Offenbarte und natürliche Religion (Rousseau)

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Offenbarte und natürliche Religion

Offenbarte Religion und die natürliche Religion

Die Offenbarung ist eine göttliche Manifestation: Gott offenbart dem Menschen verborgene Wahrheiten und das Heilige. Gott schafft den Dekalog; er offenbart seinen Willen für den Menschen. Alle Religionen, die auf irgendeiner Art von Offenbarung beruhen (im Folgenden RV), wie etwa der Islam und das Christentum, basieren auf dieser Idee.

Rousseau: Partikularismus und seine Folgen

Rousseau beschreibt Merkmale der offenbarten Religion (RV). Eines dieser Merkmale ist der Partikularismus: ein immanentes Element, das den Ausdruck der Religion prägt. Partikularismus ist das Gegenteil von Universalität und steht im Gegensatz zur natürlichen Religion (RN). Er betont die Bedeutung volkstümlicher Elemente und zeremonieller Praktiken und unterstreicht, dass es unmöglich ist, Tugend und Glück aller Beteiligten zu gewährleisten, wenn man nur die kulturellen Zugehörigkeiten berücksichtigt.

Wie Rousseau im Text darlegt, führt Unwissenheit bisweilen zu Verurteilung und zu unwillkürlichem, leidvollem Verhalten gegenüber dem Subjekt. Partikularismus ist mit einem bestimmten intellektualistischen Begriff von Tugend verbunden. Darüber hinaus gehen Partikularismus oft einher mit Ethnozentrismus, Bigotterie und Intoleranz.

  • Ethnozentrismus: Die eigene Kultur wird als notwendiger Bezugspunkt gesehen und als unbezweifelbar überlegen beschrieben.
  • Bigotterie und Intoleranz: Sie betonen zeremonielle Unterschiede und überspielen gemeinsame Elemente verschiedener Offenbarungen.

Dies erklärt die starke Verbindung zwischen verschiedenen Formen der offenbarten Religion und bigotten, intoleranten Haltungen. Infolge der gegensätzlichen Elemente in allen Formen der Offenbarung wird geprüft, ob ein Glaubenssystem gleiche, absolute und unbestreitbare Wahrheiten beansprucht und andere Auffassungen als Irrlehren verurteilt oder gar strafrechtlich verfolgt.

Toleranz und die richtige Haltung der Gläubigen

Toleranz hebt hervor, dass Gemeinsamkeiten zwischen den verschiedenen Glaubensrichtungen bestehen können. Diese Gemeinsamkeiten lassen sich nur erreichen, wenn die Gläubigen die richtige Haltung einnehmen: nicht die anarchische Annahme aller Dogmen, sondern eine aufrichtige, vernünftige Offenheit gegenüber dem universellen Kern religiöser Lehren.

Offensichtlich steht fanatisches Denken hinter vielen religiösen Konflikten. Dabei haben gerade manche monotheistischen Traditionen Formen des Fanatismus hervorgebracht, die sich in ihrem Gewicht und Ausdruck von dem unterscheiden, was wir in manchen heidnischen Religionen beobachten. Die offenbare Religion (RV) beruht auf einer bestimmten übernatürlichen Offenbarung und findet ihren Ausdruck in heiligen Büchern.

Natürliche Religion, Universalismus und Moral

Die natürliche Religion (RN) beabsichtigt, Intoleranz zu überwinden; sie sieht Intoleranz als direkte Folge fanatischer Auslegungen der offenbarten Religion. Die natürliche Religion versucht, eine Reihe gemeinsamer Elemente zu retten und dem entgegenzuhalten, was zu einengenden Vorstellungen führt. Zu diesen Begriffen gehören Universalität, kultureller Relativismus und Toleranz.

Für Rousseau bezieht sich ein einheitlicher Gottesdienst auf eine universelle Religion. Ein solcher Kult beseitigt alle Arten von Vermittlern zwischen Mensch und Gott. Gegenfundamentalistische Auffassungen betonen in diesem Zusammenhang die Notwendigkeit des lauten Gebets und der direkten Beziehung zu Gott. Die natürliche Religion betont die Autonomie des Gewissens gegenüber Sklaverei und willkürlichen Ritualen, die von Offenbarungen vorgeschrieben werden können.

Wenn wir gemeinsame Elemente verschiedener Offenbarungen suchen, ist es notwendig, diese Aspekte im jeweiligen Kulturkreis zu betrachten. Nur wenn wir uns die Mühe machen, diese gemeinsamen Elemente zu identifizieren, können wir Brücken zwischen unterschiedlichen Formen der Offenbarung bauen. So legt die natürliche Religion nahe, dass das Wesen der Religion etwas ist, das sich von spezifischen kulturellen Elementen und den jeweiligen Umständen unterscheiden lässt.

Die Tatsache, dass Rousseau ein kultureller Relativist ist, sollte uns nicht denken lassen, er sei ein moralischer Relativist. Der moralische Relativismus behauptet, es könne keinen universellen Verhaltenskodex geben, der für alle Menschen gilt. Rousseau schätzt das kulturelle Erbe, sagt aber zugleich, dass dies nicht ausreiche, um moralische Werte zu relativieren. Das Bewusstsein ist fähig, auch höhere Prinzipien zu erkennen, die über das hinausgehen, was wir in der Kindheit gelernt haben. Das Gewissen ist ein Prinzip, das über die eigene Kultur hinausreicht.

Der moralische Universalismus der natürlichen Religion nimmt gemeinsame Elemente der Offenbarung als einen Verhaltenskodex für alle Menschen an. Die heiligen Bücher sollten nicht in erster Linie theoretische Ausstellungen sein; sie dienen vielmehr als Quelle für Deutung und Erklärung der Welt. Wesentlich ist die Überlieferung jener Vorschriften, die Tugend und Glück sicherstellen.

Dies ist die unmittelbare Folge eines friedlichen und toleranten Zusammenlebens zwischen verschiedenen Konfessionen; sie erfordert eine klare Trennung zwischen Kirche und Staat. Die natürliche Religion als universelle Form der Religion, die für alle Menschen gedacht ist, akzeptiert die Existenz Gottes und die Möglichkeit, tugendhaft und glücklich zu sein. Ihre Fundamente liegen im Bewusstsein und im inneren Gefühl. Erforderlich ist, eine universelle Religion zu bewahren.

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