Ortega y Gasset: Perspektivismus und Ratiovitalismus
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Die philosophischen Phasen von Ortega y Gasset
In der Entwicklung von José Ortega y Gasset, ausgehend vom Neokantismus, lassen sich zwei wesentliche Trends unterscheiden:
1. Perspektivismus (1914–1923)
Der Perspektivismus versucht, das Problem der Wahrheit zu lösen. Ein Einzelner kann die absolute Wahrheit nicht erreichen, da wir die Realität immer nur aus einem bestimmten Aspekt wahrnehmen – je nachdem, aus welcher Perspektive wir sie betrachten. Der Mensch wird definiert als "Ich und meine Umstände". Daher ist jeder Mensch anders, und jeder nimmt die Wahrheit aus seiner eigenen Perspektive wahr. Daraus folgt der Respekt vor den Meinungen anderer, da keine Wahrheit im Widerspruch zu anderen stehen kann.
2. Ratiovitalismus (1923–1955)
Der Ratiovitalismus ist die Lehre von der vitalen Vernunft. Er verteidigt das Vitale, jedoch nicht rein intuitiv, sondern geleitet durch die Vernunft. Das Leben eines jeden Menschen ist ein fortlaufender Prozess. Ortega sagt: "Der Mensch ist der Komponist, Regisseur und einzige Performer der Melodie seines Lebens." Der Mensch ist das, was er während seiner Existenz getan hat. Dies basiert auf zwei unbestreitbaren Tatsachen: Der Mensch ist Freiheit, und das Leben ist eine kontinuierliche Wahl zwischen Alternativen. Alle führenden Theorien des Ratiovitalismus sind in diesem Zeitraum verankert.
Das Konzept der Philosophie
Die Philosophie entspringt keiner Laune oder einem Gebrauchsmuster, sondern ist eine verfassungsrechtliche Verpflichtung des Intellekts. Sie zielt darauf ab, die Wahrheit als Ganzes zu suchen. Die Philosophie ist eine Rebellion, weil sie sich nicht mit dem zufrieden gibt, was wir sehen, fühlen und berühren; stattdessen suchen wir nach der Integrität der Welt. Wir müssen die Welt als etwas Grundlegendes begreifen. Dies ist die Aufgabe der Philosophie.
Die Philosophie ist die Erkenntnis des Universums. Um zu philosophieren, müssen wir drei Prinzipien beachten:
- 1. Das Prinzip des Ganzen (Pantonomie): Ein Streben nach der Gesamtheit, ohne vorab an Vorurteile oder Glaubenssätze gebunden zu sein.
- 2. Methodische Strenge: Diese wird der Philosophie als notwendige Disziplin vorangestellt.
- 3. Prinzip des Universalismus: Die geistige Anstrengung, das Ganze zu erfassen.
Die Philosophie neigt dazu, die ganze Welt zu umarmen und zu erobern. Es ist notwendig, die Philosophie klar abzugrenzen. Wie Ortega verdeutlicht: Sie muss klar wie der Mittag sein, im Gegensatz zu bloßen Formalien, die dunkel wie die Nacht sind.