Pflege bettlägeriger Patienten: Leitfaden für die Praxis
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Der bettlägerige Patient
Eine Person, die viele Stunden oder dauerhaft im Bett verbringen muss, benötigt aus verschiedenen Gründen besondere Aufmerksamkeit durch den Betreuer:
Wichtiger Warnhinweis:
Als Betreuer oder Pfleger kümmern Sie sich um eine Person, die dauerhaft bettlägerig ist. Dies kann verschiedene Ursachen haben:
- Vorübergehende Krankheiten: Unfälle oder Lungenentzündungen.
- Chronische Erkrankungen: Lungenerkrankungen, Nierenerkrankungen.
- Schwere Behinderungen: Zum Beispiel eine Hemiplegie (Halbseitenlähmung).
- Versorgungsorte: Diese Menschen können zu Hause, in Pflegeheimen, in Tagesstätten für Langzeitaufenthalte oder in speziellen Pflegeeinrichtungen versorgt werden.
Häusliche Pflege und Umfeld
Häusliches Umfeld: Die Pflegepersonen sind hier oft Familienmitglieder, Freunde usw.
Organisation der häuslichen Pflege: Der Patient wird zu Hause versorgt, wobei die Pflege zwischen der Familie und Fachkräften aufgeteilt wird. Es finden geplante Besuche statt.
Fachkräfte erklären der Familie, wie sie die Kranken in deren Abwesenheit pflegen müssen. (Wiederholung: Die professionelle Hilfe ist vor Ort und erläutert die Pflegeabläufe, auch wenn sie gerade nicht direkt am Patienten arbeitet).
Diese Pflegeformen finden auch Anwendung bei Rekonvaleszenten oder Personen mit funktionellen Einschränkungen, bei denen kein Risiko einer Verschlimmerung besteht.
Vorteile der häuslichen Pflege:
- Die Person bleibt in ihrer gewohnten Umgebung, was weniger Angst verursacht und ein geringeres Infektionsrisiko birgt.
- Es reduziert die Überlastung des Krankenhaus-Systems und ist kostengünstiger als ein typischer Krankenhausaufenthalt.
Das Raumklima und die Patientenumgebung
Es gilt, eine angenehme Umgebung zu definieren, die nicht nur hygienisch und sicher ist, sondern auch eine gute Ästhetik bietet (Beispiel: Blumen, Gardinen, Wandfarben etc.).
In einer angenehmen Atmosphäre fühlt sich der Patient deutlich besser, was die Lebensqualität steigert und zur Genesung beiträgt.
Maßnahmen zur Erhaltung der Atmosphäre:
- Zimmer sauber und ordentlich halten.
- Niedriges Geräuschniveau sicherstellen.
- Eine angenehme Temperatur gewährleisten.
- Ausreichende Beleuchtung und Belüftung.
Sauberkeit, Ordnung und Stille
Ein sauberer und ordentlicher Raum hilft dem Patienten, ruhig und ermutigt zu bleiben. Der Betreuer sollte die Ordnung halten oder dabei helfen und die Familie anleiten, wie dies angemessen umzusetzen ist.
Vermeidung von Lärm:
Lärm verursacht Nervosität und Gereiztheit. Unerwartete Geräusche können Sorge und Angst auslösen. Patienten, die besondere Ruhe benötigen, sind Schwerstkranke, Personen mit Fieber, frisch Operierte oder Menschen in verzweifelten Zuständen.
Tipps für mehr Stille:
- Sprechen Sie leise und ruhig.
- Senken Sie die Lautstärke von TV oder Radio.
- Beantworten Sie Türklingel und Telefon schnell; telefonieren Sie nicht lautstark im Patientenzimmer.
- Tragen Sie leise Schuhe.
- Bewegen Sie Möbel vorsichtig, um Schläge oder Stürze zu vermeiden.
- Nutzen Sie Reinigungsutensilien vorsichtig und schließen Sie Türen oder Schubladen leise.
Optimale Temperatur und Beleuchtung
Angenehme Temperatur: Die optimale Raumtemperatur sollte zwischen 20 und 25 °C liegen. Bei direkter Sonneneinstrahlung sollten Vorhänge und Jalousien geschlossen werden, um die Temperatur zu regulieren.
Die richtige Beleuchtung:
- Lichtmangel: Kann zu Unfällen oder Panik führen.
- Zu helles Licht: Kann die Augen ermüden oder Unbehagen (Malz) erzeugen.
- Sonnenlicht: Hat eine antidepressive Wirkung. Künstliches Licht dient als Ergänzung.
Arten der künstlichen Beleuchtung:
- Allgemeine Beleuchtung: Gleichmäßig und ausreichend stark.
- Konzentrierte Beleuchtung: Eine Lampe, die gezielt Licht auf das Bett wirft.
- Orientierungslicht (Pilotlampe): Eine weiche Lichtquelle für die Nacht, die den Schlaf nicht stört, aber dem Patienten bei der Orientierung hilft, wenn er aufwacht.
Regelmäßige Belüftung des Zimmers
Häufiges Lüften ist notwendig, um:
- Die Luft zu erneuern.
- Die Keimkonzentration in der Umgebung zu senken.
- Gerüche zu neutralisieren.
Dazu sollten Türen und Fenster geöffnet werden, wobei Zugluft zu vermeiden ist. Bei Regen sollte das Fenster geschlossen bleiben und nur die Tür geöffnet werden.
Geruchsprävention im Zimmer:
- Kleidung und Bettwäsche sauber und trocken halten; bei Verschmutzung sofort wechseln.
- Bettschüssel oder Urinflasche sofort entfernen, waschen und abdecken.
- Mit ausreichend fließendem Wasser reinigen, um das Becken (Bater) zu spülen.
- Nach der Leerung Hände waschen.
- Gut lüften, besonders wenn Wunden (kutane Öffnungen) versorgt werden.
- Rauchen ist streng verboten.
Die Patienteneinheit und Ausstattung
Als Patienteneinheit wird der gesamte Bereich bezeichnet, der vom Patienten genutzt wird, inklusive der Ausrüstung (Möbel, Zubehör, Sanitätsmaterial). Zu Hause entspricht dies dem Patientenzimmer.
Häufige Möbelstücke:
- Das Bett: Es sollte in gutem Zustand sein und mit dem Kopfende die Wand berühren. Zu anderen Ecken sollte ein Abstand von mindestens einem Meter eingehalten werden.
- Nachttisch: Hier werden persönliche Gegenstände wie Toilettenartikel oder Medikamente aufbewahrt. Er sollte leicht von der Wand getrennt stehen.
- Betttisch (Serviertisch): Er besitzt Rollen, ist in Höhe und Neigung verstellbar und kann über das Bett geschoben werden (zum Essen oder Schreiben).
- Sitzgelegenheit: Ermöglicht Ruhephasen außerhalb des Bettes oder dient Besuchern als Platz.
- Trittstufe (Escabell): Ein kleiner Schemel am Bett, der dem Patienten beim Ein- und Aussteigen hilft.
Zubehör:
- Bettschüssel/Urinal: Die „Stechhilfe“ (Keil) für Frauen und die „Ente“ (Flasche) für Männer.
- Brechschale/Becken: Zum Auffangen von Erbrochenem oder für Waschungen.
- Sterile Behälter: Zur Sammlung von Proben.
Dieses Zubehör wird normalerweise im Badezimmer aufbewahrt.
Das professionelle Pflegebett
Je länger ein Patient im Bett verbringt, desto wichtiger ist ein professionelles Bett aus einer rostfreien Legierung, die eine leichte Reinigung und Desinfektion ermöglicht.
Maße und Funktionen:
- Breite: 90–95 cm | Höhe: 70 cm | Länge: 1,9–2 m.
- Die Beine sind mit feststellbaren Rollen ausgestattet.
- Die Matratze liegt auf drei beweglichen Segmenten: Kopf/Schultern, Becken und untere Extremitäten.
Wichtige Lagerungspositionen:
- Fowler-Position: Halb sitzend.
- Semi-Fowler-Position: Füße leicht erhöht.
- Trendelenburg-Position: Füße liegen höher als der Kopf.
- Anti-Trendelenburg-Position: Kopf liegt höher als die Füße.
Ein elektrischer Motor ermöglicht das Heben und Senken der Segmente. So kann das Pflegepersonal den Patienten versorgen, ohne den eigenen Rücken zu belasten. Die Familie muss in die Bedienung und die zu vermeidenden Positionen eingewiesen werden.
Zubehör für das Pflegebett
Für Menschen mit schweren Frakturen oder Wirbelsäulenverletzungen gibt es spezielles Zubehör:
- Bettgalgen (Dosell): Metallstangen für Zugvorrichtungen.
- Antrieb/Seilzug: Unterstützung durch Nylonseile.
- Trapezgriff (Balkan-Estreb): Ein dreieckiger Metallrahmen über dem Patienten, der beim Aufrichten oder Umpositionieren hilft. Ideal für schwache, übergewichtige oder gelähmte Personen.
Spezialmatratzen:
Spezielle Matratzen (z. B. aus 3 Blöcken mit 48–96 Einheiten) dienen der gleichmäßigen Gewichtsverteilung, um Druckgeschwüre (Dekubitus) zu verhindern. Es gibt Wasser- und Luftmatratzen. Wechseldruckmatratzen blasen sich abwechselnd auf und entleeren sich, um die Druckpunkte ständig zu verändern.
Bettwäsche und Textilien (Lingerie)
Zur Bettwäsche gehören:
- Matratzenschoner: Wasserdicht, schützt die Ecken vor Ausscheidungen und Sekreten.
- Laken: Unterlaken und Oberlaken, meist aus Baumwolle oder Synthetik.
- Stecklaken: Schützt die Matratze zusätzlich und erleichtert das Bewegen des Patienten.
- Krankenunterlage (Empapador): Dicke Zellulose-Unterlage (Einweg), die das Bett vor Feuchtigkeit schützt.
- Decken und Quilt: Je nach Wärmebedarf.
- Kissenbezüge: Schützen das Kissen direkt (oft mit Reißverschluss) und werden regelmäßig gewechselt.
Zusätzliches Sicherheitszubehör
- Seitengitter (Security Rails): Verhindern das Herausfallen aus dem Bett.
- Urinbeutelhalterung: Metallrahmen am Bettgestell zur Befestigung des Urinbeutels.
- Bettbogen (Metal Arc): Ein Halbbogen, der die Bettdecke hochhält, damit sie nicht direkt auf der Haut reibt (wichtig bei Wunden oder Verbrennungen).
Zusätzliche Decken können nötig sein, um den Wärmeverlust durch das größere Luftvolumen unter dem Bettbogen auszugleichen.
Fußstütze:
Ein T-förmiges Holz- oder Metallgestell am Fußende, das die Füße in einer natürlichen Position hält und eine Überbeugung verhindert.
Techniken des Bettenmachens
In Gesundheitszentren wird die Wäsche täglich gewechselt; zu Hause passt man sich den Möglichkeiten des Betreuers und den Bedürfnissen des Kranken an.
Wichtige Regeln:
- Alle benötigten Materialien vorab sammeln und prüfen.
- Gebrauchtes Einwegmaterial sofort fachgerecht entsorgen.
- Wiederverwendbare Materialien reinigen und ordentlich verstauen.
- Hygiene: Saubere Wäsche darf niemals mit schmutziger Wäsche in Berührung kommen.
- Trennen Sie die Schmutzwäsche strikt von Ihrer eigenen Kleidung (Uniform), um Keimverschleppung zu vermeiden.
- Bei ansteckenden Krankheiten muss die Wäsche in speziellen Säcken isoliert und unter besonderen Bedingungen gewaschen werden.