Nietzsche Studienführer: Kritik, Moral und Interpretation
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1) Welche Schwierigkeiten ergeben sich bei der Interpretation von Nietzsches Werk?
Sein Einfluss war ungleichmäßig und widersprüchlich, nie von einheitlichem Charakter. Seine besondere Ausdrucksform trägt zu dieser Komplexität bei, da die metaphorische Natur seiner Aphorismen oft unterschiedliche Interpretationen zulässt. Darüber hinaus finden wir in seinen Werken häufig widersprüchliche Aphorismen, was es schwierig macht, seine genaue Position zu einem bestimmten Thema zu bestimmen.
2) Gemeinsamkeiten zwischen Nietzsche und Marx
Marx' Reaktion gegen den Idealismus führt ihn zur Identifizierung des Subjekts mit dem Bewusstsein. Er verbleibt in der philosophischen Tradition der Moderne, die die zentrale Bedeutung des Subjekts in der Philosophie bekräftigt. Dies geht einher mit der Ablehnung der bloßen Klage zugunsten der Praxis.
Praxis ist eine produktive Tätigkeit, in der der Mensch die Wirklichkeit – seine eigene und die Welt – schafft, darstellt, objektiv transformiert und verändert.
3) Wogegen richtet sich Nietzsches Kritik?
Nietzsche prangert die Heuchelei an und wendet sich gegen die Mitläuferschaft der Massen. Er ist gegen Vorurteile und Mittelmäßigkeit. Er kritisiert Institutionen und Organe, insbesondere jene, deren Moral die Vitalität des Menschen hemmt.
4) Nietzsches Kritik der platonisch-christlichen Moral
Nietzsche sieht die platonisch-christliche Moral als unnatürlich und gegen die Lebensinteressen gerichtet. Ihr Schwerpunkt liegt nicht in dieser Welt, sondern im Jenseits (sei es in der Realität oder in der übernatürlichen Welt des Christentums).
Diese transzendente Moral dreht sich nicht um den Menschen, sondern um Gott. Sie fordert eine allgemeine Ablehnung des Lebens – der wahren Realität des Menschen – zugunsten einer Illusion, die durch Ressentiment gegen das Leben erzeugt wird.
Nietzsche unterscheidet zwischen der Moral der edlen Ordnung und der Sklavenmoral.
5) Kritik am traditionellen metaphysischen Wissen
Nietzsche kritisiert das Wissen der traditionellen platonisch-christlichen Metaphysik, insbesondere die begriffliche Erkenntnis.
Diese Erkenntnis entspricht einer unveränderlichen Realität und einer ebenso unveränderlichen Wahrheit. Nietzsche argumentiert, dass das Konzept die Wirklichkeit, wie sie gemeint ist, nicht erfassen kann. Das Konzept hat zwar einen repräsentativen Wert, aber die Realität ist Wandel.
Der Wandel kann nicht durch das Konzept dargestellt werden, dessen Natur das Wesen (das Unveränderliche, das nicht geworden ist, das sich nicht ändert) darstellt – das, was bleibt, identisch mit sich selbst, außerhalb der Zeit.
6) Die drei Stadien der moralischen Transformation
Die neue moralische Transformation:
- Das Kamel: Der Mensch, der alle westlichen Werte trägt und gehorcht (der Lastenträger).
- Der Löwe: Sagt „Ich will“ und sucht die Freiheit, indem er die alten Werte ablehnt.
- Das Kind: Beginnt den Aufbau von etwas Neuem, jenseits der gesehenen Heuchelei (der Schöpfer).