Petrarca, Garcilaso und die spanische Renaissance-Literatur
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Petrarca und die Wiedergeburt des Humanismus
Francesco Petrarca war ein italienischer Dichter des 14. Jahrhunderts, der wie kein anderer den Charakter und die Ideale des Humanismus verkörperte. Er schrieb mehrere Werke humanistischer Inspiration in Latein, doch seine historische Bedeutung liegt vor allem in seinen Kompositionen in der Volkssprache.
Das Liederbuch und die Triumphe
Sein berühmtestes Werk ist das Liederbuch (Canzoniere). Ein weiteres bedeutendes Werk sind die Triumphe (I Trionfi), ein allegorisches Gedicht in Terzinen (Dreiergruppen), das aus sechs Teilen oder Kapiteln von sehr ungleicher Länge besteht. Sie behandeln die Themen Liebe, Keuschheit, Tod, Ruhm, Zeit und Ewigkeit.
Merkmale des Liederbuchs
Das Liederbuch besteht aus einer Sammlung von mehr als 350 Gedichten, deren Grundthema die Liebe ist. Petrarca feilte sein ganzes Leben lang an der Auswahl und Bearbeitung dieser Texte.
- Erster Teil: Gedichte über die Qualen der Liebe zu Lebzeiten der Dichterin; sie sind voller Sinnlichkeit und Leben.
- Zweiter Teil: Gedichte nach dem Tod der Geliebten (Laura); dies ist die erhabenste Poesie des Werkes.
Der Petrarkismus und seine Merkmale
Der Petrarkismus hatte eine enorme Bedeutung und beeinflusste die Lyrik entscheidend. Er vereint mittelalterliche Themen der höfischen Liebe mit klassischen Einflüssen. Die Merkmale umfassen:
- Die idealisierte Frau und die Klage über den Mangel an Gegenliebe.
- Parallele Gefühlsäußerungen, inspiriert von lateinischen Dichtern.
- Ein breites Spektrum an Gefühlen, ausgedrückt durch Intelligenz und Einfallsreichtum.
- Verwendung poetischer Figuren wie Antithesen, Paradoxien, Alliterationen, Vergleiche und Metaphern.
- Metrische Neuerungen wie der Endecasillabo (Elf-Silbler) sowie Kompositionen als Sonett oder Silva.
Die spanische Lyrik der Renaissance
Die Erneuerung der lyrischen Renaissance vergaß die traditionelle kastilische Dichtung nicht. Bereits im 15. Jahrhundert gab es sowohl gelehrte als auch populäre Poesie. Im 16. Jahrhundert existierten beide Arten weiter:
- Traditionelle Poesie: Weiterhin populär durch Liederbücher und Romanzen.
- Italianisierende Poesie: Innovativ und dominierend in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts; sie markiert das Wiederaufleben der spanischen Literatur durch tiefgreifende metrische Erneuerungen.
Garcilaso de la Vega: Ein Meister der Form
Garcilaso de la Vega ist einer der größten spanischen Dichter, bekannt für seine formale Perfektion. Der Autor aus Toledo kultivierte sowohl die traditionelle kastilische als auch die italianisierende Dichtung. Seine Merkmale sind:
- Einfluss lateinischer und Renaissance-Themen.
- Ein Ideal von Transparenz und Klarheit im Ausdruck, fernab von gekünstelter Sprache.
- Verwendung von Topoi wie Locus amoenus, weibliche Schönheit und Carpe diem.
Die Eklogen und Sonette
Seine Eklogen sind pastorale Gedichte, in denen Hirten ihre Liebesklagen in einer idealisierten Natur ausdrücken:
- Ekloge I: Die Hirten Salicio und Nemoroso beklagen die Untreue von Galatea und den Tod von Elisa.
- Ekloge II: Das erste Werk dieser Art, das er schrieb.
- Ekloge III: Vier Nymphen sticken an den Ufern des Tajo Leinwände, die Liebestragödien darstellen.
Garcilaso war zudem der erste große Meister des Sonetts in Spanien, wobei er die Gedankenblöcke perfekt an die Struktur der Verse anpasste.
Theater und Roman im 16. Jahrhundert
In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurde das Theater oft in Palästen aufgeführt. In der zweiten Hälfte war Juan de la Cueva in Sevilla ein Vorläufer des großen Theaters von Lope de Vega. Der Roman erreichte mit Cervantes seinen Höhepunkt, nachdem er sich aus realistischen und idealistischen Strömungen (Ritter- und Liebesromane) entwickelt hatte.
Lazarillo de Tormes: Der Schelmenroman
Das Werk Lazarillo de Tormes (1554) erschien anonym in vier verschiedenen Städten. Es besteht aus einem Prolog und sieben Abhandlungen (Tratados) von ungleichem Umfang.
- Handlung: Der junge Lázaro dient nacheinander verschiedenen Herren (einem Blinden, einem Kleriker, einem Ritter, einem Mönch etc.) und lernt durch Grausamkeit zu überleben.
- Bedeutung: Es begründete den Schelmenroman (Pikareske). Es ist eine harte Gesellschaftskritik in der ersten Person, die realistische Ereignisse einer unehrenhaften Herkunft beschreibt.
Askese und Mystik in der Literatur
Die Gedichte von Fray Luis de León sind Erben der Renaissance. Sein Werk drückt das Verlangen nach Frieden und die Suche nach der göttlichen Seligkeit durch die Schönheit der Natur aus. Er übersetzte zudem Teile der Bibel in das Kastilische.
San Juan de la Cruz
Sein Werk ist quantitativ gering, aber von höchster Qualität. Zu seinen Hauptwerken gehören:
- Dunkle Nacht der Seele: Beschreibt die Freude der Seele bei der Vereinigung mit Gott.
- Geistiger Gesang: Inspiriert vom Hohelied, gilt es als ein Gipfel der spanischen Lyrik.
- Lebendige Liebesflamme: Ein kurzes Gedicht über das Jubelgefühl der in Gottes Liebe entbrannten Seele.