Ortega y Gassets Ratio-Vitalismus und Perspektivismus
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Die Ratio-Lebensphilosophie und der Perspektivismus
Die Ratio-Lebensphilosophie und die Entwicklung des Perspektivismus sind ein Versuch, zwischen zwei radikalen Perspektiven zu vermitteln: dem Leben (Vitalität) und der Vernunft (Rationalismus). Der Vitalismus ist oft unklar, sowohl in der Biologie als auch in der Philosophie.
- Biologie: Unterscheidung zwischen lebender und inerter Materie.
- Philosophie: Die Vernunft ist nicht der Weg der höheren Bildung im Menschen, sondern die Erfahrung des Werdens intimer Dinge.
Ortega sagt, dies reduziere die Philosophie auf die Biologie und verwirft diese Methode.
Ortegas Vitalismus
Ortegas Vitalismus verteidigt die Sphäre der rationalen Methode der Erkenntnis, in deren Zentrum sich das Problem des Lebens befindet. Die Ratio-Lebensphilosophie richtet sich nicht gegen die Vernunft an sich, sondern gegen den Rationalismus – gegen jenen Ansatz, der keine Grenzen für die Anwendung der Vernunft kennt, was zu einer Blindheit gegenüber dem Irrationalen führt und dazu, Dinge mit bloßen Ideen zu verwechseln.
Zentrale Aspekte des Lebens
- Ich und meine Umstände: Das Leben besteht nicht nur aus der Vitalität, wie Nietzsche sagte, sondern es beinhaltet ebenso die Vernunft.
- Historische und kulturelle Umstände: Wir sind mehr als nur biologische Wesen. Die historischen Umstände bestimmen uns. Ortega y Gasset bezieht sich hierbei auch auf die Generationenfolge.
Grundlagen der Lebensphilosophie
Die Ratio-Lebensphilosophie von Ortega besagt:
- Leben: Die Realität und das Leben stehen gegen den reinen Gedanken.
- Vernunft studiert das Leben: Das Denken muss den gegebenen Gesetzen des Lebens Rechnung tragen.
- Merkmale des Lebens: Persönliche Umstände, Freiheit und Verantwortung.
Um die grundlegende Wirklichkeit des Lebens zu verstehen, muss man die Umstände betrachten. Man kann nur dann von menschlichem Handeln sprechen, wenn dieses durch das Denken bestimmt wird.
Ideen und Überzeugungen
Der Begriff der Idee ist zweideutig; Ortega unterscheidet zwischen Ideen und Überzeugungen (Glauben), was vergleichbar mit dem Verhältnis zwischen Vernunft und Leben ist.
- Überzeugungen (Beliefs): Wir „sind“ in ihnen, sie werden nicht bestritten. Sie fungieren als Grundsatz unseres Handelns. Die Philosophie lässt Zweifel auf sie fallen. Es gibt zwei Gewissheiten: unkritische Überzeugungen und kritische Ideen.
- Ideen: Sie entstehen, wenn Zweifel am Denken aufkommen. Man kann in Überzeugungen leben, aber nicht in bloßen Ideen; man kann jedoch für Ideen und Überzeugungen sterben. Ideen sind nicht unmittelbar empfänglich. Das Verhältnis von Glaube zu Idee ist dialektisch. Die Vernunft besteht nach Ortega y Gasset aus dem Zusammenspiel von Ideen und Überzeugungen.
Der Mensch als historisches Wesen
Das Leben des Menschen geht über die Biologie hinaus und ist mit der menschlichen Geschichte verknüpft. Der Mensch ist Teil des Vermächtnisses von Ideen und Überzeugungen seiner Vorfahren. Er benötigt ein historisches Bewusstsein, um dieses Erbe erweitern zu können. Historisches Bewusstsein bedeutet, das Erbe zu kennen und die erhaltenen Ideen und Überzeugungen zu verstehen. Dabei sind die begangenen Fehler ebenso wichtig wie die Erfolge.
Die Wahrheit ist von historischer Natur. Wahrheiten entstehen aus verschiedenen Perspektiven, die sich gegenseitig ergänzen. Ortega stützt seine Definition der Wahrheit auf das griechische Wort Aletheia (Wahrheit/Unverborgenheit). Dies erklärt den historischen Charakter der Wahrheit. Als Erbe verbindet der Mensch seine Geschichte und seine Pläne für die Zukunft mit der Vergangenheit.
Um die Geschichte zu verstehen, schlug Ortega eine Einteilung in Generationen vor: die aufstrebende, die herrschende und die abtretende Generation. Zeitgenossen teilen bestimmte Ideen und Überzeugungen. Da auch unterschiedliche kulturelle Traditionen geerbt werden, entsteht ein Generationenbewusstsein unter Gleichen.