Paolo Fabbri: Semiotik, Signifikation und die Theorie der Aktion
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Paolo Fabbri: Semiotik als Theorie der Aktion
Fabbri vertritt die Ansicht, dass sich das Untersuchungsobjekt der Semiotik gewandelt hat. Es ist nicht mehr das statische Zeichen, sondern der Prozess der Signifikation (Bedeutungsgebung).
Anstatt sich für das nominierte, statische Objekt zu interessieren, liegt der Fokus auf dem Prozess der Bedeutung, dem Vorgang, durch den wir Dingen Sinn verleihen.
Vom Zeichen zur Aktion: Überwindung der Sackgasse
Fabbri löste die „Sackgasse“, in die die älteren Semiologen geraten waren, indem er Vorschläge zur Erklärung des Verhältnisses semiotischer Systeme zur Welt machte: Zeichen sind Aktionen, die die Realität transformieren.
Fabbri schlägt vor, den Begriff der Repräsentation vom Zeichen zu trennen, indem er die Rede (den Diskurs) als Aktion betrachtet. Die Semiotik wird somit zu einer „Theorie der Aktion“, die auch die Perspektive des Akzeptors (Empfängers) einbezieht. Beide – Realität und Empfänger – werden durch die wechselseitige Wirkung verändert.
Kritik der Repräsentationstheorie
Zeichen und Diskurse repräsentieren die Wirklichkeit nicht nur, sondern transformieren sie.
„Wenn die Rede eine Form des Handelns ist, sind Sprachen temporale Konfigurationen von Sinn-Räumen, das heißt, sie sind Akte der Konstruktion und Formung der Wirklichkeit.“
Fabbri kritisiert die alte Repräsentationstheorie des Zeichens und überwindet zwei zentrale ideologische Gegensätze:
- Den scharfen Gegensatz zwischen Worten und Dingen.
- Die Opposition zwischen Fakten und Worten oder Zeichen.
Die Annahme, dass Bedeutungen identisch bleiben, wenn sie in unterschiedlichen Ausdrucksformen vermittelt werden, wird verworfen. Dies eröffnet die Möglichkeit, verschiedene Formen und expressive Kräfte zu erkennen.
Zentrale Konzepte zur Überwindung der Repräsentation
Um die Darstellung des Zeichens zu verlassen, schlägt Fabbri zwei Konzepte vor:
- Narrative Verkettung (Wechselwirkung): Die Verarbeitung von Aktionen und Passionen.
- Gesetz der Konfiguration von Bedeutungen: Erreicht durch die Manipulation von Form und Inhalt.
Die Dimensionen der Leidenschaften (Passionen)
Leidenschaften sind die Auswirkungen von Zeichen auf die Empfänger. Sie besitzen vier Dimensionen:
- Modale Dimension: Phänomene, die untrennbar mit den Leidenschaften verbunden sind:
- Wissen
- Begehren
- Macht
- Pflicht (Pflicht = keine Macht, sie zu stoppen)
- Temporale Dimension: Die zeitliche Dimension ist entscheidend. Leidenschaften entwickeln sich im Laufe der Zeit. (Bsp.: Hoffnung – bezogen auf eine Zukunft, einen Wunsch).
- Aspektuelle Dimension: Der Prozess, in dem sich die Leidenschaft aus der Sicht des Betrachters entwickelt. (Bsp.: Einsatz seiner Aspekte – Muster).
- Esthesische/Körperliche Dimension: Die sensorische, korporale Dimension. Es gibt keine Leidenschaft ohne Körper. Sie transformiert das Körperbild. (Bsp.: Erröten).
Warum wird Semiotik durch Narrativität zur Theorie des Handelns?
Fabbri distanziert sich von den Lehren der alten Semiologen, um die Beziehungsformen semiotischer Systeme zur Welt zu untersuchen (Zeichen werden zu Aktionen, die die Realität verändern). Er schlägt vor, den Begriff der Repräsentation vom Zeichen zu trennen, indem er Sprache und Aktion als zentral betrachtet.
Die Semiotik wird in eine Theorie des Handelns transformiert, die die Perspektive des Empfängers einschließt, da sowohl die Realität als auch der Empfänger durch die Aktion verändert werden.
Fallstudie: Che/Aznar in der Converse-Werbung
2. Generierte Narrative
Das Bild von Che Guevara (oder Che/Aznar) in der Converse-Werbung generiert unterschiedliche Narrative:
- Das Bild der Revolution (Che).
- Die Marke Converse als Symbol der rebellischen Jugend.
- Die Metamorphose von Che/Aznar als Ausdruck ideologisch-politischer Bipolarität (Links und Rechts).
Obwohl die Zeiten vorbei sind (Che und Sozialismus als Mode), positioniert sich die Marke in zeitgenössischen und aktuellen Themen. Sie suggeriert Zukunft, vorgeschlagene Veränderung und die Möglichkeit des Werdens.
3. Erzeugte Leidenschaften
Die Werbung erzeugt spezifische Leidenschaften, die sich in den Dimensionen manifestieren:
- Modal: Wollen (Revolution, aber auch Übertretung), Macht (Präsenz, Besitz, Hierarchie).
- Temporal: Wandel (Zukunft), Jugendstandard.