategorien zwängen. Begriffliche Sprache ist eine menschliche Konstruktion, geschaffen, um eine stets sich wandelnde Realität zu verstehen; dadurch entgeht sie der Illusion eines endgültigen und einzigartigen Sinnes.
Welt versus wahre Welt
Welt versus wahre Welt — Die meisten Philosophen der Tradition haben eine offensichtliche, durch die Sinne irreführende Unterscheidung geliefert: Sie postulierten eine wahre, zugrunde liegende Welt. Für Nietzsche gibt es stattdessen die einzige Welt des Werdens, den ständigen Fluss der Ereignisse, eine Welt, die sich bei jeder Gelegenheit anders zeigt und mitunter unvereinbar erscheint. Erscheinungen sind eine der Formen der Wirklichkeit. Im Gegensatz dazu haben die Philosophiegeschichte und das Christentum eine reale Welt postuliert: eine durch die Vernunft zugängliche und verständliche Welt von Festem und Ewigem. Für Nietzsche ist diese reale Welt fiktiv — eine menschliche Konstruktion, eine metaphysische Scheinwelt mit falschen Göttern, durch die sich Menschen selbst täuschen, weil sie dem Werden nicht widerstehen können.
Natürliche versus unnatürliche Moral
Natürliche vs. unnatürliche Moral: Für Nietzsche ist das einzige gültige Kriterium zur Unterscheidung von gut und schlecht das Leben selbst: Das Gute fördert das Leben, seine Gesundheit, seine Kraft und seine Intensität. Daraus ergibt sich ein gesundes, natürliches Sittengesetz: Eine gesunde Ethik erkennt, dass unsere Impulse nicht einfach als gefährlich zu unterdrücken sind, sondern als Energiequellen für Kreativität, Kraft und Lebenssteigerung dienen. Unnatürliche Moral hingegen dämpft diese Energie, behandelt Impulse als Bedrohung und führt so zu einem Leben, das weniger erfüllt und weniger zufrieden wirkt.
Nihilismus
Nihilismus: Die westliche Kultur ist krank, und diese Krankheit nennt Nietzsche Nihilismus. Ursache ist die Entdeckung, dass die verehrten Idole falsche Fetische waren. Daraufhin verliert man den Glauben an Gewohntes und treibt ziellos in eine Sinnleere. Werte verlieren an Halt, Pessimismus greift um sich, und die großen traditionellen Werte zerfallen. Dies ist der Moment der Götzen-Dämmerung, in dem betrogener und passiver Nihilismus dominieren.
Nietzsche reagiert mit einem aktiven Nihilismus: Der alte Wertebau muss vollständig gestürzt werden; erst danach gilt es, den passiven Nihilismus zu überwinden, indem neue Werte geschaffen werden. Diese neuen Werte sollen aus dem Leib und den Instinkten entstehen, um eine neue Form des Menschen zu ermöglichen, die sich deutlich von der heutigen unterscheidet.
- Sturz der alten Werte
- Bewältigung des passiven Nihilismus
- Schöpfung neuer Werte aus Körper und Instinkt
- Formung einer neuen Menschheit