Öffentliche Gesundheit: Grundlagen und Prävention
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Health Promotion: Das Gesundheitswesen
Item 1: Grundlagen der öffentlichen Gesundheit
1) Der Begriff der öffentlichen Gesundheit
Die öffentliche Gesundheit ist ein wesentlicher Teil des Gesundheitssystems. Wir definieren sie als den organisatorischen Aufwand der Gemeinschaft, um die Gesundheit der Bevölkerung zu erhalten, zu pflegen und zu verbessern.
Aktivitäten des Gesundheitssystems:
- Gesundheitsförderung und Interessenvertretung: Maßnahmen zur Sauberhaltung der Umwelt und Lebensmittelhygiene.
- Aktionen auf Personen: Maßnahmen, die sowohl das Kollektiv als auch Einzelpersonen betreffen.
- Wiederherstellung der Gesundheit: Grundversorgung und Krankenhausversorgung.
Diese Maßnahmen gelten für vielfältige Themen wie die Verhütung berufsbedingter Gefahren, Kinderimpfungen, die Standortwahl von Deponien oder die Vereinigung zur Bekämpfung von AIDS.
Merkmale der öffentlichen Gesundheit:
- Es handelt sich um einen gesellschaftlichen Gesundheitsansatz.
- Sie berücksichtigt die Beziehung zwischen Mensch, Umweltfaktoren und dem persönlichen Status jedes Einzelnen.
- Sie ist multidisziplinär und baut auf Fortschritten in der Anthropologie, Demografie, Ökologie, Ökonomie, Epidemiologie, Physik, Ingenieurwissenschaften, Mathematik, Medizin, Psychologie, Chemie und Soziologie auf.
2) Gesundheit und Krankheit
Krankheit wird oft als das subjektive Empfinden oder die objektive Präsenz physischer oder psychischer Beeinträchtigungen definiert. Die Definition von Gesundheit als bloße „Abwesenheit von Krankheit“ greift zu kurz. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert Gesundheit als einen Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur das Fehlen von Krankheiten oder Gebrechen.
Diese Definition umfasst die körperlichen, geistigen und sozialen Bereiche sowie die Funktionsfähigkeit im Alltag (Arbeit, Studium, soziale Teilhabe). Der Übergang zwischen Gesundheit und Krankheit ist nicht kategorisch, sondern ein fließender Prozess zwischen absolutem Wohlbefinden und dem Tod. Es gibt einen neutralen Bereich, in dem nicht eindeutig bestimmt werden kann, was normal ist. Der Gesundheitszustand ist dynamisch: Im Laufe des Lebens bewegen wir uns auf einem Kontinuum zwischen Gesundheit und Krankheit.
3) Der natürliche Verlauf der Erkrankung
Der Übergang von Gesundheit zu Krankheit verläuft in Phasen. Krankheitserreger wirken auf eine gesunde Person ein, wodurch das Gleichgewicht verloren geht. Zunächst gibt es eine asymptomatische Phase ohne erkennbare Symptome. Danach treten erste Symptome auf, bis man sich schließlich krank genug fühlt, um Hilfe zu suchen. Der Prozess kann mit einer vollständigen Heilung, chronischen Folgeschäden oder dem Tod enden.
Zyklus: Gesundheit → Erregerkontakt → asymptomatische Phase → erste Symptome → Krankheit → Ausgang (Heilung, Folgen, Chronizität oder Tod).
4) Determinanten der Gesundheit
Krankheiten haben oft multiple Ursachen. Nicht jeder Mensch erkrankt bei Kontakt mit demselben Keim gleichermaßen. Das Auftreten hängt ab von:
- Hauptursachen: Die Aggressivität der Mikroben bei einer Infektion.
- Prädisponierende Ursachen: Faktoren, die die Primärursache begünstigen (z. B. Unterernährung, die das Immunsystem schwächt).
- Auslösende Faktoren (Trigger).
Klassifikation der Krankheitsursachen:
4.1) Humanbiologie
- Genetische Informationen: Einige Krankheiten sind geschlechtsspezifisch (z. B. Osteoporose bei Frauen, Haarausfall oder Myokardinfarkt bei Männern). Genetische Faktoren können Krankheiten wie Hämophilie oder Blindheit verursachen oder Prädispositionen für Diabetes, Fettleibigkeit und Bluthochdruck schaffen.
- Alter: Es gibt typische Kinderkrankheiten, Krankheiten junger Menschen (z. B. Schizophrenie) und Alterserscheinungen, die unsere Fähigkeiten allmählich verschlechtern.
4.2) Umweltfaktoren
Kontaminiertes Wasser, Boden, Luft und Lebensmittel erhöhen die Morbidität und Mortalität.
- Physikalische Kontamination: Staub, Rauch, Strahlung, Lärm und Abfälle.
- Chemische Verunreinigung: Blei, Quecksilber, Arsen, Pestizide und Zusatzstoffe.
- Biologische Verschmutzung: Bakterien, Viren, Pilze, Pollen usw.
- Soziales Umfeld: Psychische Einflüsse, wirtschaftliche Faktoren und Stress durch Urbanisierung und Verkehr.
4.3) Lebensstil
Dieser Faktor ist für etwa 40 % der Todesfälle verantwortlich.
- Drogenkonsum: Legale Drogen (Tabak, Alkohol) und illegale Drogen. Rauchen ist eine der Haupttodesursachen. Alkoholkonsum ist in der Gesellschaft oft riskant verbreitet.
- Mangel an körperlicher Aktivität: Fördert Arthrose, Arteriosklerose und Übergewicht. Nur ein geringer Prozentsatz der Bevölkerung treibt regelmäßig Sport.
- Ernährung: Fehlernährung durch zu viel Fett, Zucker und Eiweiß oder Vitaminmangel.
- Gewalt und rücksichtsloses Fahren: Manifestiert sich in Unfällen, Mord oder Selbstmord.
- Unangemessene Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen: Missbrauch von Medikamenten oder das Versäumen von Vorsorgeuntersuchungen.
4.4) Das Gesundheitssystem
- Zugang (Coverage): Fehlender Zugang verschlechtert den Krankheitsverlauf.
- Kosten: Finanzielle Hürden können die Inanspruchnahme verhindern.
- Qualität: Die Wirksamkeit der Dienstleistung ist entscheidend. Trotz der Bedeutung von Prävention fließt der Großteil der Mittel weiterhin in die kurative Versorgung.
5) Gesundheitliche Ungleichheiten
Gesundheit und wirtschaftliche Entwicklung sind eng verknüpft. Einkommen ermöglicht den Zugang zu Wohnraum, Bildung, Hygiene und Gesundheitsversorgung. Armut und Krankheit bilden oft einen Teufelskreis, besonders in der Dritten Welt, aber auch bei marginalisierten Gruppen in Industrienationen (Vierte Welt).
- In armen Regionen: Vorherrschaft von Infektionskrankheiten, Mangelernährung und Komplikationen bei Geburten.
- In reichen Regionen: Krankheiten durch Lebensstilfaktoren, chemische Einflüsse und Alterung.
6) Prävention
Prävention basiert auf dem Grundsatz, dass Vorbeugen wirksamer ist als Heilen. Sie umfasst Maßnahmen zur Verringerung der Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung oder zur Verlangsamung ihres Fortschreitens.
6.1) Primärprävention
Ziel ist es, das Auftreten einer Krankheit zu verhindern, indem Krankheitserreger eliminiert oder Kontakte vermieden werden (z. B. durch Hygiene, Impfungen, Arbeitsschutz vor Strahlung/Lärm und Gesundheitserziehung).
6.2) Sekundärprävention
Hier geht es um die Früherkennung (Screening), um Krankheiten im Frühstadium zu stoppen oder zu verlangsamen. Dies ist besonders bei chronischen Krankheiten wichtig, die lange symptomfrei bleiben. Eingesetzt werden medizinische Untersuchungen, Tests (biochemisch, radiologisch etc.) und Warnsignale.
6.3) Tertiärprävention
Maßnahmen, die das Fortschreiten einer bestehenden Krankheit zu Invalidität oder Tod verhindern. Beispiele sind die Rehabilitation nach einem Schlaganfall oder die Schulung von Diabetikern zur Selbstpflege. Ziel ist die Resozialisierung und die Hilfe zur Selbsthilfe. In modernen Industriegesellschaften ist das menschliche Verhalten die wichtigste Determinante für die Gesundheit.