Ökologie, Ressourcen und Entwicklung: Überblick

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1. Natürliche Ressourcen

1. Natürliche Ressourcen: Eine Reihe von Gütern und Leistungen, die aus der physischen Umwelt stammen und die biologischen oder sozialen Bedürfnisse der Menschheit befriedigen.

1.1 Kategorien von Ressourcen

  • Erneuerbare Ressourcen: Ressourcen, die sich regenerieren können, sofern sie nicht übernutzt werden (z. B. Wasser, Fischbestände, Wälder).
  • Nicht erneuerbare Ressourcen: Ressourcen, die sich praktisch nicht in menschlichen Zeiträumen erneuern (z. B. fossile Brennstoffe wie Kohle, Erdöl, Erdgas).
  • Verbrauchsmaterial: Fossile Brennstoffe sind typische Verbrauchsmaterialien.
  • Ersetzbare nichtmetallische Mineralien: z. B. Kies, Glas, Ton, Sand.
  • Recyclingfähigkeit: Viele metallische Mineralien sind gut recycelbar.

1.2 Bedeutung und Probleme

Diese Ressourcen sind für die Energieversorgung und die industrielle Produktion von zentraler Bedeutung. Fossile Brennstoffe sind derzeit die wichtigsten Energieträger, doch sie sind nicht regenerativ, sehr umweltschädlich und tragen erheblich zum Treibhauseffekt und saurem Regen bei. Geographisch sind fossile Ressourcen oft in bestimmten Regionen konzentriert (z. B. Erdölvorkommen im Nahen Osten). Industrieländer sind stark von diesen Ressourcen abhängig, was die Entwicklung alternativer Energien erforderlich macht.

1.3 Alternative Energien und Debatten

Zu den wichtigsten Alternativenergien zählen Windkraft, Solarenergie, Biomasse, Gezeitenkraft und Wasserkraft. Diese Energien gelten grundsätzlich als sauberer und vielfach regenerativ. Die Kernenergie ist umstritten: sie erzeugt große Energiemengen, birgt jedoch Sicherheitsrisiken und produziert gefährliche und langlebige radioaktive Abfälle.

2. Biodiversität und Naturgefahren

2.1 Biodiversität

Biodiversität bezeichnet die Vielfalt an Tier- und Pflanzenarten. Die Artenvielfalt ist nicht überall gleich verteilt; sie ist besonders hoch in äquatorialen Wäldern (Amazonas, Kongo, Indonesien), die erhöhten Risiken ausgesetzt sind und ökologisch von entscheidender Bedeutung sind.

  • Ursachen des Verlusts: Abholzung, Monokulturen und Plantagen multinationaler Unternehmen.
  • Viele arme Bauern sind gezwungen, Teile des Dschungels abzubrennen, um Ackerland zu gewinnen und zu überleben.

Die biologische Vielfalt ist vor allem für die Bevölkerungen in Entwicklungsländern eine wichtige Ressource und spielt auch für die Pharmaindustrie und die Klimaregulierung eine große Rolle. Der Verlust an Biodiversität ist bisher beispiellos und hängt mit hohem Konsum in reichen Ländern sowie dem starken Wirtschaftswachstum in Bevölkerungsräumen wie Indien und China zusammen. Ein weiterer Faktor ist der vom Menschen verursachte Klimawandel.

2.2 Naturphänomene und Naturgefahren

Man muss zwischen natürlichen Phänomenen und natürlichen Risiken unterscheiden: Ein Phänomen (z. B. Erdbeben, starke Regenfälle) wird erst dann zu einem Risiko, wenn es Menschen oder deren Eigentum betrifft. Menschliche Aktivitäten können natürliche Katastrophen verschärfen, z. B. durch Abholzung, Bodenerosion durch Wind und Regen oder Überschwemmungen durch Veränderung natürlicher Wasserläufe.

  • Bau, Urbanisierung und Infrastruktur in natürlichen Wasserläufen erhöhen das Schadenspotenzial.
  • Der Klimawandel beeinflusst die Häufigkeit und Intensität seltener Phänomene (z. B. Dürren).

3. Wirtschaft, Entwicklung und Messgrößen

3.1 Bruttoinlandsprodukt und seine Grenzen

Wirtschaftswachstum und der Reichtum eines Landes werden häufig durch das Bruttoinlandsprodukt (BIP) gemessen, den Geldwert aller in einem Jahr im Land produzierten Güter und Dienstleistungen. Oft wird das BIP pro Kopf (geteilt durch die Bevölkerung) betrachtet.

Probleme des BIP als Wohlstandsmaß:

  • Es erfasst nicht soziale Ungleichheiten.
  • Es ignoriert Subsistenzwirtschaften.
  • Es berücksichtigt unbezahlte Arbeit nicht.

3.2 Alternative Indikatoren

Es gibt zahlreiche alternative Messgrößen für die Entwicklung eines Landes. Weit verbreitete Indikatoren sind zum Beispiel die unter-5-Mortalitätsrate (U5MR), die von UNICEF verwendet wird und Aufschluss über Ernährungs- und Gesundheitszustände gibt.

3.3 Human Development Index (HDI)

Der Human Development Index (HDI) ist ein Maß, das vom UNDP (United Nations Development Programme) erstellt wird und die Entwicklung eines Landes auf einer Skala von 0 bis 1 bewertet. Reiche Länder erreichen Werte über ca. 0,8; die Mittleren liegen zwischen etwa 0,6 und 0,8; Werte um 0,5 gelten als niedrig.

Der HDI wird anhand von drei Dimensionen gemessen:

  1. Gesundheit: Lebenserwartung.
  2. Bildung: Analphabetenrate und durchschnittliche Schuljahre.
  3. Lebensstandard: BIP pro Kopf, angepasst an Kaufkraftparitäten (PPP).

3.4 Armut

Armut wird in verschiedenen Formen betrachtet. Die UN definiert absolute Armut als das Fehlen grundlegender Bedürfnisse. Zu den Grundbedürfnissen zählen:

  • Nahrung
  • Gesundheit
  • Zugang zu medizinischer Versorgung
  • Wohnung und angemessene Kleidung
  • Zugang zu Bildung

Absolute Armut ist besonders in unterentwickelten Ländern und vor allem in Subsahara-Afrika verbreitet, kommt aber auch in anderen Weltregionen vor.

4. Demographie und Bevölkerung

4.1 Demographische Grundlagen

Nach 1973 begann in vielen Regionen ein Rückgang des Bevölkerungswachstums aufgrund sinkender Geburtenraten.

Begriffsdefinitionen:

  • Geburtenzahl (Natalität): Anzahl der in einem Gebiet in einem Jahr geborenen Kinder; die Geburtenrate ist das Verhältnis der Geburten zur Gesamtbevölkerung.
  • Sterblichkeit: Zahl der Todesfälle in einem Gebiet in einem Jahr; die Sterberate ist das Verhältnis der Todesfälle zur Bevölkerung.
  • Vegetatives Wachstum: Differenz zwischen Geburten und Todesfällen im Jahr.
  • Migration: Veränderung der Bevölkerung eines Gebiets durch Wohnsitzwechsel. Emigration bezeichnet das Verlassen, Immigration das Zuziehen; der Saldo ist die Differenz zwischen Ein- und Auswanderung.

Das gesamte Bevölkerungswachstum ergibt sich aus natürlicher Vermehrung plus Nettomigration. Die zur Reproduktion einer Bevölkerung notwendige Fertilitätsrate liegt bei etwa 2,1 Kindern pro Frau.

4.2 Aktuelle Trends

Das höchste Bevölkerungswachstum findet derzeit in armen Ländern statt, insbesondere in Subsahara-Afrika; auch in Zentralasien und im südlichen Afrika gibt es hohe Raten. Osteuropa ist die einzige Region, die Bevölkerung verliert, während in anderen Teilen Europas, Afrikas und Asiens die Bevölkerung zunimmt.

Arme Länder haben in der Regel eine junge Bevölkerungsstruktur mit vielen Kindern. Nachteile hoher Geburtenraten sind:

  • Probleme bei der Schaffung von Arbeitsplätzen
  • Soziale Probleme
  • Notwendigkeit zum Ausbau der Infrastruktur
  • Migration (Auswanderung) und die Belastung durch Alterssicherung
  • Finanzielle Belastung für Familien
  • Frauen haben oft wenige Rechte und können nicht frei über Kinderanzahl entscheiden
  • Frühe Eheschließungen
  • Hohe Kindersterblichkeit

Ein Rückgang der Sterblichkeit ist häufig Folge medizinischer Fortschritte und verbesserter Hygiene, trotzdem bleibt die Lebenserwartung in vielen armen Ländern deutlich niedriger als in reichen Ländern.

4.3 Bevölkerungsentwicklung in Entwicklungs- vs. Industrieländern

In entwickelten Ländern wächst die Bevölkerung kaum oder gar nicht. Gründe hierfür sind:

  • Niedrige Geburtenraten (Kosten der Kinder, fehlende finanzielle Anreize)
  • Staatliche Rentensysteme, die die Rolle der Kinder für die Altersversorgung verringern
  • Frauenbefreiung und Erwerbsarbeit, wodurch Familienplanung leichter wird
  • Geringe Sterblichkeit dank sehr guter Lebensbedingungen und Hygiene

In der Regel sind die Emigranten meist junge Menschen aus Entwicklungsländern, während die Industrieländer oft ältere Bevölkerungen haben und Zuwanderer aufnehmen.

5. Urbanisierung

5.1 Formen und Ursachen

Urbanisierung bezeichnet die Zunahme der städtischen Bevölkerung, der Größe der Städte und die Ausdehnung städtischer Lebensformen. Es gibt zwei hauptsächliche Muster:

  1. Reiche Länder: Hatten im 20. Jahrhundert starkes Wachstum, heute meist kaum noch Wachstum oder sogar Bevölkerungsverluste; diese Entwicklung ist oft mit bereits erfolgter Industrialisierung verbunden.
  2. Arme Länder: Erleben aktuelles, oft sehr rapides Wachstum besonders in Küstenstädten; Gründe sind natürliches Bevölkerungswachstum und Landflucht armer Bauern in ländlichen Gebieten.

5.2 Folgen der schnellen Urbanisierung

Das rasche Wachstum führt häufig zur Entstehung von Slums und Elendsvierteln (unterversorgte Hüttenviertel ohne ausreichende sanitäre Einrichtungen), in denen es oft große Gewaltprobleme gibt. Gleichzeitig entstehen in unmittelbarer Nähe manchmal extrem luxuriöse, sichere und häufig bewachte Wohnanlagen.

6. Globalisierung und Weltwirtschaft

6.1 Merkmale der Globalisierung

Wir leben in einer wirtschaftlich globalisierten Welt, in der Unternehmen weltweit im Wettbewerb stehen. Charakteristische Merkmale sind:

  • Dominanz kapitalistischer Wirtschaftssysteme.
  • Wachsende Verflechtung aller Produktionssysteme.
  • Abnehmende staatliche Kontrolle über die Wirtschaft, da nationale Ökonomien zunehmend globalen Kräften unterliegen.

6.2 Delokalisierung und multinationale Unternehmen

Ein zentrales Phänomen ist die Delokalisierung (Verlagerung von Fabriken oder Unternehmen aus Industrieländern in weniger entwickelte Länder). Gründe hierfür sind insbesondere:

  1. Niedrigere Löhne
  2. Weniger strenge Umweltvorschriften
  3. Geringere Steuern
  4. Weniger Arbeitnehmerrechte und stärkere Kontrolle über Beschäftigungsverhältnisse

Multinationale Unternehmen spielen in der globalen Weltwirtschaft eine wichtige Rolle (ein großer Anteil des Welthandels wird von ihnen getragen). Sie betreiben Produktionsstätten in verschiedenen Ländern, wodurch sie:

  • Neue Märkte erreichen
  • Arbeitskräfte regional besser nutzen
  • Transportkosten reduzieren
  • Große Investitionen in Forschung und Entwicklung tätigen
  • Ein umfassendes Wissen über die politischen Systeme der Gastländer und damit oft erheblichen Einfluss besitzen

6.3 WTO und internationale Beziehungen

Die Welthandelsorganisation (WTO) verwaltet die Vereinbarungen, die zwischen ihren Mitgliedern ausgehandelt wurden, und dient als Forum für multilaterale Handelsverhandlungen. Die Globalisierung hat zu gegenseitiger Abhängigkeit zwischen Regionen und Märkten geführt; dennoch sind die Vorteile nicht gleich verteilt, sodass Beziehungen zwischen reichen und armen Ländern oft ungleich sind.

6.4 Unterschiedliche Rollen in der globalen Wirtschaft

Innerhalb der globalen Wirtschaft haben Länder unterschiedliche Funktionen:

  • Kernländer (z. B. USA, Japan, EU) sind Zentren für die Produktion fortgeschrittener Technologie und führen die globale Wirtschaft an.
  • Peripherieländer (vor allem in Afrika, Zentralasien und Teilen Lateinamerikas) produzieren oft mit weniger modernen Technologien und haben geringeren Einfluss auf dem globalen Markt.

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