Das Pantheon in Rom: Geschichte, Architektur & Geheimnisse
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Die Geschichte des Pantheons: Von Agrippa bis Hadrian
Das Pantheon, ursprünglich von Marcus Vipsanius Agrippa im Jahr 27 v. Chr. errichtet, war ein Tempel, der den römischen Göttern geweiht war. Dieses erste Pantheon wurde jedoch im Jahr 80 n. Chr. durch einen Brand zerstört. Kaiser Hadrian ließ auf den Fundamenten des zerstörten Tempels einen neuen Bau errichten, der den Namen Agrippas ehren sollte. Der Entwurf dieses beeindruckenden Neubaus wird oft dem großen Architekten Apollodor von Damaskus zugeschrieben, obwohl Hadrians persönliche Beteiligung an der Gestaltung ebenfalls bedeutend war.
Architektur und Aufbau: Portikus und Rotunde
Der Tempel besteht aus einem großen, klassischen Portikus und einer imposanten zylindrischen Cella, der sogenannten Rotunde. Der Portikus wird von sechzehn monolithischen Säulen getragen, die aus ägyptischem Granit und weißem Marmor gefertigt sind. Diese Säulen ruhen auf massiven Fundamenten und unterteilen den Raum in drei Schiffe.
Das Wunder der Kuppel und des Oculus
Das Pantheon war seiner Zeit weit voraus. Das sanfte, diffuse Licht, das durch den Oculus – die kreisrunde Öffnung in der Kuppelmitte – einfällt, verleiht dem Innenraum eine einzigartige Atmosphäre. Diese beruhigende Wirkung wird durch eine außergewöhnliche Harmonie der Proportionen verstärkt, die der Besucher intuitiv wahrnimmt. Es ist faszinierend zu erkennen, dass die Höhe der Kuppel exakt dem Durchmesser des Kreises entspricht, der ihre Basis bildet. Dieses architektonische Prinzip verdeutlicht das tiefe Verständnis der antiken Baumeister für mathematische Proportionen und deren Einfluss auf die Ästhetik.
Die Statik der Rotunde: Eine Meisterleistung der Ingenieurskunst
Die schwere Kuppel ruht auf der zylindrischen Wand der Rotunde, die beeindruckende sechs Meter dick ist. Diese massive Mauer enthält ein komplexes System aus Entlastungsbögen und Hohlräumen aus Ziegelstein, die das enorme Gewicht des Betons und des Mauerwerks tragen und die Last auf die Punkte des größten Widerstands verteilen. Die Mauer wiederum wird von einem ringförmigen Fundament getragen, das im Laufe der Bauzeit erhöht werden musste, um die Wände und später das Dach zu stützen. An der Außenseite des Zylinders sind drei horizontale Gesimse sichtbar, die die drei sich überlappenden Bereiche der eigentlichen Wand definieren. Das Füllmaterial in den unteren Bereichen wird nach oben hin leichter, um das Gesamtgewicht zu reduzieren.
Das Innere des Pantheons: Nischen, Ädikulä und Lichtführung
Die ausgeklügelte Lastverteilung ermöglichte es, den Zylinder mit acht großen Nischen zu versehen. Eine dieser Nischen wird vom Haupteingang eingenommen, während die anderen sieben abwechselnd als rechteckige und halbkreisförmige Aussparungen an den Enden der Haupt- und Diagonalachsen angeordnet sind. Die massiven Zwischenwände sind mit eingelegtem Marmor verkleidet und beherbergen aufwendige, mehrfarbige Ädikulä, die von dreieckigen Giebeln oder Kreissegmenten gekrönt werden.
Die ursprüngliche Lichtgestaltung und spätere Veränderungen
Oberhalb dieser Ädikulä und unterhalb des scheinbaren Beginns der Kuppel befand sich ursprünglich ein Attikageschoss mit Fenstern. Dieses Attikageschoss erfuhr im 18. Jahrhundert eine bemerkenswerte Umgestaltung. Vor einigen Jahren wurde jedoch in einem Bereich von zwei Fenstern die ursprüngliche Anordnung rekonstruiert, basierend auf bekannten Zeichnungen. Diese zeigten Fenster, die durch Fensterläden verschlossen waren und von vier Pilastern getrennt wurden, welche den Mittelteil ausfüllten. Jedes Fenster war dabei auf die vertikale Achse der entsprechenden Nische oder Ädikula ausgerichtet. Das freie Attikageschoss, das heute die Nischen bis zur Kuppelhöhe umfasst, ermöglichte einst den Eintritt von indirektem Licht durch diese Fenster. Die Mauer wirkte somit ursprünglich wesentlich transparenter, als sie es heute tut, da diese Fenster später überdeckt wurden.
Die Fassade: Funktion und Ästhetik
Die gesamte Konstruktion, insbesondere die Gestaltung der Wände und des Attikageschosses, diente nicht nur der Ästhetik, sondern auch einer doppelten Funktion: Sie verschleierte geschickt das komplexe System der inneren Stützen, das das Gebäude trug, und brach gleichzeitig nicht mit der traditionellen römischen Architektur, die auf Sturz- und Bogenkonstruktionen basierte.